Nigeria versinkt im Chaos: Gewalttätige Islamisten zerrütten den ohnmächtigen Staat mit neuen Terroranschlägen
Sie griffen am helllichten Tag an. Die Ziele waren die bestbewachten Gebäude der Millionenstadt Kano im Norden Nigerias. Bewaffnete Kämpfer auf Motorrädern sicherten Fahrzeuge ab, in denen Selbstmordattentäter auf Polizeistationen und staatliche Einrichtungen zurasten. Die Männer auf den Rücksitzen der Zweiräder schossen auf alles, was sich ihnen in den Weg stellte, berichteten nigerianische Medien. Autobomben explodierten gleichzeitig vor Behörden. Mindestens 180 Menschen starben.
Die Terrorangriffe der radikalislamischen Boko Haram am Freitagnachmittag stürzten die Metropole des nigerianischen Nordens für viele Stunden in Chaos - und schürten die Angst vor einem Bürgerkrieg im bevölkerungsreichsten Staat Afrikas. Denn ganz Nigeria scheint langsam aber sicher ins Chaos zu taumeln.
Goodluck glücklos
"Nigeria befindet sich in einer alarmierenden Situation" schrieb der Sicherheitsexperte Martin Ewi vom Politikinstitut ISS (Pretoria) Anfang Januar nach einer Welle der Gewalt. Vergangene Woche musste Präsident Goodluck Jonathan nach einem einwöchigen Generalstreik und Protesten mit zahlreichen Toten seine Pläne zur Reform des von Misswirtschaft und Korruption gebeutelten Landes teilweise aufgeben. Er korrigierte seinen Sparkurs, der Gelder für Reformen freimachen sollte.
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Nigeria versinkt im Chaos: Gewalttätige Islamisten zerrütten den ohnmächtigen Staat mit neuen Terroranschlägen
Die Sekte Boko Haram führt schon seit vielen Monaten ihren fanatischen Krieg für einen islamistischen Staat und die Einführung der Scharia. In Kano gelang es ihr nun sogar, das wie eine Festung gesicherte Polizeihauptquartier anzugreifen - so wie sie auch schon im August 2011 gegen das UN-Hauptquartier in der Hauptstadt Abuja einen verheerenden Angriff ausgeführt hatte. Boko Haram versucht, Nigeria in eine instabile Lage zu bomben. Allein 2011 fielen nach einer Studie des südafrikanischen Instituts für Sicherheitsstudien (ISS) in Nigeria etwa 3000 Menschen Terroranschlägen zum Opfer, mehr als 10 000 Menschen seien verletzt worden. Vor allem Christen und ihre Kirchen sind Zielscheiben des Terrors. Die Islamisten, denen Verbindungen zu den radikalislamischen Taliban in Afghanistan sowie zu Terrororganisationen wie Al-Kaida und der Shabaab-Miliz nachgesagt werden, scheinen zudem bereits tief in die staatlichen Strukturen Nigerias eingedrungen zu sein.
Zweigeteiltes Land
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Nigeria versinkt im Chaos: Gewalttätige Islamisten zerrütten den ohnmächtigen Staat mit neuen Terroranschlägen
Nigeria mit seinen 160 Millionen Einwohnern ist nicht nur - jeweils etwa zur Hälfte - zwischen Moslems im Norden und Christen im Süden gespalten. Auch die soziale Kluft ist enorm. Die Mehrheit des Menschen in dem Vielvölkerstaat ist bitterarm. Vom Reichtum an Öl und anderen Rohstoffen profitiert traditionell vor allem eine kleine Elite. Nun fürchtet auch Präsident Jonathan einen drohenden Bürgerkrieg und erinnert an die Schrecken des Biafra-Krieges. Ende der 60er Jahre starben über eine Million Menschen bei den Sezessionsbestrebungen der Provinz Biafra.
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