Von Thomas Lanig, dpa |
20.02.2012
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Berlin
Unbestechlichkeit und Charisma
Hohe Anforderungen an Amt des Bundespräsidenten: Übermenschen aber gibt es nicht
Berlin. Vielleicht hat Christian Wulff als Staatsoberhaupt doch nicht nur sich selbst, sondern auch das Amt beschädigt. Jedenfalls erwies sich die Suche nach einem Nachfolger am Wochenende auch deshalb als so schwierig, weil nicht gerade großes Gedrängel herrschte bei der Veranstaltung "Deutschland sucht den Bundespräsidenten". Kanzlerin Angela Merkel fing sich gleich ein paar Absagen ein, mit denen sie nicht gerechnet hatte.
Dass sich die Parteien in Berlin nicht leicht taten mit ihrer Wahl lag natürlich an den schlechten Erfahrungen der Vergangenheit: Sowohl Horst Köhler als auch Christian Wulff traten vorzeitig zurück, letzterer nach einer zweimonatigen und quälenden Affäre. Beide waren dem Amt wohl nicht gewachsen - auf sehr unterschiedliche Weise. Unbefangen kann und darf sich nun niemand mehr der Aufgabe des Bundespräsidenten nähern. Unbestechlichkeit, Charisma, Erfahrung und Autorität werden gesucht - gar nicht leicht zu finden.
"Engel und Königin"
Eine "Mischung aus Engel und Königin" dürfe niemand erwarten, sagt Joachim Gauck, der knapp unterlegene Kandidat von 2010, der immer noch den meisten Deutschen als beste Wahl für das höchste Amt im Staat gilt. Auch die Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast warnt, man solle "die Hürden nicht zu hoch legen". Mit einem Übermenschen ist nicht zu rechnen, aber Durchschnitt und Farblosigkeit wären auch zu wenig. Witzbolde ziehen schon den Vergleich zur langwierigen Suche eines Nachfolgers für Thomas Gottschalk bei "Wetten dass..?"
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Berlin
Unbestechlichkeit und Charisma
Hohe Anforderungen an Amt des Bundespräsidenten: Übermenschen aber gibt es nicht
Hatte zunächst noch Erleichterung nach Wulffs Rücktritt am vergangenen Freitag überwogen, machte sich schnell Ratlosigkeit breit. Eine Wiederholung der Causa Wulff wäre ein Horrorszenario, dabei ist dieser mit seiner Nähe zu reichen Unternehmern und dem angeblich lockeren Umgang mit kleinen Gefälligkeiten sicher kein Einzelfall in der politischen Klasse dieses Landes. Aber fehlende politische Erfahrung wie bei Horst Köhler kann auch nicht die Lösung sein. Am besten vielleicht erstmals eine Frau - aber welche?
Dabei gäbe es viel zu tun im Schloss Bellevue, dem nun vorübergehend unbesetzten Amtssitz des Staatsoberhaupts in Berlin. Die Schuldenkrise um Griechenland und den Euro könnte sich schnell zuspitzen, eine große Rede zum Thema ließ Wulff lange vermissen - und zuletzt hörte ihm keiner mehr zu. Orientierung soll der Präsident geben, gerade in schwierigen Zeiten.
Zweimal hat die Bundesversammlung, die den Präsidenten wählt, zuletzt Entscheidungen getroffen, die keinen Bestand hatten. Dies wird der Kanzlerin angelastet, die bei der Wahl Köhlers und Wulffs vor allem der Parteitaktik folgte. Aber vielleicht, so argumentieren manche Experten, ist auch das ganze System nicht in Ordnung. Eine Direktwahl durch das Volk findet immer mehr Anhänger, obwohl diese doch von den Vätern des Grundgesetzes mit Bedacht ausgeschlossen wurde. Ein rotierendes System wie in der Schweiz wäre denkbar. Oder sogar die völlige Abschaffung des höchsten Staatsamtes.
Öffentliche Befragung
Der FDP-Politiker Erwin Lotter, der immerhin als erster Koalitionsabgeordneter den Rücktritt Wulffs gefordert hatte, will nun eine "öffentliche, im TV übertragene Befragung" der Kandidaten vor der Wahl. Das wäre dann wenigstens eine echte "Castingshow" und eine Kandidatensuche in aller Öffentlichkeit.
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"Ein linker, liberaler Konservativer": Joachim Gauck soll jetzt doch noch Bundespräsident werden
"Gott und die Mehrheit wird sich fügen." Mit diesen Worten kommentierte der ehemalige Pastor und DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck (72) laut "Focus" am Sonntag in Wien die Frage nach einer erneuten Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten. "Im Moment habe ich ein sehr, sehr schönes Leben - und so eine Aufgabe bedeutet doch große Loyalität, und das bedeutet Einschränkung und Rücksichtnahme." mehr...
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"Ein linker, liberaler Konservativer": Joachim Gauck soll jetzt doch noch Bundespräsident werden
"Gott und die Mehrheit wird sich fügen." Mit diesen Worten kommentierte der ehemalige Pastor und DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck (72) laut "Focus" am Sonntag in Wien die Frage nach einer erneuten Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten. "Im Moment habe ich ein sehr, sehr schönes Leben - und so eine Aufgabe bedeutet doch große Loyalität, und das bedeutet Einschränkung und Rücksichtnahme." mehr...
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