Ein Jahr nach den ersten Kundgebungen ziehen viele Ägypter eine ernüchternde Bilanz - Viele Auswanderungen
"Uff, ich bin fix und fertig von der Demo", seufzt Jasmin al-Dorghami. Die schlanke Ägypterin mit dem langen schwarzen Pferdeschwanz wirft ihre rote Designer-Handtasche auf einen Stuhl und lässt sich auf ein Sofa plumpsen. Drei Stunden lang hat die 32-Jährige für künstlerische Freiheit und gegen die Beschränkung der Meinungsfreiheit demonstriert. Eine Kundgebung in eigener Sache, denn Al-Dorghami ist Gründerin der Zeitschrift "Al-Rawi", die sich mit dem kulturellen Erbe Ägyptens beschäftigt.
Wie viele Kundgebungen sie in den vergangenen zwölf Monaten besucht hat, kann Al-Dorghami gar nicht mehr zählen. Die großen Hoffnungen, die sie damals hatte, als Hunderttausende in Kairo den Sturz von Präsident Husni Mubarak erzwangen, sind jedoch verflogen.
Chaos des Übergangs
Die Journalistin sagt, viele der Freunde, die 2011 mit ihr zusammen gegen Mubarak demonstriert hätten, lebten heute außerhalb von Ägypten. "Jeder von ihnen hatte vorher schon vage Auswanderungspläne, denn Kairo ist eine Stadt, die verstümmelt worden ist. Die Umweltverschmutzung und der Verkehr sind fürchterlich." Doch erst das Chaos der Übergangsphase, die durch den Umsturz hervorgerufene aktuelle Wirtschaftskrise und der Wahlsieg der Islamisten hätten letztlich den Ausschlag gegeben. "Viele meiner Freunde sind Muslime, so wie ich auch, aber wir denken liberal." Schon heute lebt jeder zehnte Ägypter nicht in seiner Heimat. Viele von ihnen haben Arbeit am Golf gefunden, in den USA, in Kanada und Europa. Es könnten bald noch mehr werden. Die Arbeitslosigkeit stieg nach offiziellen Zahlen binnen eines Jahres von neun auf zwölf Prozent. Neben den Absolventen der privaten Universitäten sind vor allem die Christen, die Ausländer und Geschäftsleute dabei, das Land zu verlassen.
Tagesausgabe als E-Paper kaufen und mobil bezahlen
Sie können seit März 2012 auch eine einzelne Ausgabe unserer Zeitung im E-Paper-Format kaufen. Die Bezahlung erfolgt direkt über Ihr Mobiltelefon, eine gesonderte Anmeldung ist nicht erforderlich.
Um sich einen Eindruck davon zu verschaffen, wie das E-Paper aussieht, können Sie hier klicken und ein kostenloses Ansichtsexemplar anschauen.
Ein Jahr nach den ersten Kundgebungen ziehen viele Ägypter eine ernüchternde Bilanz - Viele Auswanderungen
Die Christen treibt nach dem Wahlsieg der Islamisten, die mehr als 70 Prozent der Parlamentsmandate holten, die Sorge vor Diskriminierung und einer "Islamisierung" ihres Alltags um. Die Muslimbruderschaft, die eine Abwanderung von Kapital und Fachkräften verhindern will, versucht zwar, diese Ängste zu vertreiben - allerdings nicht mit großem Erfolg.
Feinde der Demokratie
"Ich hatte immer schon Angst, dass es eines Tages so kommen würde. Deshalb haben meine Kinder die US-Staatsbürgerschaft, und meine Frau arbeitete früher für die US-Botschaft", erklärt der Besitzer einer chemischen Fabrik vor den Toren von Kairo. Der koptische Christ hat damit begonnen, einen Teil seiner Besitztümer zu verkaufen. Er will noch abwarten, bis sein Sohn das Gymnasium beendet hat. Dann wird die Familie auswandern. Er sagt: "Demokratie ist ein attraktives Konzept. Doch sie hat zwei Feinde: Armut und Analphabetismus. Wahlen allein sind nicht Demokratie, auch das Verhalten muss demokratisch sein."
Die Ausländer gehen vor allem, weil es in der Übergangsphase, die jetzt schon ein Jahr andauert und die vor dem Herbst wohl auch nicht enden wird, kein Wirtschaftswachstum und keine Investitionen gibt. Einige von ihnen haben Sicherheitsbedenken. Denn die Zahl der Verbrechen, nicht nur gegen Ausländer, ist in Kairo, wo es früher sehr sicher war, seit Januar 2011 deutlich angestiegen.
Tagesausgabe als E-Paper kaufen und mobil bezahlen
Sie können seit März 2012 auch eine einzelne Ausgabe unserer Zeitung im E-Paper-Format kaufen. Die Bezahlung erfolgt direkt über Ihr Mobiltelefon, eine gesonderte Anmeldung ist nicht erforderlich.
Um sich einen Eindruck davon zu verschaffen, wie das E-Paper aussieht, können Sie hier klicken und ein kostenloses Ansichtsexemplar anschauen.
Bundeskanzlerin plötzlich in der Defensive - Karten in der Europäischen Union werden neu gemischt
Das war nicht der Gipfel der Angela Merkel - es war der Abend von François Hollande. Eher tapfer lächelnd absolvierte die Kanzlerin ihr Programm auf dem Sondertreffen der Staats- und Regierungschefs.
mehr...
Die tschechoslowakischen Fallschirmjäger gingen von Beginn ihrer Mission an ein hohes Risiko ein. Im Schutz der Nacht sprang das geheime Attentatskommando über dem von Deutschen besetzten Böhmen ab.
mehr...
Bundestag entscheidet heute über die Reform des Transplantationsgesetzes
Für Patienten, die auf ein Spenderorgan warten, gibt es neue Hoffnung. Die Bürger in Deutschland sollen künftig gezielter vor die Entscheidung gestellt werden, ob sie zu einer Organspende bereit
mehr...
Westen sieht Regime aus Teheran am Zug - Zweite Runde der Atomverhandlungen in Bagdad
und Farshid Motahari, dpa In der schwer bewachten Internationalen Zone der irakischen Hauptstadt Bagdad suchen Diplomaten der Weltmächte und Unterhändler aus Teheran nach einer friedlichen
mehr...
Der Saarländer sieht sein Erbe gefährdet und will es noch einmal wissen, hat aber in Dietmar Bartsch einen hartnäckigen Widersacher
Als Oskar Lafontaine im Mai 2010 als Parteivorsitzender abtrat, hinterließ er ein bestelltes Feld. Die Linke war in 13 Landtagen vertreten und hatte bei der Bundestagswahl gerade ein Rekordergebnis
mehr...
Hannelore Kraft weiß zu siegen und gibt ihrer Partei Tipps - Rot-Grün schmiedet Pläne für Berlin
Von der rauschenden Wahlparty in der SPD-Zentrale war nur noch ein Erinnerungsstück an der Außenfassade übrig geblieben. "Currywurst ist SPD", stand auf dem Riesenplakat, mit dem Hannelore Krafts
mehr...
Ein Jahr nach der "Revolution" fragen sich die Spanier noch immer, wer "die Märkte" gewählt hat
Genau um Mitternacht wurde es plötzlich ganz still auf dem Madrider Platz Puerta del Sol. Die Demonstranten von der spanischen Protestbewegung der "Empörten" schwenkten schweigend weiße Tücher. Als
mehr...
Der gesellschaftliche Wandel hat die Politik erreicht: Statt "Ehemann" und "Ehefrau" sieht das Protokoll vielfach einen "Partner" vor
Bei der Familie Thomas Mann hatten die Liebschaften der Kinder den Spitznamen "die Eulen". Die Eltern sollen so tolerant gewesen sein, dass sie einfach ein Gedeck mehr auflegten, falls Tochter Erika
mehr...
Unionsfürsten lassen ihren Bundesumweltminister bei Solarkürzung im Regen stehen
Das Angebot der Kanzlerin war wohl nicht gut genug. Beim abendlichen Kamingespräch mit den CDU-Ministerpräsidenten konnte Angela Merkel besonders die ostdeutschen Regierungschefs nicht davon
mehr...
Viele Familien seit Monaten bankrott - Wirtschaftsverbände rufen zur Regierungsbildung auf
Das griechische Volk ist allmählich am Ende der Kräfte. Viele sind verzweifelt. Ganze Familien werden inzwischen von der Kirche und mit Spenden derer durchgefüttert, die noch Geld haben. Diesen
mehr...
Ein Steuerrekord folgt dem nächsten, es klingelt in den Staatskassen. Schon in diesem Jahr können Bund, Länder und Kommunen mit dem höchsten Aufkommen in der Geschichte rechnen. Mitten in der sich
mehr...
Bundestag debattiert über Altersbilder der Gesellschaft - Zwischen Teilhabe sowie Pflege und Gebrechlichkeit
Altern ist eine Zumutung, hat Loriot gesagt. US-Autor Philip Roth formulierte es drastischer: "Das Alter ist ein Massaker." Negative Einstellungen zur letzten Lebensphase gibt es viele: Alter wird
mehr...
Die somalischen Fischer fangen wieder mehr - Illegale Fangflotten fürchten Piraten im Indischen Ozean
. Die silbrigen Leiber glänzen im Licht, das durch die Tür in die Markthalle fällt: Rochen, Schwertfische, Thunfische, Haie. "Die Geschäfte laufen bestens", schreit Bashir Yusuf Barhi, der
mehr...
Parteien suchen nach Koalitionsmöglichkeiten: Konservative gescheitert - Nun sind die radikalen Linken am Zug
In Griechenlands politischer Landschaft ist nach den Parlamentswahlen nichts mehr, wie es war. Eine neue Regierung ist nicht in Sicht, manche sprechen von chaotischen Zuständen. Theoretisch kommen
mehr...
Nordrhein-Westfalen bestimmt einen neuen Landtag - Kraft sticht Röttgen aus
Selten stand bei einer Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen so viel auf dem Spiel: Nach fast zwei Jahren rot-grüner Minderheitsregierung braucht das noch immer mit Strukturproblemen kämpfende
mehr...
Nach der griechischen Parlamentswahl ist keine schnelle Lösung in Sicht - Suche nach tragfähiger Koalition
Das Wahlergebnis macht die Griechen ratlos. Einerseits haben sie die etablierten Parteien abgestraft, die sie für die weit verbreitete Armut verantwortlich machen. Gleichzeitig beauftragten sie auch
mehr...
Die Europäische Union und die Sehnsucht der Regierungschefs nach Wirtschaftswachstum
Zwei Wahlen bewegen die Europäische Union (EU). Zumindest ein wenig, zumindest zunächst. Ein sozialistischer Präsident François Hollande in Frankreich und eine schwierige, vielleicht gar unmögliche
mehr...
Griechen lassen große Parteien für rigides Sparprogramm büßen - Sozialisten und Faschisten ziehen ins Parlament ein
Stefan Voß, dpa Das Signal für die Euro-Zone ist fatal. Erstmals haben die Griechen über das maßgeblich von Deutschland mitdiktierte Sparprogramm abgestimmt - das Ergebnis: Die politischen
mehr...
Gauck spricht als erster Deutscher am "Tag der Befreiung" in den Niederlanden
Fast schien es, als wäre das Programm des Befreiungstages in den Niederlanden für Joachim Gauck persönlich entworfen worden. Freiheit und Verantwortung, die Eckpfeiler seines politischen Denkens,
mehr...