Von Rolf Schraa, dpa |
13.02.2012
| Netzcode: 3137417 | 59 Mal gelesen.
Duisburg
Hoffen auf Schlussstrich
Duisburgs OB Sauerland geschasst - Quittung für Loveparade-Drama
Duisburg. Er wurde nach der Loveparade 2010 beschimpft, bedroht und bei einer Rede mit Ketchup übergossen. Doch Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) machte einfach immer weiter. Jetzt setzten die Wähler dem 56-Jährigen in einem seltenen Akt breiter Empörung den Stuhl vor die Tür.
Die SPD jubelt - der CDU-Mann an der Spitze der Industriestadt im Ruhrgebiet war ihr seit seiner Wahl 2004 immer ein Dorn im Auge. Die Abfuhr für Sauerland fiel am Sonntag klarer aus, als selbst die engagiertesten Betreiber der Abwahl erwartet hatten: Knapp 130 000 Wähler stimmten für sein sofortiges Ausscheiden aus dem Amt - fast 40 000 mehr als nötig.
Als Duisburgs Stadtdirektor und Wahlleiter Peter Greulich das Ergebnis im Foyer des Rathauses am Abend bekanntgab, brach im Lager der Sauerland-Gegner lauter Jubel aus. Eine halbe Stunde später trat ein sichtlich bewegter Sauerland vor die Presse. "Ich war gern Oberbürgermeister mit Herzblut und Leidenschaft", sagte er mit belegter Stimme. "Ich hoffe, dass die politischen Parteien jetzt die Kraft haben, aufeinander zuzugehen."
Als einer der Sieger des Tages präsentierte sich der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger, der auch SPD-Chef in Duisburg ist. Er kam schon lange vor der Bekanntgabe des Ergebnisses ins Rathaus und gab Interviews. Die Stadt brauche ein klares Ergebnis, um von ihrer Fixierung auf das Unglück wegzukommen, sagte er. Viele Duisburger spürten noch Scham und Verärgerung, weil Sauerland sich fast ein Jahr nicht für die Katastrophe entschuldigt habe. In der Landeshauptstadt Düsseldorf hat Jäger selbst mit der Loveparade zu kämpfen. Dort werfen ihm CDU und FDP vor, für Fehler beim Polizeieinsatz verantwortlich zu sein.
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Duisburg
Hoffen auf Schlussstrich
Duisburgs OB Sauerland geschasst - Quittung für Loveparade-Drama
Keine Worte des Trostes
Sauerland - mit seiner hemdsärmeligen Art einst sehr beliebt in Duisburg - hat die Quittung dafür bekommen, dass er mit der Katastrophe 2010 nicht fertig wurde. Nach dem Unglück war die Stadt wie betäubt, doch ihr erster Bürger fand keine Worte des Trostes. So wurde der kleingewachsene Mann mit dem sauber geschorenen Kinnbart medial und in den Köpfen vieler Duisburger zum Gesicht der Katastrophe - und die Forderung nach seinem Rücktritt zum Politikum, das die Stadt zunehmend spaltete. In einer ersten Reaktion beschuldigte Sauerland die Loveparade-Teilnehmer, er räumte später falsche Angaben zu den Teilnehmerzahlen ein und verschanzte sich hinter einem Juristengutachten, das der Stadt bei der Genehmigung korrektes Verhalten bescheinigte. Nur eines tat Sauerland nicht oder viel zu spät: eigene Verantwortung klar zugeben und sich bei seiner Stadt und vor allem den Opfern und Angehörigen entschuldigen.
Das Grauen des Unglücks vom 24. Juli 2010 ist in Duisburg noch lange nicht vergessen. Der enge Straßentunnel, an dem Hunderte Menschen um ihr Leben kämpften und 21 zerdrückt oder niedergetrampelt wurden, ist vielbefahren. Zahlreiche Duisburger müssen hier jeden Tag durch und spüren immer wieder einen Teil des Schreckens.
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