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Wien
Freiheit ist sein Lebensthema
"Ein linker, liberaler Konservativer": Joachim Gauck soll jetzt doch noch Bundespräsident werden
Wien. "Gott und die Mehrheit wird sich fügen." Mit diesen Worten kommentierte der ehemalige Pastor und DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck (72) laut "Focus" am Sonntag in Wien die Frage nach einer erneuten Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten. "Im Moment habe ich ein sehr, sehr schönes Leben - und so eine Aufgabe bedeutet doch große Loyalität, und das bedeutet Einschränkung und Rücksichtnahme."
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| Beim zweiten Anlauf ins Präsidentenamt: Joachim Gauck (72) soll Nachfolger von Christian Wulff werden . Archivbild: dpa |
Wie kein anderer steht Gauck für die unbestechliche, der Wahrheit, aber niemals dem Rachebedürfnis verpflichtete Aufarbeitung des Unrechts in der DDR. Er selbst sieht darin vor allem einen Beitrag zu einem "tragfähigen, auf Offenheit und Auseinandersetzung gegründeten inneren Frieden", wie er es in seinem zweiten Tätigkeitsbericht 1995 formulierte. Für den aus Rostock stammenden Sohn eines Kapitäns ist Freiheit nicht nur eine Floskel. Was Unfreiheit bedeutet, hatte er bereits 1951 erfahren, als sein Vater wegen angeblicher Spionage verhaftet und nach Sibirien deportiert wurde.
Gauck studierte evangelische Theologie, wurde Pastor in Lüssow (Kreis Güstrow) und ab 1971 in Rostock-Evershagen und leistete so seinen Beitrag dazu, dass die Kirchen in der DDR ein Raum für das freie Denken und Sprechen blieben. In den 80er Jahren vertrat er eine zunehmend offensive und auch DDR-kritische Haltung in Menschenrechts-, Friedens- und Umweltfragen und gehörte 1989 zu den Initiatoren der kirchlichen und politischen Protestbewegung in Mecklenburg. Er leitete wöchentliche Gottesdienste mit anschließender Großdemonstration in Rostock und wurde Mitglied und regionaler Sprecher der Bürgerbewegung "Neues Forum".
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