Von Katharina Gmehling |
18.01.2012
| Netzcode: 3108905 | 244 Mal gelesen.
Vilseck
Wenn die Scheine ganz von selbst zum Studenten kommen
Übermut tut selten gut: Warum es besser wäre, sich mit weniger zu begnügen - Ein Erfahrungsbericht über das Leben rund um die Uni heute
Katharina Gmehling. Bild: gme
Lehrjahre sind keine Herrenjahre - eigentlich. Um sich einen gewissen Lebensstandard gönnen zu können, muss man erst zurückstecken. Wohl kaum einer hat das Glück, von Anfang an ein Luxusleben führen zu können. Eine Jacke für 300 Euro? - Kein Problem. Bezeichnend ist, dass solch eine Einstellung sich auch unter denen findet, die zahlen müssen, um sich einmal diese Denkweise leisten zu können - den Studenten.
Vor allem ältere Generationen glauben, dass Studenten zwar kein Geld, dafür aber umso mehr Zeit haben. Studenten leben von Toastbrot und tun nur in den Wochen vor den Prüfungen etwas. Eine Vorlesung verschlafen? Wofür gibt es Skripte?
Keine großen Sprünge machen, um später die überholen zu können, die nach der Schule ins Berufsleben eingetreten sind und ihr eigenes Geld verdienen, das war es, was Studenten motivierte. Redet man mit der Elterngeneration, so wird klar, dass "damals" Studentsein bedeutete, Entbehrungen auf sich zu nehmen.
Allerdings ist das leichter gesagt als getan, gerade die Umstellung von der Geborgenheit und den sich immer kümmernden Eltern fällt schwer. Mit dem allgemein gestiegenen Lebensstandard sind auch die Ansprüche der Sprösslinge größer geworden - genau wie die Mittel der Eltern, um diese Ansprüche Wirklichkeit werden zu lassen. Oft spielt auch die eigene Erinnerung eine Rolle - und der Wunsch, Kindern diese Erfahrungen zu ersparen.
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Vilseck
Wenn die Scheine ganz von selbst zum Studenten kommen
Übermut tut selten gut: Warum es besser wäre, sich mit weniger zu begnügen - Ein Erfahrungsbericht über das Leben rund um die Uni heute
Man gibt gerne - und die Kinder greifen bereitwillig zu, warum auch nicht? Leider fängt man dabei an, sich nach oben zu orientieren, nach höheren Maßstäben zu greifen und sein Leben danach auszurichten.
Warum ein 13-Quadratmeter-Zimmer in einer WG, wenn es die eigene Wohnung sein kann? Warum Aldi oder Lidl, wenn der Markensupermarkt so nahe liegt, der Discounter aber am anderen Ende der Stadt? Und warum einen Nebenjob annehmen, wenn das Geld dank Mami und Papi auch so aufs Konto fließt?
Auch wenn man selbst mit weniger zufrieden wäre, ist man es plötzlich nicht mehr, wenn man in der Zweizimmerwohnung einer Kommilitonin steht und dabei an seine eigenen beschränkteren vier Wände denkt. Und der Eindruck täuscht auch nicht: Viele meiner Mitstudenten sind auf Wohnungssuche und die Freude über eine gefundene Wohnung ist immer auch mit einem neidischen Beigeschmack verknüpft: Hat der andere es geschafft, eine bessere Wohnung zu ergattern?
So geht der Trend weg von Studentenwohnheimen oder WGs - hin zu eigenen Appartements, die zwar teurer sind, aber einen höheren Wohnkomfort und vor allem das "eigene Reich" versprechen. Man muss keine Kompromisse schließen, sondern kann machen, was man will, solange Eltern alles ermöglichen.
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Das Leben genießen, solange man noch jung ist und keine Verpflichtungen hat - so lautet die Devise, die einige Studenten statt in die Hörsäale in die Kneipen treibt, in denen man die Anstrengungen des Tages vergessen kann. In denen man vergessen kann, dass diese Hörsäale am nächsten Morgen heillos überfüllt sein werden, dass man am nächsten Tag wieder kämpfen muss, um sich Gehör zu verschaffen, um im Hochschulzirkus zu bestehen.
Manch einer findet den Weg nie zurück zu dem, was doch den Grundstein seiner späteren Einkünfte hätte bilden sollen. Studentsein macht Spaß, aber das Bild des typischen Studenten hat sich gewandelt. Dabei darf man nicht vergessen, dass es immer noch die gibt, die ein Studium aus eigener Tasche finanzieren müssen, die mehrere Nebenjobs annehmen und kaum Freizeit haben, die zwischen Job und Uni hin und her pendeln anstatt Kneipen abzuklappern.
Aber daneben wird eben auch die Gruppe größer, die all das nie erfährt, weil sie die Gewissheit hat, dass der Geldstrom nicht versiegen wird, zumindest vorerst nicht. Die die Freiheit nutzen, die sie nach dem Auszug aus den Zwängen des elterlichen Hauses endlich haben und genießen.
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Wenn die Scheine ganz von selbst zum Studenten kommen
Übermut tut selten gut: Warum es besser wäre, sich mit weniger zu begnügen - Ein Erfahrungsbericht über das Leben rund um die Uni heute
An sich ist nichts Schlechtes daran, nur sollte man aufpassen, dass die Ansprüche nicht ins Unermessliche wachsen, dass man nicht ganz am Anfang schon anfängt, sich das zu gönnen, was erst am Ende kommen sollte. Denn wofür lohnt es sich noch zu arbeiten, sich anzustrengen und zu investieren, wenn man all das auch einfach so haben könnte? Einfach so - zumindest so lange der Dauerauftrag nicht gekündigt wird.
Katharina Gmehling, 19 Jahre alt, stammt aus Vilseck. Nach dem Abi am Amberger Erasmus Gymnasium zog es sie nach Würzburg, wo sie seit Oktober Zahnmedizin studiert.
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