Regensburg
Brückenlösung noch nicht in Sicht
Geplante Westtrasse könnte Regensburg den Weltkulturerbe-Titel kosten - Instandsetzung der "alten Dame" dauert
Regensburg. Neben dem Dom ist die Steinerne Brücke das wichtigste Wahrzeichen Regensburgs. Doch in den vergangenen Jahren stand das historische Baudenkmal auch im Mittelpunkt zahlreicher Konflikte.
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| Schön anzuschauen ist sie immer noch, die Steinerne Brücke, doch für rumpelnde Autos und Busse mittlerweile zu senil. Bilder: Duft/dpa |
Die geplante Westtrasse lehnt jedoch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) strikt ab. BLfD-Generalkonservator Egon Johannes Greipl und Regensburgs Oberbürgermeister Hans Schaidinger sind sich in der Brückenfrage seit Jahren uneins. "Die Westtrasse ist nicht genehmigungsfähig", stellt Greipl seinen Standpunkt klar. Wenn man überhaupt eine Ersatzbrücke brauche, dann sei für ihn nur eine Ost-Trasse denkbar. Veränderungen müssten sich in die historische Stadt einfügen, argumentiert er.
Das entscheidende Wörtchen mitzureden hat letztlich die Unesco. Wenn ihr die städtischen Ersatztrassen-Pläne nicht zusagen, riskiert Regensburg den prestigeträchtigen Welterbe-Status zu verlieren. Mit Hoffen und Bangen hatte die Stadtspitze deshalb im Sommer eine Stellungnahme der Unesco erwartet.
Zwei Gutachten
Doch das Antwortschreiben des Unesco-Welterbezentrums in Paris sorgte nicht unbedingt für mehr Klarheit. Dem Schreiben lagen zwei Gutachten des Internationalen Rats für Denkmalpflege (Icomos International) bei, der die Unesco in fachlichen Fragen zum Thema "Welterbe" berät. Darin äußerte Icomos die Befürchtung, dass die geplante Westtrasse "ernstzunehmende Folgen für das Welterbegebiet der Stadt Regensburg" haben würde. Gleichzeitig kündigte die Unesco an, dass eine Abordnung die Lage vor Ort prüfen wird.
Der Brief löste unterschiedliche Reaktionen aus. Während sich das BLfD in seiner Kritik an den Brückenplänen bestätigt sieht, versuchte die Stadt, die Stellungnahme positiv zu bewerten. Immerhin habe die Unesco den ablehnenden Icomos-Standpunkt nicht einfach übernommen, sondern werde sich bei einem Besuch in Regensburg - möglicherweise im Frühjahr 2012 - selbst ein Bild machen.
Nur in enger Abstimmung
Gefährden wolle die Stadt ihren Welterbe-Status auf jeden Fall nicht, betont Regensburgs Bau- und Planungsreferentin Christine Schimpfermann. Das Bauvorhaben werde nur in enger Abstimmung mit der Unesco fortgesetzt.
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| Die Steinerne Brücke, Meisterwerk mittelalterlicher Baukunst, ist seit 2008 für den motorisierten Verkehr gesperrt. |
Doch die Ersatztrasse ist nicht die einzige Problematik, welche die Steinerne Brücke hervorruft. Seit mehreren Jahren gleicht der altehrwürdige Donauübergang einer Dauerbaustelle. Das historische Gemäuer muss an vielen Stellen saniert werden. Derzeit ist die unaufschiebbare Mauerwerkinstandsetzung der Bögen 12 bis 15 und des 14. Pfeilers an der Reihe. Vielen Regensburgern gehen die Arbeiten jedoch zu langsam voran. Sie bemängeln, dass Teile der Brücke schon viel zu lange eingehaust sind und der Blick auf Stadtamhof versperrt ist.
Auf die Frage, wann die gesamte, 20 Millionen teure Instandsetzung der Brücke fertiggestellt sein wird, will Tiefbauamtsleiter Alfons Swaczyna mittlerweile nicht mehr antworten.
"Mit einer alten Dame muss man Geduld haben", wirbt er um Verständnis. Täglich würden die Arbeiter an der Steinernen Brücke neue Überraschungen erleben. Unsachgemäße Sanierungen früherer Jahre müssten rückgängig gemacht werden, Verfugungen und Plomben würden entfernt.
Alter und Würde behalten
"Wir wollen so viel Bausubstanz wie möglich erhalten", betont Baureferentin Schimpfermann. Die Steinerne Brücke solle nach der Sanierung nicht "geleckt" aussehen, sondern ihr Alter und ihre Würde behalten. Die römischen Bögen, die derzeit bearbeitet werden, seien der schwierigste Abschnitt.
"Ich hoffe, dass die weiteren Abschnitte mit unserem neuen Erfahrungsschatz schneller fertig werden", sagt Schimpfermann.
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