Regensburg
Wir kratzen an der Millionengrenze
Interview mit Oberbürgermeister Hans Schaidinger: Jahn-Arena, donumenta, Touristenschwemme
Regensburg. (mvs) Im Amtszimmer von Hans Schaidinger wurde die Idee der "Donau-Moldau-Region" geboren. Inzwischen ist sie politische Realität. "Ich bin froh, dass die Furcht vor einer Dominanz durch Regensburg mittlerweile im Orkus verschwunden ist", freut sich der begeisterte Segler auch über die gute Zusammenarbeit mit der restlichen Oberpfalz.
Schaidinger: Wir arbeiten sehr fleißig daran, aber eine Prognose für den Spatenstich hab ich bisher nicht abgegeben und werde ich auch jetzt nicht. Als Stadt mussten wir auf den Jahn sanften Druck ausüben, mittlerweile haben wir ein tragfähiges Konzept. Die Bürger fragen uns immer, wann fangt ihr an? Und wir antworten, dass viele Fragen geklärt sein müssen, die zum Schluss dann nicht mal sichtbar werden.
Für einen Namenssponsor brauchen wir ein fertiges Projekt, zumindest den Spatenstich. Wer einen Fisch angeln will, kann den Köder ja auch nicht ans Ufer legen, sondern muss ihn elegant in den Fluss halten. Bei BMW müsste man wohl grundsätzliche Überzeugungsarbeit leisten.
Gibt es hinsichtlich der Planungen für ein Kultur- und Kongresszentrum Fortschritte?
Schaidinger: Das Problem ist: Uns gehört da nichts und das Grundstück ist mit anderen Gebäuden bebaut. Die Gespräche mit der Evangelischen Landeszentrale in München sind bisher nicht leichter geworden, im Gegenteil.
Nachdem sich die donumenta nach neun Jahren auch überregional eines gewissen Renommees erfreut, soll das Kunstprojekt 2012 mit einer Abschlussveranstaltung beerdigt werden - könnte man daraus nicht auf Sicht eine südosteuropäische Documenta im Rahmen einer Donau-Moldau-Region konstruieren?
Schaidinger: Ich habe die donumenta von Anfang an für wichtig gehalten und unterstützt, weil sie den Donauanrainern ein kulturelles Netzwerk ermöglicht. Davon gibt es zehn, entsprechend ist nach der zehnten Station Schluss und aktuell die Frage, wie wir das Netzwerk dauerhaft pflegen können. Der Ball ist im Feld von Frau Hellwig-Schmid. Wenn sie einen guten Vorschlag bringt, unterstütze ich den gern. Aber nur die Suche nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner wäre keine Lösung.
Sie haben bei unserem letzten Gespräch angekündigt, dass Sie zusammen mit den Freunden in Pilsen konkrete Ideen für die Kulturhauptstadt 2015 entwickeln möchten - gibt es schon ein gemeinsames Projekt?
Schaidinger: Wir haben das CEBB in Pilsen als Projektkoordinator genommen und bereits konkrete Projekte, die bei der Impulsveranstaltung kommenden Dienstag vorgestellt werden. Da nehme ich auch persönlich Teil. Im Etat berücksichtigen wir die Kulturhauptstadtprojekte, wir werden uns das auch Geld kosten lassen.
Seit Rechtsreferent Dr. Schörnig die Ostdeutsche Galerie leitet, scheint große Harmonie zu herrschen, das Team fühlt sich verstanden. Auch die Besucherzahlen brechen alle Rekorde. Spricht das nicht dafür, es auch einmal mit einer internen Lösung an der Spitze des Hauses zu versuchen?
Schaidinger: Auf keinen Fall besetzen wir diesen Posten intern. Die Ausschreibung läuft und wir haben gute Bewerbungen, in der Mehrheit aus Deutschland, aber nicht nur. Anfang Dezember wird der Stiftungsrat eine Entscheidung treffen. Die Wechsel im Direktorium werden in der Öffentlichkeit hoch aufgehängt, aber das läuft alles in Ruhe. Schließlich ist der Vorstand nachwievor beschlussfähig.
Wie sieht eigentlich die Besucherkurve seit der Verleihung des Welterbe-Titels aus - senkrecht nach oben?
Schaidinger: Wir hatten 2006 noch 640 000 Übernachtungsgäste, mittlerweile kratzen wir an der Millionengrenze. Damit hatten wir erst 2015 gerechnet. Diese Veränderung ist auch optisch wahrnehmbar, wenn man durch die Stadt geht, überall Besuchergruppen und Stadtführungen.
Am 30. April 2014 ist Schluss mit dem Amt des Oberbürgermeisters. Was Sie anschließend machen wollen, ist privat, hört man. Können Sie uns stattdessen Ihren Wunschnachfolger verraten, das wäre ja eine "res publica"?
Schaidinger: Ein Amtsinhaber soll sich nicht in die Nachfolgerdebatte einmischen. Nur so viel: Mein Wunschnachfolger soll mich nicht kopieren, eigene Ideen haben. Es ist nicht gut, wenn eine Stadt 100 Jahre nach denselben Prinzipien geführt wird. Und wenn ich mich erinnere: Noch 1996 habe ich noch keinen Gedanken dran verschwendet, ob ich OB werde. Es sind immerhin noch zwei Jahre bis zur Wahl, noch eineinhalb Jahre bis zur Nominierung.
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