Bundestag gedenkt der Opfer des Holocaust - "Die Aussiedlung hatte nur ein Ziel, sie hatte nur einen Zweck - den Tod"
Es sind keine guten Nachrichten, die in diesen Tagen das jährliche Holocaust-Gedenken anlässlich der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 begleiten. Da sind die vielen, immer noch offenen Fragen um die Mordserie der rechtsextremistischen Zwickauer Terrorzelle und ihrer Helfershelfer, da ist die erschreckende Erkenntnis des neuen Expertenberichts zum Antisemitismus, nach dem hierzulande etwa 20 Prozent der Bevölkerung latent antisemitisch sind.
Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) mahnte angesichts dieser Zahl am Freitag bei der Holocaust-Gedenkstunde im Bundestag eindringlich: "Das ist für Deutschland genau 20 Prozent zu viel." Und die Aufdeckung der beispiellosen Mordserie führe zudem auch vor Augen, dass das Ziel, "dass in Deutschland alle Menschen frei und gleich und ohne Angst leben können", noch nicht erreicht sei.
Der Mut des Einzelnen
Doch Lammert setzte dagegen zugleich auch den Mut und die Zivilcourage von Einzelnen, Vereinen und ganzen Dörfern, die sich beherzt Aufmärschen von Rechtsextremen entgegenstellten: "Es sind Menschen, (....) die nicht wegsehen, Diskriminierungen nicht unwidersprochen stehen lassen. Es sind Menschen, die ein Beispiel geben, die Mut machen."
Tagesausgabe als E-Paper kaufen und mobil bezahlen
Sie können seit März 2012 auch eine einzelne Ausgabe unserer Zeitung im E-Paper-Format kaufen. Die Bezahlung erfolgt direkt über Ihr Mobiltelefon, eine gesonderte Anmeldung ist nicht erforderlich.
Um sich einen Eindruck davon zu verschaffen, wie das E-Paper aussieht, können Sie hier klicken und ein kostenloses Ansichtsexemplar anschauen.
Bundestag gedenkt der Opfer des Holocaust - "Die Aussiedlung hatte nur ein Ziel, sie hatte nur einen Zweck - den Tod"
Zusammen mit Bundespräsident Christian Wulff hatte Lammert zuvor den gesundheitlich sichtlich angeschlagenen Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki in den Plenarsaal des Bundestages geleitet. Nicht als Historiker, sondern als unmittelbarer Zeitzeuge und als Überlebender des Warschauer Ghettos berichtete der heute 91-Jährige, wie er am 22. Juli 1942 den Auftakt der Deportation der Warschauer Juden in die Vernichtungslager mit ihrer Todesmaschinerie erlebte.
Reich-Ranicki, damals bereits aus Berlin nach Polen deportiert, arbeitete in jenen Tagen als Übersetzer für den Warschauer Judenrat. Mit bewegter, schwer verständlicher Stimme berichtete er, wie er in das Amtszimmer des Obmanns des Judenrates, Adam Czerniaków, gerufen wurde und er das Verlangen der SS protokollieren musste, dass der Jüdische Ordnungsdienst fortan täglich tausende Juden zur "Umsiedlung" an einem an einer Bahnlinie gelegenen Übergabeplatz bringen sollte. "Aber noch wusste niemand, wohin die Transporte gingen, was den "Umsiedlern bevorstand", schilderte Reich-Ranicki.
Tagesausgabe als E-Paper kaufen und mobil bezahlen
Sie können seit März 2012 auch eine einzelne Ausgabe unserer Zeitung im E-Paper-Format kaufen. Die Bezahlung erfolgt direkt über Ihr Mobiltelefon, eine gesonderte Anmeldung ist nicht erforderlich.
Um sich einen Eindruck davon zu verschaffen, wie das E-Paper aussieht, können Sie hier klicken und ein kostenloses Ansichtsexemplar anschauen.
Bundestag gedenkt der Opfer des Holocaust - "Die Aussiedlung hatte nur ein Ziel, sie hatte nur einen Zweck - den Tod"
Mit gemischten Gefühlen
Doch aus den schlimmsten Befürchtungen sollte schnell Gewissheit werden. Zum Abschluss seiner Schilderung sagte Reich-Ranicki: "Die in den Mitvormittagsstunden des 22. Juli 1942 begonnene Deportation der Juden aus Warschau nach Treblinka dauerte bis Mitte September. Was die Umsiedlung der Juden genannt wurde, war bloß (...) eine Aussiedlung, die Aussiedlung aus Warschau. Sie hatte nur ein Ziel, sie hatte nur einen Zweck - den Tod." Im Vorfeld seines Auftritts im Bundestag hatte Reich-Ranicki der Zeitung "Jüdische Allgemeine" berichtet, dass er der Rede mit gemischten Gefühlen entgegensehe. "Ich weiß nicht, ob es mir gelingen wird, ob ich der Aufgabe gewachsen bin, noch einmal über das Schicksal der Juden im Warschauer Ghetto zu sprechen." Es vergehe bis heute kein Tag, an dem er nicht an das Ghetto denken müsse. "So etwas vergisst kein Mensch." Nach der Rede herrschte im Bundestag minutenlange Stille. Doch auf einen Teil der Abgeordneten wartete ausgerechnet an jenem Gedenktag noch eine wichtige Aufgabe. Am Mittag konstituierte sich der Neonazi-Untersuchungsausschuss des Bundestages.
Tagesausgabe als E-Paper kaufen und mobil bezahlen
Sie können seit März 2012 auch eine einzelne Ausgabe unserer Zeitung im E-Paper-Format kaufen. Die Bezahlung erfolgt direkt über Ihr Mobiltelefon, eine gesonderte Anmeldung ist nicht erforderlich.
Um sich einen Eindruck davon zu verschaffen, wie das E-Paper aussieht, können Sie hier klicken und ein kostenloses Ansichtsexemplar anschauen.
Bundeskanzlerin plötzlich in der Defensive - Karten in der Europäischen Union werden neu gemischt
Das war nicht der Gipfel der Angela Merkel - es war der Abend von François Hollande. Eher tapfer lächelnd absolvierte die Kanzlerin ihr Programm auf dem Sondertreffen der Staats- und Regierungschefs.
mehr...
Die tschechoslowakischen Fallschirmjäger gingen von Beginn ihrer Mission an ein hohes Risiko ein. Im Schutz der Nacht sprang das geheime Attentatskommando über dem von Deutschen besetzten Böhmen ab.
mehr...
Bundestag entscheidet heute über die Reform des Transplantationsgesetzes
Für Patienten, die auf ein Spenderorgan warten, gibt es neue Hoffnung. Die Bürger in Deutschland sollen künftig gezielter vor die Entscheidung gestellt werden, ob sie zu einer Organspende bereit
mehr...
Westen sieht Regime aus Teheran am Zug - Zweite Runde der Atomverhandlungen in Bagdad
und Farshid Motahari, dpa In der schwer bewachten Internationalen Zone der irakischen Hauptstadt Bagdad suchen Diplomaten der Weltmächte und Unterhändler aus Teheran nach einer friedlichen
mehr...
Der Saarländer sieht sein Erbe gefährdet und will es noch einmal wissen, hat aber in Dietmar Bartsch einen hartnäckigen Widersacher
Als Oskar Lafontaine im Mai 2010 als Parteivorsitzender abtrat, hinterließ er ein bestelltes Feld. Die Linke war in 13 Landtagen vertreten und hatte bei der Bundestagswahl gerade ein Rekordergebnis
mehr...
Hannelore Kraft weiß zu siegen und gibt ihrer Partei Tipps - Rot-Grün schmiedet Pläne für Berlin
Von der rauschenden Wahlparty in der SPD-Zentrale war nur noch ein Erinnerungsstück an der Außenfassade übrig geblieben. "Currywurst ist SPD", stand auf dem Riesenplakat, mit dem Hannelore Krafts
mehr...
Ein Jahr nach der "Revolution" fragen sich die Spanier noch immer, wer "die Märkte" gewählt hat
Genau um Mitternacht wurde es plötzlich ganz still auf dem Madrider Platz Puerta del Sol. Die Demonstranten von der spanischen Protestbewegung der "Empörten" schwenkten schweigend weiße Tücher. Als
mehr...
Der gesellschaftliche Wandel hat die Politik erreicht: Statt "Ehemann" und "Ehefrau" sieht das Protokoll vielfach einen "Partner" vor
Bei der Familie Thomas Mann hatten die Liebschaften der Kinder den Spitznamen "die Eulen". Die Eltern sollen so tolerant gewesen sein, dass sie einfach ein Gedeck mehr auflegten, falls Tochter Erika
mehr...
Unionsfürsten lassen ihren Bundesumweltminister bei Solarkürzung im Regen stehen
Das Angebot der Kanzlerin war wohl nicht gut genug. Beim abendlichen Kamingespräch mit den CDU-Ministerpräsidenten konnte Angela Merkel besonders die ostdeutschen Regierungschefs nicht davon
mehr...
Viele Familien seit Monaten bankrott - Wirtschaftsverbände rufen zur Regierungsbildung auf
Das griechische Volk ist allmählich am Ende der Kräfte. Viele sind verzweifelt. Ganze Familien werden inzwischen von der Kirche und mit Spenden derer durchgefüttert, die noch Geld haben. Diesen
mehr...
Ein Steuerrekord folgt dem nächsten, es klingelt in den Staatskassen. Schon in diesem Jahr können Bund, Länder und Kommunen mit dem höchsten Aufkommen in der Geschichte rechnen. Mitten in der sich
mehr...
Bundestag debattiert über Altersbilder der Gesellschaft - Zwischen Teilhabe sowie Pflege und Gebrechlichkeit
Altern ist eine Zumutung, hat Loriot gesagt. US-Autor Philip Roth formulierte es drastischer: "Das Alter ist ein Massaker." Negative Einstellungen zur letzten Lebensphase gibt es viele: Alter wird
mehr...
Die somalischen Fischer fangen wieder mehr - Illegale Fangflotten fürchten Piraten im Indischen Ozean
. Die silbrigen Leiber glänzen im Licht, das durch die Tür in die Markthalle fällt: Rochen, Schwertfische, Thunfische, Haie. "Die Geschäfte laufen bestens", schreit Bashir Yusuf Barhi, der
mehr...
Parteien suchen nach Koalitionsmöglichkeiten: Konservative gescheitert - Nun sind die radikalen Linken am Zug
In Griechenlands politischer Landschaft ist nach den Parlamentswahlen nichts mehr, wie es war. Eine neue Regierung ist nicht in Sicht, manche sprechen von chaotischen Zuständen. Theoretisch kommen
mehr...
Nordrhein-Westfalen bestimmt einen neuen Landtag - Kraft sticht Röttgen aus
Selten stand bei einer Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen so viel auf dem Spiel: Nach fast zwei Jahren rot-grüner Minderheitsregierung braucht das noch immer mit Strukturproblemen kämpfende
mehr...
Nach der griechischen Parlamentswahl ist keine schnelle Lösung in Sicht - Suche nach tragfähiger Koalition
Das Wahlergebnis macht die Griechen ratlos. Einerseits haben sie die etablierten Parteien abgestraft, die sie für die weit verbreitete Armut verantwortlich machen. Gleichzeitig beauftragten sie auch
mehr...
Die Europäische Union und die Sehnsucht der Regierungschefs nach Wirtschaftswachstum
Zwei Wahlen bewegen die Europäische Union (EU). Zumindest ein wenig, zumindest zunächst. Ein sozialistischer Präsident François Hollande in Frankreich und eine schwierige, vielleicht gar unmögliche
mehr...
Griechen lassen große Parteien für rigides Sparprogramm büßen - Sozialisten und Faschisten ziehen ins Parlament ein
Stefan Voß, dpa Das Signal für die Euro-Zone ist fatal. Erstmals haben die Griechen über das maßgeblich von Deutschland mitdiktierte Sparprogramm abgestimmt - das Ergebnis: Die politischen
mehr...
Gauck spricht als erster Deutscher am "Tag der Befreiung" in den Niederlanden
Fast schien es, als wäre das Programm des Befreiungstages in den Niederlanden für Joachim Gauck persönlich entworfen worden. Freiheit und Verantwortung, die Eckpfeiler seines politischen Denkens,
mehr...