Von Julia Rösch |
11.01.2012
| Netzcode: 3100559 | 198 Mal gelesen.
Amberg
Andere Länder, andere Fritten
Knusprige Heuschrecken, pürierte Frösche: Junge Reisende erzählen von kulinarischen Erlebnissen
Amberg. Sie kauen auf Känguru-Genitalien herum, mampfen Maden, würgen Würmer hinunter. Es ist wieder soweit: Ab Freitag geht das "Dschungelcamp" in seine sechste Runde. Elf C-Promis kämpfen dann wieder um den Titel "Dschungelkönig" - und erfüllen dafür unter anderem bizarre Essens-Aufgaben. Was für viele Deutsche eine ziemlich ekelerregende Angelegenheit ist, ist an anderen Orten eine echte Delikatesse.
Heuschrecken "to go" - ein beliebter Snack in Bangkok. Doch bevor bei uns Vorurteile (und anderes) hochkommt: Ernährungsexperten wissen, dass Insekten weit gesünder sind als vieles, das in Mitteleuropa auf dem Teller landet. Bilder: röj (2)
"Eigentlich war's gar nicht so schlimm, die Heuschrecke zu essen", sagt Steffi Becker, 24 Jahre alt, lachend, "aber ich musste mich vorher trotzdem ziemlich überwinden. Die kleinen Beinchen, die Haare, die Flügel - das ist schon etwas gewöhnungsbedürftig. Geschmeckt hat das kleine frittierte Tierchen erstaunlich gut, fast so wie Chips - nur irgendwie besser." Die ehemalige Regensburger Studentin hat gerade eine dreimonatige Reise durch Südostasien hinter sich, hat dort viel gesehen - und auch in Sachen Essen einiges ausprobiert.
Gesünder als Chips
Insekten, Würmer, Kakerlaken und Maden lösen bei Europäern oft Ekel aus - und werden höchstens an die Tierchen im Terrarium verfüttert. In vielen Ländern gehören frittierte, kandierte oder gebratene Insekten allerdings fest zum täglichen Ernährungsplan, und werden sogar als "Snack to go" auf der Straße angeboten: Thailänder futtern lieber frittierte Heuschrecken als frittierte Chips vor der Glotze. Kambodschaner stehen auf gegrillte Kakerlaken - außen knusprig, innen glibbrig. Südamerikaner lieben saftige Maden und im südlichen Afrika sind Raupen die Delikatesse schlechthin. Dem Bestseller "The-Eat-a-Bug Cookbook" von David George Gordon zufolge gibt es weltweit sogar über 1400 essbarer Insekten-Leckerbissen.
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Amberg
Andere Länder, andere Fritten
Knusprige Heuschrecken, pürierte Frösche: Junge Reisende erzählen von kulinarischen Erlebnissen
Von Hoden bis Maden - in anderen Ländern kommt vieles auf den Tisch, was in Deutschland eher Ekel auslöst.
Mehr noch: Anscheinend schmeckt das Krabbelgetier nicht nur, sondern ist auch gesund - und zwar um einiges gesünder als Kartoffelchips, Schokolade und Popcorn. Insekten sind kalorien-, fett- und cholesterinarm und zudem echte Nährstoffbomben. 100 Gramm Heuschrecken enthalten zum Beispiel 20,6 Gramm Eiweiß, 35,2 Milligramm Kalzium, 5 Milligramm Eisen sowie die Vitamine B1 und B2 und Niacin. Der Vergleich: Die gleiche Menge Hähnchen enthält nur 15 Gramm Eiweiß, 8 Milligramm Kalzium und 0,7 Milligramm Eisen.
Pro Insekten also - dieser Meinung ist auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Bonn. Das kleine Problem daran: Was für die einen eine Delikatesse ist, hat für andere einen absoluten Ekel-Faktor.
"In Vietnam bin ich dann an meine Ekel-Grenze gestoßen", erzählt Steffi angewidert, "dort gibt es an jeder Straßenecke Eier zu kaufen, aber keine normalen Eier, wie man sie aus Deutschland kennt. Die Eier sind angebrütet und die Küken darin schon ziemlich weit entwickelt. Das ging gar nicht." Für Deutsche eine wahre Überwindung, für Vietnamesen eine echte Gaumenfreude: Balut, heißen diese "Überraschungseier". Sie werden 20 bis 30 Minuten gekocht und noch warm verzehrt: Erst nachsalzen, dann die Flüssigkeit ausschlürfen und schließlich das Küken genießen. Balut hat im Übrigen den Ruf, aphrodisierend und potenzsteigernd zu sein - der wissenschaftliche Beweis fehlt dafür allerdings.
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Knusprige Heuschrecken, pürierte Frösche: Junge Reisende erzählen von kulinarischen Erlebnissen
Mit Haut und Haaren
Isst man in Europa nur bestimmte Teile von Hühnchen, Schwein und Co., wird in Asien, Afrika und Südamerika fast jedes Stück des Tiers verwendet. In China hat auch Susanne Kotzbauer aus Amberg ihre Erfahrungen mit dieser Einstellung gemacht - und Hühnerkrallen serviert bekommen. "Das Zeug war sehr glitschig, wie Dosen-Champignons, sah aus wie Bohnen oder Spargel und war außerdem total salzig und überwürzt", erzählt die 25-Jährige. "Ich wusste nicht, was ich da vor mir stehen hatte. Und so richtig verständigen konnte ich mich ja auch nicht."
Für das uruguayische Nationalgericht Asado con cuero kommt gleich eine ganze Kuh auf den Grill - mit Haut und Haaren. Andere Länder, andere Sitten. Auch Steffi kann das bestätigen: "In Asien wird oft das Hähnchen einfach mit einem Beil zerhackt, mit Haut, Knochen und Knorpeln. Was beim Essen stört, wird einfach auf den Boden gespuckt." In Peru nimmt man das ganz genau: Hier werden die seltenen Titicaca-Frösche lebendig gehäutet und dann mit Honig, Wasser und Wurzel püriert. Der Frosch-Cocktail ist ein absoluter Renner in der peruanischen Hauptstadt Lima.
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Knusprige Heuschrecken, pürierte Frösche: Junge Reisende erzählen von kulinarischen Erlebnissen
Wer im Glashaus isst ...
Doch wer bizarre Delikatessen ausprobieren will, muss gar nicht weit fahren: Frankreichs Spitzenköche servieren Singvögel, Schnecken und süße Meerschweinchen. Echte Feinschmecker stehen auf Maden-Käse aus Sardinien. In Island schwört man auf vergammeltes Haifleisch, "Hákarl" genannt, das Monate im Kies verbuddelt wird. Ja und auch Deutschland wartet mit gewöhnungsbedürftigen Speisen auf: Blutwurst, saure Lunge oder Sülze.
Eines steht aber fest: Ekelgefühle werden sozial erworben und von klein auf beigebracht. Asiaten mögen frittierte Krabbeltiere, gammelige Eier und Hundefleisch - wir Deutschen ekeln uns davor. Asiaten ekeln sich dafür vor Käse, Joghurt und Sahne - dafür stehen wir Deutschen auf diese vergammelte Milch. Stellt sich nur noch die Frage: Wenn's für die deutschen Promis Käfer, Kakerlaken und Co. gibt - gibt's dann im Asia-Dschungelcamp Emmentaler, Limburger und Harzer-Käse?
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