Von (phs) |
20.02.2012
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Neuhaus
Trau keiner über 27
Erin Perry verneigt sich am Schafferhof mit Ironie und Stimme vor Janis Joplin
Neuhaus. (phs) Eine aufgedrehte Schnapsdrossel steht auf der Bühne, kokettiert mit der Southern-Comfort-Flasche und säuft sich langsam ins Grab. Nebenbei röhrt sie sich zur Legende. Mit dem Abstand von über 40 Jahren darf man so etwas witzig finden, und Fasching ist ja auch noch.
Ketten, Batikshirt, Federboa und ein Ungetüm von Sonnenbrille bildeten die Kulisse für Erin Perrys grandiose Stimme, mit der sie Janis Joplins Denkmal am Schafferhof vom Staub der Rockgeschichte befreite. Bild: phs
Am Schafferhof gastierte am Freitagabend aber alles andere als eine Janis-Joplin-Parodie. Dazu ist Erin Perry zu professionell. Die in München lebende Amerikanerin erwies der 1970 verstorbenen Hippie-Ikone höchst brillant die Ehre. Wären der leicht pummeligen Janis mehr als 27 Lebensjahre vergönnt gewesen, wäre sie möglicherweise zu der Sirene geworden, die in Neuhaus die Tenne rockte. Erin Perry muss viele alte Konzertfilme genau studiert haben, so nah war sie in ihrer Gestik am Zappelphilipp des Originals dran, von der Klamotte mal ganz abgesehen.
Wäre die Kalifornierin aber nicht selber so eine Rampensau, die mit viel Herz und Ironie schnell ein Publikum für sich einnimmt, bräuchte sie sich gar nicht an einer wie Janis Joplin versuchen. Die hatte außer Temperament auch noch eine Stimme, über die nichts weiter gesagt werden muss. Aber weil Erin Perry ebenfalls ein Organ hat, für das sie ihr in jeder Ruhmeshalle einen Lorbeerkranz flechten, blamiert sie sich nicht, wenn sie "Kozmic Blues" oder "Ball and Chain" covert.
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Neuhaus
Trau keiner über 27
Erin Perry verneigt sich am Schafferhof mit Ironie und Stimme vor Janis Joplin
Abgesehen davon hatte die Frohnatur aus L. A. vier Instrumentalisten im Schlepptau, die ihrerseits demonstrierten, warum Janis-Joplin-Songs noch heute so angenehm durch den ganzen Körper strömen. Herausragend dabei war Keyboarder Jörg Raabe, der elegische Piano-Perlen über Balladen wie "Cry Baby" kullern ließ. Oder bei "Summertime", der wohl schönsten Version des Gershwin-Klassikers. Warum so ein Ohrwurm selbst auf Oldie-Sendern im Radio so gut wie nie zu hören ist, wird wohl auf ewig ein Geheimnis deutscher Programmdirektoren bleiben.
Vielleicht ist ihnen Janis Joplin auch heute noch zu ausgeflippt. Das Mädchen aus Port Arthur in Texas, das so sehnsüchtig um Liebe buhlte und daran zerbrach. In den 60ern, als vier Jungs aus Liverpool der Welt genial-romantisch "All you need is love" verordneten, forderte die Amerikanerin leidenschaftlich-verzweifelt "Get it while you can". Knapp 200 Zuhörer um die 50 haben es von Erin Perry bekommen - sogar mit Janis' texanischem Akzent.
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