Von Jürgen Umlauft |
25.11.2011
| Netzcode: 3050257 | 132 Mal gelesen.
Der Ball liegt nun im Feld der Tschechen
Kommentar von Jürgen Umlauft
Schmuggel an der deutschen Grenze. Karikatur: Tomicek
Wenn dereinst Bilanz gezogen wird unter die Regierungszeit von Horst Seehofer, dann wird auf der Haben-Seite auf alle Fälle ein Posten prominent platziert sein: Die Annäherung der Nachbarn Bayern und Tschechien auch auf politischer Ebene. Jahrzehntelang blockierte der eindimensionale Blick zurück in die furchtbare Vergangenheit von Nazi-Terror gegen Tschechen und Vertreibung der Sudetendeutschen die Gesprächskanäle. Es ist Seehofers Verdienst, dass er auf die ihm eigene pragmatische Art diese Mauern durchstoßen hat.
Seehofer hat die Vergangenheit nicht ausgeklammert, wie sein Besuchsprogramm in Tschechien dieser Tage dokumentiert hat, aber er lebt mehr im Heute und im Morgen. Das ist nicht der schlechteste Ansatz, wenn man historische Blockaden überwinden und eine gemeinsame Zukunft bauen will. Von einem normalen Verhältnis zwischen Bayern und Tschechien kann man allerdings auch nach der zweiten Visite Seehofers im Nachbarland noch nicht sprechen.
Sicher ist es ein Fortschritt, wenn auf höchster politischer Ebene inzwischen über alles und ohne Tabus geredet wird. Und vor zwei Jahren wäre es noch unvorstellbar gewesen, dass zur offiziellen Delegation des bayerischen Ministerpräsidenten auch hochrangige Vertriebenenfunktionäre gehören.
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Der Ball liegt nun im Feld der Tschechen
Kommentar von Jürgen Umlauft
Aber was wäre es für ein Versöhnungssignal gewesen, wenn Seehofer bei seinen Besuchen in Theresienstadt, Lidice und Aussig von seinem tschechischem Amtskollegen Necas oder Außenminister Schwarzenberg begleitet worden wäre. Das hätte etwas von Kohl und Mitterrand auf dem Gräberfeld von Verdun gehabt. Erst wenn solche Gesten möglich sind, herrscht Normalität zwischen München und Prag. Dass es dieses Mal noch nicht geklappt hat, lag nicht an Seehofer.
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