Grafenwöhr
Tennishalle: neuer Aufschlag
Ex-Besitzer startet weiteren Versuch - Einheimische Sportler zwischen Zuversicht und Skepsis
Grafenwöhr. (rgr) "Wir müssen immer nach Kemnath fahren und unser ganzes Graffel mitschleppen. Sieben Monate im Jahr muss man fast eine Weltreise antreten, um Tennis spielen zu können. Wegen der Wetterlage bei uns, in Bayrisch-Sibirien ist es oft nicht möglich, in freier Natur dem Sport nachzugehen."
Tennisspieler Ludwig Widmann kann aufatmen. Es sollen wieder andere Zeiten kommen, denn ab dem heutigen Samstag soll der seit drei Jahren verwaisten Tennishalle in Grafenwöhr wieder Leben eingehaucht werden."Ich habe angeschoben"
"Ich war ein bisschen egoistisch und habe angeschoben", erzählt Ludwig Widmann. "Wieso müssen die Tennissportler nach Kemnath fahren, wenn eine Tennishalle vor der Haustür steht?", fragte sich der Pensionär. Er denkt dabei nicht nur an sich und seine Frau, sondern auch an die vielen Gleichgesinnten, die sich für den "weißen Sport" begeistern. Dabei habe sich das Tennis-Image schon etwas gewandelt. Es ist nicht mehr ganz so interessant, wie zu Boris Beckers oder Steffi Grafs Zeiten. Aber viele Tennis-Freaks würden sich freuen, wenn die Tennishalle in Grafenwöhr wieder für die Sportler zugänglich wäre.
Dies bestätigte auch der Vorsitzende des Grafenwöhrer Tennisclubs, Hans Gleißner. Die Mitteilung einer Neueröffnung kam für ihn völlig überraschend. "Wir wären glücklich, wenn wir während des Winterbetriebes wieder in der Halle spielen könnten", meint er. Allrdings warnt er vor zu großer Euphorie und spricht damit sicher vielen Mitgliedern des Tennisclubs aus der Seele.
Der Einzugsbereich wäre groß. Nicht nur die Grafenwöhrer kämen bestimmt wieder, sondern auch Sportler aus Eschenbach, Pressath, Mantel, Weiherhammer, Freihung und sogar aus Weiden. Dessen ist sich Gleißner sicher. Auch im Hinblick auf die Jugend wäre eine Neueröffnung eine Verbesserung; da die langen Fahrtwege nach Kemnath wegfielen.
Neuer, alter Besitzer
Wolfgang Jürgens aus Dresden, der schon einmal Besitzer der Tennishalle war, will jetzt einen Neubeginn wagen. Im November 1996 hatte er die Immobilie wegen seiner Tochter ersteigert. Er wollte ein Trainingszentrum für sie einrichten. Allerdings konnte sie bald darauf wegen einer Verletzung der Wirbelsäule dem Leistungssport nicht mehr nachgehen. Jetzt waren es laut seiner Schilderung wieder junge Leute, die ihn dazu bewegten, der Tennishalle noch einmal eine Chance zu geben. Ronny Kubasch aus Starnberg sowie Mario Bergmann und Sandra Bank aus Dresden sollen sich um die Tennishalle mit Sauna und dazugehörender Gastwirtschaft kümmern.
Geplant ist für später auch ein Internet-Café mit Billiard- und Dartspiel, was besonders für die Jugendlichen interessant wäre. "Bewährt hat sich so ein Internet-Café schon in Dresden, wo es gut gelaufen ist", erzählt Ronny Kubasch. Auch die Idee von einem Sporttextilverkauf auf 25 Prozent der Fläche schwirrt durch die Köpfe der jungen Leute. Dies sei aber bisher nur Zukunftsmusik.
Zunächst sollen Tennisspieler von 9 bis 22 Uhr ihrem Sport nachgehen und auch saunieren können. Die Gaststätte soll von 9 bis 1 Uhr nachts - natürlich auch für Nicht-Sportler - geöffnet sein.
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