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„Nicht über Aufstieg reden, sondern spielen“
Jahn-Torhüter Michael Hofmann fürchtet die Blockade, wenn zu viel über die Zweite Liga geredet wird
Der 1,93 Meter große Hüne strahlt souveräne Ruhe aus – Ball und Strafraum des SSV Jahn sind bei ihm in guten Händen. Sicher auch ein gewichtiger Grund dafür, warum die Regensburger bei 19 Gegentreffer die zweitbeste Defensive in der Dritten Liga aufweisen und die Tabellenspitze behaupten. Torhüter Michael Hofmann (38) hatte bereits 82 Bundesliga- und 80 Zweitliga-Einsätze auf den Buckel, als er vor eineinhalb Jahren beim Jahn anheuerte. „In jungen Jahren habe ich außerdem schon 160 Mal in der Bayernliga gespielt“, ergänzt der gebürtige Bayreuther, der anders als viele Legionäre bisher erst drei Stationen durchlaufen hat: „Der Jahn, 1860 München und die SpVgg Bayreuth.“ mehr...„Das geilste Team der Welt“
Interview mit Jahn-Keeper Michael Hofmann: Fans erheben die Geldnot zum Kult, der Verein wird solide
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| Torwart Michael Hofmann. Bild: dpa |
Herr Hofmann, wir wissen, Sie reden nicht gerne über den Aufstieg, dennoch eine Frage für den Fall der Fälle: Denken Sie, dass der Jahn inzwischen solide genug aufgestellt ist, um anders als 2004 dieses Mal längerfristig in der 2. Bundesliga zu bestehen?
Hofmann: Ich verfolge die Entwicklung des Vereins zwar erst seit eineinhalb Jahren aus nächster Nähe. Aber in dieser Zeit hat es gewaltige Fortschritte gegeben. Ich denke, dass man mit den vorhandenen bescheidenen Mitteln das Bestmögliche gemacht hat. Der Verein ist inzwischen finanziell wesentlich besser aufgestellt, man verfolgt eine gute Philosophie, und wenn das neue Stadion kommt, ist auch die nötige Infrastruktur gegeben. Dann könnte es klappen. Das ist doch eine reizvolle Aufgabe für Verein und Stadt.
Gemeinsam haben ihr ehemaliger Verein, 1860 München, und der Jahn, dass Geld selten im Überfluss vorhanden ist. Was ist der Unterschied zwischen einem berüchtigten Kultverein wie den Löwen und einem Klub, der sich immer wieder am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen musste?
Hofmann: Sicher war bei 1860 jeden Tag was los und es gab vor allem immer wieder Grabenkämpfe. Für mich persönlich aber reicht die Aufregung in Regensburg völlig aus.
Stichwort Fankultur: Ein Hexenkessel ist das Jahn-Stadion nicht gerade, auch wenn die gut 100 Treuen vom Turm ihr Bestes geben …
Hofmann: Die Fans haben uns hervorragend unterstützt und der Funke ist teilweise auch übergesprungen, wie etwa gegen Aalen oder Saarbrücken. Das Jahnstadion ist halt keine Arena, die Sandbahn sorgt für Distanz, da wirken die Fangesänge nicht so wie in Wiesbaden oder Offenbach. Wenn dort 3000 Ramba-Zamba machen, ist das einfach lauter. Spieler, die hier herkommen, wissen aber auch, dass Regensburg nicht Dresden ist. Klar freut man sich, wenn man alle 14 Tage bei solcher Stimmung auflaufen kann. Aber unsere Fans liefern super Choreographien, die wir mit guten Ergebnissen zurückzahlen wollen. Die Fankultur muss genauso wachsen wie die Qualität der Mannschaft. Und im neuen Stadion wird sich das auch verbessern, das sieht man in Ingolstadt, wo sich im Audi-Park die Zuschauerzahlen verdoppelt haben.
Es ist immer wieder vom außergewöhnlichen Teamgeist des SSV Jahn die Rede, der den Erfolg trotz oft widriger Umstände und mit dem geringsten Drittliga-Budget erst möglich mache. Wie äußert sich der und wie sehen Sie Ihre Rolle dabei?
Hofmann: Es ist schon bewundernswert, mit welcher Geschlossenheit die Mannschaft das Sommer-Theater weggesteckt hat, als zahlreiche Verträge nicht verlängert werden konnten. Der Verein konnte da gar nicht anders, die Leitung macht für die einfachen Bedingungen, die hier herrschen, das Bestmögliche. Und da war dann eben eine kleine Gruppe von Spielern, die inzwischen wieder gewachsen ist, und die wie Pech und Schwefel zusammenhält. In größeren Vereinen gibt es vielleicht etwas mehr Qualität, aber dafür weniger Zusammenhalt. Das könnten bei der Schlussabrechnung dann die entscheidenden paar Prozentpunkte sein, auf die es ankommt.
Ich selbst werfe manchmal ein paar Anekdoten ein, wie’s früher gelaufen ist. Es ist keine gute Entwicklung, wenn bei anderen Vereinen heute 18-Jährigen alles hinterhergetragen wird, kaum dass sie zwei gute Spiele gemacht haben. Und nach der Hälfte der Saison gehen die dann völlig unter, weil ihnen der Erfolg zu Kopf steigt und sie aus dem Feiern nicht mehr rauskommen. Da ist es schon besser, wenn die Spieler, wie bei uns, mit anpacken müssen. Das gehört dazu, das hat was. Und es ist schon ein besonderes Flair, wenn unser Kapitän nach jedem Sieg den Kultsong mit anstimmt: „Wir haben kein Geld, wir haben keinen Strom, wir haben das geilste Team der Welt“ – auch wenn das so zum Glück nicht mehr stimmt, Strom ist da!
Sie hätten ja ursprünglich in den Trainerstab der Löwen eingebunden werden sollen: Können Sie sich das beim Jahn nach Ihrer aktiven Laufbahn vorstellen?
Hofmann: Als gelernter Kaufmann überlege ich, ob ich wieder in freie Wirtschaft zurückgehe, oder ob ich im Fußball Fuß fassen kann. Bei 1860 war ich ja bereits fest als Nachwuchstrainer eingeplant, nachdem ich die B-Lizenz in der Tasche hatte. Falls der Jahn tatsächlich aufsteigen sollte, wird der Bedarf an qualifizierten Leuten auch wachsen und ich würde gerne in Regensburg bleiben.
Auch wenn Manni Schwabls spektakuläre Insolvenz für einen ehemaligen Bayern-Star eher die Ausnahme ist, hört man doch immer wieder von finanziellen Schwierigkeiten von Profi-Spielern gerade aus der Zweiten und Dritten Liga. Konnten Sie genug Reserven für den Übergang nach dem Ende der sportlichen Karriere anlegen?
Hofmann: Schon der Unterschied zwischen 1. und 2. Bundesliga waren erheblich. Zum Jahn bin ich dann sicher nicht gekommen, um hier abzukassieren, sondern weil ich noch einige Zeit Fußballspielen wollte. Man muss schon schauen, dass man sein Geld zusammenhält. Ich habe Familie, zwei Kinder, und werde mir nach meiner Karriere keine lange Pause leisten können. Ich bin dankbar, dass ich jetzt im 16. Jahr Profi-Fußballer sein darf.
Wie ist Ihr Verhältnis zu Ihrem Heimatverein, der SpVgg Bayreuth?
Hofmann: Es gab im Sommer Kontakte, aber es war klar, dass ich beim Jahn bleibe, wenn ich einen Vertrag bekomme. Die mussten ja in die Landesliga und sind dort nur Vierter. Sie haben jetzt Klaus Scheer zurückgeholt, der zusammen mit meinem Bruder versuchen soll, die Qualifikation für die Regionalliga oder wenigstens die Bayernliga hinzubekommen. Das wird ein sehr schwerer Weg. Für mich persönlich zählt da schon der Gedanke: Ich hatte in meiner Karriere nur drei Vereine, und hoffe, dass ich bei einem der drei anschließend unterkomme.
Wie weit sind Sie mit Ihrer Trainer-A-Lizenz?
Hofmann: Ich hoffe, dass ich jetzt im Sommer dazukomme, da meine B-Lizenz nur noch bis Ende 2012 gilt. Man muss eben zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sein. Aber im Augenblick zählt für mich nur nächste Woche, der nächste Tag.
Wie sind Sie eigentlich zwischen die Pfosten geraten – eigener Wunsch oder zum Torwart gemacht?
Hofmann: Da muss man weit zurückgehen. Ich bin Baujahr 1972, habe damals in der D-Jugend auf Großfeld begonnen, zunächst als Feldspieler. Als wir ein Spiel recht hoch verloren haben, da hat man es halt mal mit mir probiert, da ich körperlich immer schon einer der am bestentwickelten war. Und nachdem es gut geklappt hat, bin ich im Tor geblieben und habe mich an Vorbildern wie Uli Stein, Harald Schumacher und Andi Köpke orientiert. Für mich hat es sich auf alle Fälle gelohnt. Jetzt mit 39 genieße ich jede Minute zwischen den Pfosten und möchte meine Erfahrung solange wie möglich weitergeben. In dem Geschäft bist du da ja als so alter Hase eher die Ausnahme. Da musst du alles geben, um mitzuhalten.
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