Von (dma) |
01.02.2012
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Pfreimd
Bei Schnittchen Völkermord geplant
Bündnis gegen Rechts erinnert in einer Gedenkstunde an die Opfer des Nationalsozialismus
Pfreimd. (dma) Symbolisch für die Millionen Opfer des Nationalsozialismus standen ein Dutzend Grablichter und drei schlichte Holzkreuze auf dem Altartisch in der Pauluskirche. Mit einem ökumenischen Gedenkgottesdienst, zelebriert von Pfarrer Werner Herrmann und Pfarrer Xavier Parambi, gedachten die Bürger dem 70. Jahrestag der Wannseekonferenz und deren für das jüdische Volk todbringenden Beschlüsse.
In eindringlicher Weise erinnerten Mitglieder des Pfreimder "Bündnis gegen Rechts", darunter Prädikantin Maria Ostler Scharl, Josef Hägler, Richard Tischler, Günther Strehl, Norbert Auer, Hannelore Lanzl, Klaus Summer, Manfred Bruckner, Angie Hirmer sowie fünf Vertreter der Jugend an die menschenverachtende "Besprechung über die Endlösung der Judenfrage" und alle Toten des Zweiten Weltkrieges.
Schweigen unmöglich
"Angemessen sprechen kann man von diesem Unrecht nicht", so Pfarrer Dr. Xavier Parambi, "doch Schweigen ist unmöglich."
In der Predigt umriss Angie Hirmer das Ziel der "Wannsee-Konferenz" vom 20. Januar 1942, in der unter dem Vorsitz des SS-Obergruppenführers Reinhard Heydrich hochrangige Vertreter von nationalsozialistischen Reichsbehörden und Parteidienststellen zusammenkamen, um den bereits begonnenen Holocaust an den Juden im Detail zu organisieren und die Zusammenarbeit aller Instanzen dabei sicherzustellen. "Allen 15 Teilnehmer", so Hirmer, "muss bewusst gewesen sein, dass kein Jude im deutschen Einflussbereich in Europa das Ende des Krieges überleben sollte". Laut einer Übersicht konnten das elf Millionen Opfer sein.
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Pfreimd
Bei Schnittchen Völkermord geplant
Bündnis gegen Rechts erinnert in einer Gedenkstunde an die Opfer des Nationalsozialismus
"Die bereits angelaufenen Mordaktionen wurden, während Getränke und Schnittchen gereicht wurden, offen angesprochen, ohne dass auch nur ein Teilnehmer Bedenken geäußert hätte." Es sei ihnen bewusst gewesen, "das vielleicht schändlichste Dokument der modernen Geschichte in ihren Händen zu halten." Die Teilnehmer stünden symbolisch für den Typus des "Schreibtischtäters", der sich selbst die Hände nicht schmutzig mache.
Klaus Summer ging auf die Vorgeschichte der Konferenz ein, die mit dem Judenmorden in der Sowjetunion begonnen hatte. Günther Strehl und Norbert Auer erinnerten an die Deportationen der deutschen Juden und den Beginn der Mordaktionen in Polen und im Baltikum. Der Befehl zur Ermordung aller europäischen Juden nach dem Beginn des Weltkrieges passe vollständig zum erbärmlichen Charakter des fanatischen Judenhassers Hitler, stellte Hannelore Lanzl fest. Mit der "Wannseekonferenz" sei es Heydrich auch darum gegangen, seine Staatssekretäre in ihrer Komplizenschaft beim Völkermord festzunageln, betonte Josef Hägler. "Durch diese Konferenz wurde der gesamte deutsche Staatsapparat zum Mitwisser und Mittäter", klagte Manfred Bruckner an.
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Bei Schnittchen Völkermord geplant
Bündnis gegen Rechts erinnert in einer Gedenkstunde an die Opfer des Nationalsozialismus
Christliche Elternhäuser
Dies alles, so Maria Ostler Scharl, werfe beunruhigende Fragen für Christen auf, "da die teilnehmenden Staatssekretäre nicht nur einen hohen Bildungsgrad vorweisen konnten, sondern überwiegend aus christlichen Elternhäusern stammten". Die Prädikantin wies auf die Studie des Historikers Michael Wildt hin, der dieses Verhalten der extremen Radikalisierung nach der Niederlage im ersten Weltkrieg und dem hinter sich lassen christlicher Werte zuschrieb. Ostler Scharl stellte die Frage in den Raum: "Und was geschieht heute?"
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