Regensburg
Slade: Radau-Rentner hauen auf die Pauke
Glamrock-Band füllt den Regensburger Kulturspeicher - Publikum vermisst Sänger "Noddy" Holder
Links, zwei, drei und Wechselschritt: Der letzte Glamrock-Mann tanzt in Regensburg. Partytime für die unerschütterlichen Fans der britischen Radau-Rentner Slade. Goodtime-Rock der Spitzenklasse. Der ausverkaufte Kulturspeicher brodelt. Vorne turnt ein kleiner Kerl mit Hut und in verwegenen Klamotten. "Look Wot You Dun."Als Anheizer rocken am Freitag die Local-Heroes "Staid As Quo", eine Regensburger Coverband. Slade beginnen kurz vor 22 Uhr mit "Cum On Feel The Noize." Das Quartett ist neu besetzt. Von den alten Haudegen sind nur noch Gitarrist Dave Hill und Drummer Don Powell dabei. Sänger Neville "Noddy" Holder fehlt: Das ist so, als würde man Queen noch mal ohne Mercury auf die Bühne schicken.
Ersatzmann John Berrys Stimme reicht an die aggressive, kerosindurchtränkte Turbo-Voice des Ex-Frontmanns nicht annähernd heran. Trotzdem gibt es keine langen Gesichter im Speicher. Ganz im Gegenteil. Dave Hill macht auf der rechten Seite mit Ronaldo-Kauleiste, Grimassenziehen, Hüpfübungen und derben Amüsier-Riffs das wett, was der Mann in der Mitte nicht hinkriegt. Die Leute lassen sich einfangen von der Magie der Siebziger, als sich Slade und ihr simpler Anheizer-Rock mit T. Rex und Sweet den großen Kuchen teilten. Auch an Dave Hill, der im April 52 wird und in seiner englischen Heimatstadt als Musiklehrer jobbt, sind die Jahre nicht spurlos vorüber gegangen. Sein Doppelkinn dehnt sich beim Grinsen wie Gummi. Gerade das macht den Kerl so sympathisch. Dave Hill, der "Bangin' Man". Don Powell verschanzt sich derweil hinter seiner Schießbude. Der weiße Mundschutz vom letzten Boxtraining gibt zu Spekulationen Anlass, der Mann wolle sich dort oben vor fliegenden Gegenständen oder wütenden Fans schützen. Aber die Regensburger fahren voll auf diese Gruppe ab.
Bis dato klingt das Konzert wie ein Vollwaschprogramm. Ein Stauben und Schieben, einfach grausig verstimmt. Erst bei "Coz I Luv You" findet der Tonmischer den richtigen Regler. "Number One in Germany", grinst Dave Hill und spreizt die Arme zum Victory-Zeichen. Das Publikum tobt und grölt mit. "Run Run Away" - Ja, auch dieser Mitklatscher ist von Slade. Diese Band hat Klassiker geschrieben. Songs, die heute auf keiner Hausparty fehlen dürfen.
Bassist Jim Lea, der für die Entstehung des Materials verantwortlich zeichnete, wurde durch Steve Whalley ersetzt. Nicht ganz anderthalb Stunden dauert der Gig. Aber die haben es in sich: "Gudbuy T'Jane", "Mama Weer All Crazee Now". Die Menschen lassen diese Slade nicht gehen. Erpressen "My Oh My" und drücken die Feuerzeuge. Großer Abschied mit "Born To Be Wild" von Steppenwolf.
Tagesausgabe als E-Paper kaufen und mobil bezahlen
Sie können seit März 2012 auch eine einzelne Ausgabe unserer Zeitung im E-Paper-Format kaufen. Die Bezahlung erfolgt direkt über Ihr Mobiltelefon, eine gesonderte Anmeldung ist nicht erforderlich.
Um sich einen Eindruck davon zu verschaffen, wie das E-Paper aussieht, können Sie hier klicken und ein kostenloses Ansichtsexemplar anschauen.















































































