Granate trifft griechisch-orthodoxes Kloster im Wallfahrtsort Sednaya - Journalisten auf Einladung des Regimes zu Besuch
Das griechisch-orthodoxe Kloster der Jungfrau Maria thront hoch über der Stadt Sednaya etwa 50 Kilometer nordöstlich von Damaskus in den Bergen - für Besucher ein idyllischer Ort. Doch der Schein trügt. In dieser auf rund 1500 Meter Höhe gelegenen Ortschaft, die überwiegend von Christen bewohnt ist und deren Name "Unsere Liebe Frau" bedeutet, befindet ein berüchtigtes Militärgefängnis des Landes - ein Ort der Folter und des Schreckens. Bild: paa
Niemand weiß, woher die Mörsergranate kam. Am 31. Januar um die Mittagszeit habe sie plötzlich einen lauten Knall gehört, erzählt die Äbtissin des kleinen griechisch-orthodoxen Ordens, der seit Jahrhunderten in dem Kloster der Jungfrau Maria in der syrischen Stadt Sednaya zu Hause ist. Eine Erschütterung habe die dicken Mauern erzittern lassen, dann sei es still geworden. Die Nonnen liefen auf die Terrasse hinaus. In einem der Gästezimmer sei das Mauerwerk aufgerissen gewesen, am Boden lag der Kopf einer Mörsergranate, die offenbar von einem Sessel gestoppt worden war. "Die Jungfrau Maria hat uns beschützt", sagt die Ordensleiterin. Mit ihren schützenden Händen habe sie "den tödlichen Sprengkopf entschärft".
Einige Journalisten, die an der vom syrischen Informationsministerium organisierten Fahrt in den Wallfahrtsort Sednaya teilnehmen, äußern Zweifel. "Warum wird das Kloster überhaupt angegriffen, wenn es doch unter dem Schutz der Jungfrau Maria steht?", fragt die Kollegin einer spanischen Zeitung. Das müsse sie diejenigen fragen, die die Granate abgefeuert hätten, antwortet die Äbtissin. "Und wer sind die Angreifer?", will die Kollegin wissen. Sie wisse es nicht, aber Syrien durchlebe eine Zeit der Zerstörung. Vielleicht könnten die Journalisten ja herausfinden, warum das alles geschehe.? Diejenigen, die zerstörten, "wissen nicht, was sie tun", fährt sie fort. "Denn wüssten sie es, würden sie es nicht tun." Schließlich weist die Äbtissin eine der jüngeren Nonnen an, der Journalistengruppe den Einschlagsort zu zeigen.
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Mit vier ins Waisenhaus
Schwester Stefanie eilt zur Dachterrasse empor. Nach dem Tod ihrer Eltern sei sie mit vier Jahren im Waisenhaus des Klosters aufgenommen worden, erzählt die energische, jugendlich wirkende Nonne. 40 Jahre sei das her, sagt sie mit einem Lachen und streicht ihr langes schwarzes Kleid glatt. An den Schlafräumen der Waisenkinder vorbei geht es zu den Gästezimmern. Die Mauer zwischen den kleinen, schmalen Fenstern ist behelfsmäßig repariert, das Mobiliar - zwei Betten, Tisch, Stühle und Sessel - ist im Nachbarraum gestapelt. Glücklicherweise sei niemand im Zimmer gewesen, sagt Schwester Stefanie.
Die 64-jährige Mathilda Mansour ist in Sednaya geboren und wohnt unterhalb der Klostermauern. Nie habe sie so etwas erlebt, erzählt die pensionierte Kindergärtnerin, die vor ihrem Haus steht. Natürlich habe sie Angst, es sei höchste Zeit, dass endlich ein Weg aus der Gewalt gefunden werde. Sie freue sich über jede ausländische Hilfe, die dem Land Frieden brächte. Allerdings habe sie Al-Dschasira, Al-Arabiya und France 24 von der Programmliste ihrer Fernseh-Fernbedienung gelöscht, "weil sie den Krieg nur anheizen".
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Granate trifft griechisch-orthodoxes Kloster im Wallfahrtsort Sednaya - Journalisten auf Einladung des Regimes zu Besuch
Aus einem Lautsprecher der Klosterkirche erschallt liturgischer Gesang, dort geht soeben ein Gottesdienst zu Ende. Journalisten seien während des Gottesdienstes nicht willkommen, hatte Pater George Nijmeh, der die Predigt gehalten hat, im Vorfeld erklärt. Danach sei er gern bereit, Fragen zu beantworten. Die Menschen strömen die Kirchenstufen herunter, manche weichen den Fragen der Journalisten aus, andere antworten bereitwillig. Niemand wisse, wer hinter dem Angriff stecke, sagt Pater George Nijmeh vorsichtig. Zum Gottesdienst seien jedoch viel mehr Menschen gekommen als sonst, um ihre Solidarität zu zeigen.
Kritik an Europa
Die Gemeinde sei verunsichert angesichts der Gewalt, die das Land erschüttere, sagt er: "Es kann jeden treffen." Er bedauere die Haltung der europäischen Staaten, mit denen sie als Christen doch so viel verbinde, sagt der Priester. Verhandlungen und Gespräche seien der richtige Weg, nicht wirtschaftliche und politische Bestrafung. "Entschuldigen Sie meine harten Worte, aber die Haltung der Europäischen Union geht auf Kosten jeglicher Moral."
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