Von (gl) |
02.02.2012
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Schönseer Land
Bergwald wird zum weißen Grab
Beim Schmuggeln am Weingartenfels ums Leben gekommen - Geschichten von Dr. Josef Herbeck
Schönseer Land. (gl) Über das Schmuggeln, Paschen oder Schwirzen, wie der illegale Warenverkehr über die Grenze von Bayern nach Böhmen oder umgekehrt genannt wird, sind viele Geschichten niedergeschrieben. Von den Zeitzeugen werden auch viele Anekdoten erzählt und weitergegeben, deren Wahrheitsgehalt manchmal reduziert werden muss, denn viele prahlten mit ihren Erfolgen gegenüber den Grenzorganen.
Dieses Bild vom Hochfels in Stadlern in Blickrichtung Reichenstein und dem dahinterliegenden Weingartenfels verdeutlicht den überlieferten dramatischen Verlauf einer Schmuggelgeschichte. Archivbild: gl
Andererseits musste vieles verschwiegen werden, um die Zollbeamten nicht zu informieren. Denn mit diesen saß man auch gelegentlich am Biertisch beisammen, da konkrete Informationen für beide Teile sehr wichtig waren.
Dramatische Ereignisse
Es gab früher aber auch dramatische Ereignisse in den Auseinandersetzungen, auch mit Todesfolgen, weil sogar Schusswaffen zum Einsatz kamen. Ein solches dramatisches Ereignis, wurde vom früheren Landarzt und Verfasser vieler Artikel, Dr. Josef Herbeck, festgehalten und 1964 in der Grenzwarte veröffentlicht:
Es war an einem Tag im Februar, als ein Schmuggler mit einem großen Paket mit Klöppelspitzen von Schwanenbrückl nach Johanneshütte von Böhmen auf dem Weg nach Stadlern war. Fast bis zur Brust in den Schnee einsinkend, erreichte er den Grosserfelsen und schließlich als höchsten Punkt den Weingartenfels (wo heute der Böhmerwaldturm steht). Als der Schmuggler niederwärts nach Stadlern abstieg, bemerkte er frische Spuren im Schnee, die von "Wasserstiefeln" stammten; unzweifelhaft von Grenzwächtern.
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Schönseer Land
Bergwald wird zum weißen Grab
Beim Schmuggeln am Weingartenfels ums Leben gekommen - Geschichten von Dr. Josef Herbeck
Weil der Pascher befürchtete, dass sich diese verborgen hielten, trat er wieder den Weg zur Berghöhe an und schaute vorsichtig über den Felsen. Er sah, wie vier Zöllner beisammen standen und je zwei in Richtung Reichenstein und zwei Richtung Schillersteig (Sautreibergasse) weitergingen. Nach einer erforderlichen Wartezeit eilte er den Berg hinunter, um die verlorene Zeit wieder auszugleichen. Doch plötzlich ging der Revolver in seiner Seitentasche los und er fiel zu Boden und rollte abwärts.
Nicht entdeckt
Er stellte fest, dass die Kugel seinen linken Vorderarm durchbohrt hatte und er sich beim Niederstürzen den linken Oberschenkel gebrochen hatte. Er kühlte seine Wunden mit Schnee und hoffte, dass die Zöllner den Schuss gehört haben. Er stärkte sich inzwischen mit einem mitgeführten Keil Brot und Speck, sowie Kornbranntwein. Doch seine Hoffnung auf Entdeckung war umsonst. Kein Mensch wurde auf ihn aufmerksam, obwohl er seine Not herausschrie.
Der Bergwald schwieg wie ein Grab, alles Wimmern, Beten war umsonst bis der Abend herein brach. Am folgenden Tag lebte er noch total geschwächt, doch als von der Kirche in Plöß und Stadlern her die Glocken ertönten, schloss er für immer die Augen. Die Frauen von Plöß und Stadlern, so ist überliefert, sprachen an jenem Tag von Geistern, die, so vermuteten sie, mit Geheul und Gewimmer ihr Unwesen auf dem Berg vollführt haben.
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Schönseer Land
Bergwald wird zum weißen Grab
Beim Schmuggeln am Weingartenfels ums Leben gekommen - Geschichten von Dr. Josef Herbeck
Sicher wollte Dr. Josef Herbeck, der viele seine Schilderungen auch in seinem nicht mehr auffindbarem Buch niedergeschrieben hat, auf die vielen Gefahren die mit dem Schmuggeln verweisen, die weniger dramatisch, aber dennoch für die Betroffenen schwerwiegend waren. Übrigens entstammt seiner Feder auch der legendäre landschaftliche Vergleich von Stadlern mit Bethlehem.
Dr. Herbeck praktizierte als Allgemeinarzt in Schönsee und Umgebung, er verstarb am 2. August 1920, im Alter von 65 Jahren in Schönsee.
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