Von Helmut Fischer |
01.02.2012
| Netzcode: 3124406 | 201 Mal gelesen.
Sympathisches Phantom reißt niemanden von den Sitzen
Ambitioniertes Musical nicht ohne Längen und Schwächen - Produzenten beweisen nicht bei allen Darstellern ein glückliches Händchen
Amberg. Geheimnisse ranken sich um das "Phantom der Oper", das in den Katakomben der Pariser Oper sein undurchsichtiges Spiel treibt. Der französische Schriftsteller Gaston Leroux hat diese Geschichte 1910 in einem Roman geschildert, und später diente diese Story mehreren Autoren und Komponisten als Vorlage für ein Musical, von denen Andrew Lloyd Webbers "Phantom" wohl das bekannteste von gut einem halben Dutzend gleichnamiger Werke ist. Nach fünf Jahren war nun das "Phantom" in der Fassung von Paul Wilhelm (Libretto) und Arndt Gerber (Musik) wieder zu Gast im gut besuchten Kongresszentrum.
Diese Produktion lebt vom gewollten Gegensatz zwischen den oft gespenstischen Szenen "im Untergrund" und der Turbulenz des dargestellten "realen" Lebens. Positiv war, dass die Story nicht zu einer düsteren Dämonie der Opern-Unterwelt gearbeitet wurde, sondern dass die Zerrissenheit und Verzweiflung des "Phantoms" ebenso dargestellt wurde wie die intimen Szenen und die allzu menschliche Sucht nach Anerkennung und Erfolg. Regisseur Manfred von Wildemann hatte das "Phantom" nicht als boshaftes Scheusal, sondern als verzweifeltes Individuum auf der Suche nach menschlicher Zuneigung konzipiert. Bühnenbild (Hermann Hess) und Kostüme (Horst Wolf) betonten diese Konzeption.
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Sympathisches Phantom reißt niemanden von den Sitzen
Ambitioniertes Musical nicht ohne Längen und Schwächen - Produzenten beweisen nicht bei allen Darstellern ein glückliches Händchen
Die Musik, eingängig und durchaus mit modernem Sound und Rhythmus den Handlungs-Charakter widerspiegelnd, gab auch anrührenden Szenen die musikalische Substanz und wurde von Lajos Taliga mit seinem kleinen Orchester wirkungsvoll umgesetzt. Charakteristisch an dieser Produktion war, dass das "Phantom" nicht nur im Untergrund angesiedelt war, sondern dass es als (oft unerkanntes) Wesen fast in jeder Szene erschien. So wurde die Dramaturgie zwar durchgehender, aber die Distanz zwischen realem Theaterbetrieb und der "phantastischen" Welt des Phantoms verwässerte. Die Idee, beim Maskenball das "Phantom" als "lebendigen Toten" einzubeziehen, war doch recht ungewöhnlich.
Spannend und effektvoll aber war es, wie die Szenen "im Theater" und im Untergrund sich abwechselten. Dass dabei gelegentlich die Turbulenz des Theaters, die Komik des Operndirektors Moncharmin (Hans-Jürgen Zander) und seines Sekretärs Remy (Horst Wolff ) doch etwas überzogen wirkte, dass der häufige Wechsel der Bühnendekoration oft den Fluss der Handlung bremste, war bei der Konzeption dieses "Phantoms der Oper" wohl unvermeidlich.
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Sympathisches Phantom reißt niemanden von den Sitzen
Ambitioniertes Musical nicht ohne Längen und Schwächen - Produzenten beweisen nicht bei allen Darstellern ein glückliches Händchen
Natürlich steht und fällt das Musical mit der Qualität der singenden Darsteller. Hier hatten die Produzenten, die ASA Event-GmbH aus Bietigheim, nicht durchwegs eine glückliche Hand. Ganz überzeugend wirkte Robert Putzinger als "Phantom". Schauspielerisch, sprechend und faszinierend singend gab er dieser Rolle Profil und Sympathie.
Ähnlich gut agierte Alexandra-Maria Voigt als die arrogante, erfolgshungrige Diva Carlotta. Sie machte glaubhaft, dass sie auch eine "Königin der Nacht" singen kann. Stark war auch der Auftritt von Jens Bogner als Bühnenpförtner Philippe, der mit Zitaten über das Theater philosophischen Tiefgang einbrachte.
In den schauspielerischen Szenen überzeugend, aber sängerisch mit hörbaren Defiziten ausgestattet, agierten Stefanie Wesser als Christine und Stefan Reil als ihr Freund Raoul. Die Rollen des Polizisten (Roger Leonhard) und des Boten (Sam Berger) waren gut besetzt, und Jenny Schlensker war als Ballettmeisterin und "phantomnahe" schrullige Logenschließerin glaubhaft.
Fazit also: eine insgesamt ambitioniert gemachte, zweistündige Musical-Präsentation, die (gemessen am doch überschaubaren Applaus) niemand wirklich von den Sitzen riss, aber doch gute Unterhaltung bot.
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