Von (nm) |
07.02.2012
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Flossenbürg
Aufgabe für die ganze Menschheit
Abend mit Jack Terry im Flossenbürger Rathaus - Im zweiten Leben Jakub Szabmacher
Flossenbürg. (nm) Es waren 45 Minuten die unter die Haut gingen, die einfühlsam mit einer diffizilen Thematik umgingen und die vor Augen führten, dass es nicht nur um Geschichte, sondern um Menschen geht. KZ-Gedenkstätte und Gemeinde stellten am Donnerstag den Film "Die zwei Leben des Jack Terry" vor, eine hochkarätige TV-Produktion von Wolfgang Kramer und Karsten Deventer.
Nach der Filmpräsentation stand Jack Terry (links) den Gästen für Gespräche zur Verfügung. Es war ein Abend, der tief reichende Eindrücke hinterließ. Bild: nm
Mehr als 100 Gäste drängten an dem Abend in den Sitzungssaal des Rathauses. Sie kamen nicht nur wegen des Geschehens auf der Leinwand, sondern wollten Terry persönlich kennenlernen. Der in New York lebende 81-Jährige stellte sich nach dem Ende des Films den Fragen und Diskussionsbeiträgen der Besucher. Die hatten Gelegenheit, einen Augenzeugen zu erleben, der nach eigenen Worten zwar nicht ununterbrochen leidet, der die schrecklichen Erlebnisse in der Kindheit und der Jugend aber auch nie vergessen wird.
Kindheit in Ostpolen
Die Antwort auf die Frage, was konkret dahinter steckt, gab es mit filmischen Mitteln. Bilder und Texte verdeutlichten, dass es für Terry tatsächlich zwei Leben gibt, nicht nacheinander, sondern nebeneinander. Das Kamerateam begleitete ihn an die Stätte der Kindheit in Ostpolen, an die Orte, an denen der Naziterror allgegenwärtig war und nach New York, wo er heute lebt. Die Rückblicke und Aussagen an den Stationen ließen zumindest ahnen, wie extrem die Erlebnisse für Terry gewesen sein müssen.
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Flossenbürg
Aufgabe für die ganze Menschheit
Abend mit Jack Terry im Flossenbürger Rathaus - Im zweiten Leben Jakub Szabmacher
Der Bogen spannte sich von den Jahren in der Familie über den kaltblütigen Mord, den der Unterscharführer Reinhold Feix vor seinen Augen an der Mutter und der Schwester beging, oder die Befreiung im Alter von 15 Jahren aus dem KZ Flossenbürg bis hin zur erfolgreichen Karriere als Ingenieur und später als Psychoanalytiker. Den Anspruch, Geschichtsunterricht geben zu wollen, erhebt der Film zu keiner Minute. Er ist vielmehr ein, wenngleich extremes Beispiel dafür, was Menschen anderen Menschen antun können.
In dem vom Leiter der KZ-Gedenkstätte Dr. Jörg Skriebeleit moderierten Gespräch mit den Zuschauern ergänzte Terry die 45 Minuten mit weiteren Schilderungen. Dazu gehörte unter anderem die Erinnerung an den 23. April 1945, die Befreiung: "Es war der schlimmste Tag in meinem Leben. Mir wurde klar, dass ich völlig alleine dastand. Meine komplette Familie war von den Nazis ausgelöscht worden. Auch wenn ich anschließend in Amerika ein neues Leben als Jack Terry beginnen konnte, ich bin nach wie vor auch noch Jakub Szabmacher."
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Flossenbürg
Aufgabe für die ganze Menschheit
Abend mit Jack Terry im Flossenbürger Rathaus - Im zweiten Leben Jakub Szabmacher
Frage nach Gott
"Nein, diese Leute machen mir keine Sorge", lautete die Antwort auf die Frage nach der Einschätzung zum aktuellen Rechtsextremismus in Deutschland: "Ein freies und demokratisches Land muss mit solchen Gruppierungen fertig werden." Die Frage nach Gott hatte sich Terry vor vielen Jahrzehnten gestellt: "Damals warf ein SS-Mann ein Kind in die Luft und erschoss es. Seitdem befasse ich mich damit nicht mehr." Allerdings werde sich wohl jeder Betroffene auf seine eigene Weise mit dem Thema Glauben auseinandersetzen.
Hausherrn, Bürgermeister Johann Kick, blieb es vorbehalten, den offiziellen Teil des Abends abzuschließen. Dem Gemeindeoberhaupt lag der Schluss des Films am Herzen: "Es gibt kein Happy End. Terry verweist vielmehr darauf, dass die Menschheit offensichtlich nicht aus der Vergangenheit lernt. Es gibt nach wie vor Kriege und Terror. Seine Erinnerungen sind Auftrag nicht nur für Flossenbürg, sondern für alle Menschen."
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