Von Jürgen Kandziora |
19.11.2011
| Netzcode: 3044021 | 540 Mal gelesen.
Amberg
Wo das Wissen nach außen getragen wird
Technologie-Campus am HAW-Gelände Dach für sechs Institute, in denen sich ehemalige Studenten ihre Sporen verdienen
Amberg. HAW-Professor Dr. Reiner Anselstetter spricht von einer "Traumkonstellation", Dipl.-Ing. Gerold Dimaczek (ATZ-Entwicklungszentrum) von einem "Pendant zu den Gründerzentren". Und Anselstetters Kollege Prof. Dr. Markus Brautsch betont, dass diese Einrichtung "überfällig war". Das, von dem alle drei so schwärmen, ist der noch junge Technologie-Campus auf dem Gelände der Hochschule Amberg-Weiden. Die sechs Institute unter seinem Dach haben ihm schon einiges an Leben eingehaucht.
Der Technologie-Campus hat inzwischen eine eigene Geschäftsführerin: Dr. Karin Preißner. Die Herausforderungen, die sie in ihrem Aufgabenbereich sieht: der Fachkräftemangel, der demografische Wandel, die Profilierung der Region, die Energiewende.
Heuer im April hatte alles angefangen, die Gewerbebau Amberg stellte für den Start ein von Grund auf saniertes ehemaliges Kasernengebäude zur Verfügung. Die integrierte Lage ist schon mal ein großes Plus. Die Nutzung der vorhandenen HAW-Struktur, die kurzen Wege bieten wirtschaftliche Vorteile. Alles ist "organisch gewachsen", hebt Anselstetter hervor, und ATZ-Vorstand Dimaczek verweist auf die Synergieeffekte: "Hier ist ein Netzwerk. Wir haben direkten Zugang zu den Kollegen im Haus, unmittelbaren Kontakt zu den Professoren."
Alle singen ein Loblied auf den Amberger Technologie-Campus (ATC), allen voran Professor Anselstetter: "Wir brauchen unser Licht nicht unter den Scheffel zu stellen. Bisher haben wir das Schaufenster nicht so gehabt. Das haben wir jetzt. Ich bin mir sicher, wir werden noch viel schlagkräftiger."
An diesem Vormittag sind sie an einem Tisch versammelt, die fünf Institutsleiter plus ATC-Geschäftsführerin Dr. Karin Preißner. Sollen einmal erzählen, was sie und ihre Teams eigentlich so machen. Man kennt sich nicht nur, man kennt sich sehr gut. "So, wie wir hier sitzen, haben wir auch schon vorher zusammengearbeitet", erläutert Brautsch. Rechts von ihm hat Christoph Michl Platz genommen. "Wir sehen uns auch als einen großen Netzwerker", sagt der junge Diplom-Betriebswirt, Projektleiter beim IT-Speicher Regensburg.
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Amberg
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Technologie-Campus am HAW-Gelände Dach für sechs Institute, in denen sich ehemalige Studenten ihre Sporen verdienen
Kostenfrei arbeiten
Die von ihm betreuten fünf Absolventen der Medienproduktion und Medientechnik (HAW-Fakultät Elektro- und Informationstechnik) waren das erste Gründerteam, das sein Büro ("PushIT" ) im ATC bezogen hat. Dort beackern die jungen Leute ein Feld, das von der 3 D-Visualisierung bis hin zur Web-Entwicklung und zum Videojournalismus reicht. "Sie können hier fast kostenfrei an ihrer Unternehmensidee arbeiten", verdeutlicht Christoph Michl.
In Doppelfunktion ist HAW-Professor Dr. Markus Brautsch da: einmal als der neue Technologietransfer-Beauftragte der Hochschule. Zum anderen als Chef des Instituts für Energietechnik , das es seit 2008 unter diesem Namen gibt. "Wir sind jetzt mittlerweile zehn Ingenieure, alles Absolventen unserer Studiengänge", berichtet Brautsch.
Das Unternehmen steht auf mehreren Säulen. Sein Spektrum: Energieeffizienzkonzepte für Industrie, Gewerbe und Dienstleistung ("Sie sind sehr gefragt"), kommunale Energiekonzepte/Nahwärmeverbundlösungen ("Das läuft wirklich sehr, sehr gut"), angewandte Forschung und Entwicklung, Wissens- und Technologietransfer, wissenschaftlich-messtechnische Begleitforschung/Demonstrations- und Entwicklungsvorhaben. Der Kundenstamm wächst und wächst. Laut Brautsch zählen inzwischen über 100 Kommunen im Freistaat dazu und mehr als 50 Firmen - dies ebenfalls in ganz Bayern.
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ATU, Conrad, Witt
Doppelfunktion auch bei HAW-Professor Dr. Reiner Anselstetter. So ist er der Chef des Instituts für Handelsmanagement und fasst zusammen: "Die Aufträge, die wir abwickeln, sind querbeet." Zu den Kunden gehören unter anderem die drei Versandhändler Conrad, Witt und Foto Brenner (Weiden). Und als ATU Filialen umstellte, wollte die Firma "wissen, wie die Kunden darauf reagieren". Anselstetter: "Es war unser Job, sie zu befragen." Auch für das größte deutsche Bio-Unternehmen Dennree hat das Institut schon gearbeitet: "Wir haben für die einen Betriebsvergleich entwickelt." Zudem gehören Einzelhandelskonzepte zum Geschäftsfeld von Anselstetter und seinen Leuten.
Firma Nummer zwei des Professors: die Textplattform Amobo mit Sitz momentan noch in Ursensollen. Eine Idee, die zusammen mit Sheepworld entstanden ist. Der Werbeslogan: "Mit Amobo hast du deine Lieblingstexte immer und überall dabei. Erstelle dein eigenes Werk und teile es mit deinen Freunden und Bekannten. Teile es mit dem Rest der Welt." Es geht also darum, Texte auf die mobilen Systeme zu bringen. "Das ist der Schwerpunkt. In Japan oder Korea gibt es schon sogenannte Handy-Romane", so Anselstetter.
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Auch im Audi A8
Dienstleistungen in den Bereichen Automation sowie Software- und Hardware-Entwicklung bietet das 2008 mit Absolventen der HAW gegründete, heute achtköpfige Automations-Institut Amberg . Chef Prof. Dr. Hans-Peter Schmidt hat auch Infineon als Kunden gewonnen. Er und sein Team sorgen zum Beispiel mit dem entsprechenden Chip dafür, dass Autos oder Bagger sicher bremsen. Hightech, die in einem Audi A8 ebenfalls zu finden ist. "Unsere Sachen gehen in die wirklich teuren Produkte rein", verdeutlicht Schmidt.
Studenten-Sprechstunde
Bleibt noch das ATZ-Entwicklungszentrum mit Sitz in Sulzbach-Rosenberg und Standortbüro im Technologie-Campus. "Wir waren schon bei der Gründung der Hochschule mit dabei", unterstreicht Vorstand Gerold Dimaczek. Das Allerwichtigste für ihn: "Wir sind hier am Puls der Ausbildung." Neu eingerichtet werden soll nun eine Studenten-Sprechstunde. Das Standortbüro, so hebt Dimaczek hervor, diene im Übrigen auch dazu, "die Verbundenheit mit der HAW zu dokumentieren".
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