Schülererfahrungen bei einem deutsch-tschechischen Friedensgottesdienst
Moosbach. Einige Tage vor dem Volkstrauertag: Unser Lehrer erinnert uns an die Einladung zum Friedensgottesdienst in Belá nad Radbuzou am Vorabend des Volkstrauertages. Ich bin kein großer Kirchgänger. Noch dazu am Samstagabend, da wüsste ich Besseres, was ich tun könnte.
Deutsche und tschechische Geistliche zelebrieren gemeinsam. Bild: hfz
Es würde sogar ein kostenloser Bus fahren. Für den Frieden beten? Ob das etwas bringt? Wir haben doch seit - ja genau - 66 Jahren Frieden, ist doch selbstverständlich?
Unser Lehrer meint "nicht selbstverständlich", man müsse auch selbst etwas dafür tun. Ein Zeichen setzen. Unseren Nachbarn zeigen, dass wir in Frieden zusammen leben wollen, trotz unserer schlimmen Geschichte. Natürlich, durch den Unterricht bin ich gut informiert: Münchner Abkommen, Protektorat Böhmen und Mähren, Lidice, Konzentrationslager, Vertreibung der Deutschen, dabei auch Gewalt und Mord. Okay! Ich fahre mit! Kann ja nicht schaden, könnte ganz interessant werden!
Kirche voll besetzt
Im Bus sitzen etwa 20 Schüler der Mittelschule Moosbach, auch etliche Erwachsene aus Moosbach und Eslarn. Etwa 40 Personen sind es insgesamt, erstaunlich! Die Kirche in Belá nad Radbuzou ist beheizt, einige deutsche Pkw stehen auch auf dem Parkplatz. Die Kirche ist voll! Viele müssen stehen, Deutsche und Tschechen sind bunt gemischt.
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06.12.2011
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Moosbach
Mitgemacht und nichts bereut
Schülererfahrungen bei einem deutsch-tschechischen Friedensgottesdienst
Schüler der 9. Klassen aus Moosbach und Belá erinnern in einer Powerpoint-Präsentation an die Schrecken der vergangenen 100 Jahre: Weltkriege, Konzentrationslager, Lidice, Vertreibung, Terror, auch an die gefallenen Soldaten der deutschen und tschechischen Armee im Ausland. Dann zieht Bischof Frantisek Radkovský mit Pfarrer Hermann Schötz, dem Pfarrer aus Belá und vier Ministranten aus Moosbach in die Kirche ein. An der Spitze die Feuerwehr aus Belá mit der Kirchenflagge, der tschechischen und auch der deutschen Fahne. Ich bin ergriffen: Ein tschechischer Feuerwehrmann trägt unsere Flagge! Das ist Europa!
Ich bereue es schon nicht mehr, mitgefahren zu sein. Der Bischof mahnt Solidarität mit den Staaten Europas an, die zurzeit finanzielle Probleme haben, aber auch Solidarität der Menschen untereinander. Immer mehr griffen Egoismus, Geldgier, Rücksichtslosigkeit und neuer Nationalismus um sich. Da hat er Recht! Das ist auch meine Meinung! Man denke nur an die Terroristen von Zwickau!
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Moosbach
Mitgemacht und nichts bereut
Schülererfahrungen bei einem deutsch-tschechischen Friedensgottesdienst
Fürbitten vorgetragen
Deutsche und tschechische Schüler tragen die Fürbitten vor, die sie gemeinsam vorbereitet haben. Gott, schenke uns Frieden, Einigkeit und Freiheit! Vielleicht hilft Beten wirklich. Ich merke, dass sich alle in der Kirche genau das wünschen.
Nach dem Gottesdienst findet die Gedenkfeier am Kriegerdenkmal statt. Die Bürgermeister aus Belá, Moosbach und Eslarn tragen ihre Gedanken vor: Man müsse aus der Geschichte lernen, und besonders die Jugend müsse an einer friedlicheren Welt mitbauen. Wenn das so einfach wäre! Aber immerhin, auch Mosaiksteinchen wie dieser Gottesdienst ergeben vielleicht zusammen ein tolles Bild.
Zum Schluss werden alle Deutschen zu einem gemeinsamen Imbiss in die Schule eingeladen. Alle gehen gerne mit, ich auch. Eine schöne Gemeinschaft mit unseren Nachbarn, die nur zehn Kilometer von uns entfernt sind und die so wenige von uns näher kennenlernen, außer wenn wir zum Tanken fahren. Schade! Für mich jedenfalls war es ein toller Abend!
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