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17.11.2011  | Netzcode: 3042471  |  256 Mal gelesen.

Kunst-Sein statt Show-Schein

KOG-Kommissar will in Ostdeutscher Galerie Kulturbewusstsein bei Kindern schaffen

Kuppel des Museums: Das KOG-Gebäude im Stadtpark
Kuppel des Museums: Das KOG-Gebäude im Stadtpark wurde 1871 als städtische Turnhalle errichtet, ab 1906 zum Ausstellungsgebäude umgebaut. Die Kunst-Sammlung fand in den 1950er Jahren hier eine Bleibe.
Weniger Schein und mehr Sein empfiehlt "Kunst-Kommissar" Dr. Wolfgang Schörnig für die Basisarbeit vor Ort. "In vielen Museen wird die Arbeit am Besucher vernachlässigt", nimmt der Dezernent gerne Anleihen aus seinem Umweltressort, wenn es der Erfolgsfindung dienlich ist. "Wenn ich ein Umweltbewusstsein schaffen möchte, muss ich bei den Kindern anfangen, das ist in der Kunst nicht anders." Mit sieben Teilzeitkräften als Museumspädagogen habe man 100 Kindergeburtstage im Kunstforum veranstaltet: "Sie sollten die leuchtenden Äuglein sehen, wenn die Kleinen im Kuppelraum mit ihren Buntstiften hantieren und ihre Versionen unserer Gemälde malen - das sind die Besucher von morgen."

Kulturgast ist König



Auch das Unternehmen Familien-Frühstück und der erste Jahresempfang für Senioren bei Kaffee und Kuchen mit rund 200 Rentnern habe Hemmschwellen abgebaut: "Wir sollten öfter fragen, was unsere Kunden wollen, ein Showevent oder die Umwerbung als gerngesehener Gast?" Es schaffe Begeisterung, wenn das Haus zu Leben erwache. Im bisher kaum genutzten Grafiksaal möchte Schörnig unbekannten Künstlern die Möglichkeit bieten, eigene Arbeiten mit Bezug auf das KOG zu zeigen. "Dabei fassen wir den Rahmen nicht allzu eng", lädt er ein. "Ein Tanz-Workshop des Vereins Mischkultur zu Themen unserer Ausstellungen ist genauso willkommen wie Lesungen des Ostbayerischen Schriftstellerverbands mit Texten von jungen Autoren zu unseren Bildern."

Ostdeutsche Kunst?



Für den Pragmatiker versteht sich von selbst, dass das Gründungsmotto des Museums "Deutsche Kunst in osteuropäischem Kontext" - gemäß Paragraf 96 des Vertriebenengesetzes - in gegenwärtige Bedürfnisse übersetzt werden müsse: "Wir werden fälschlicherweise als Vertriebenenmuseum abgestempelt", bedauert Schörnig die Fehlinterpretation des modifizierten Namens "Kunstforum Ostdeutsche Galerie". "Man muss das modern auslegen. Gegenstand sei Kunst aus ehemals deutsch geprägten Kulturen im Spiegel der Zeit. "Uns interessiert auch, wie sich Künstler, die in diesen Kulturräumen leben, weiterentwickelt haben - im Zuge der Vernetzung mit Europa ist das ein zukunftsorientierter Ansatz."

Ganz im Sinne des passionierten Tänzers Wolfgang Schörnig ist das Programm "Edler Tanz zur edlen Kunst": "Nach der Führung legen Sie bei schönem Ambiente in Anzug und Kleid elegante Standardtänze aufs Parkett - da brauchen Sie keinen Lüpertz, der Sie mit der Attitüde des Kunstfürsten unterhält." (jrh)

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