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Von Jürgen Herda  |  17.11.2011  | Netzcode: 3042437  |  377 Mal gelesen.
Regensburg

Regensburgs kleines Küchenlatein

Das empfiehlt der BHG-Verbandschef: Wo Ulrich Korb gern isst, trinkt und genießt

Regensburg. Als sich Ulrich Korb vor vielen Jahren als Geschäftsführer beim Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband (BHG) bewarb, waren es drei Schlüsselkompetenzen, die seinen Chef überzeugten: Als Jurist ist er ein "Hund" im bayerischsten Sinn des Wortes. Wirtshäuser kennt er "vom Boa weg". Und er kann Schafkopfen. Seiner Karriere stand nichts mehr im Wege. Heute berät uns der Kenner bei der Wahl unserer Wirtshäuser, Kneipen und Cafés.

Regensburgs Welterbe-Silhouette bei
Regensburgs Welterbe-Silhouette bei Festbeleuchtung: Steinerne Brücke und Dom. Nicht nur für Nachtschwärmer ein Augenschmaus. Bild: Ingrid Popp
Ambiente: Wir haben in Regensburg kein "Essen im Dunkeln", auch wenn es mal geplant war, und auch keine Molekularküche. Ich finde, das brauchen wir auch nicht. Das kann man einmal machen, aber das reicht dann auch. Dafür haben wir Gasthäuser mit viel Atmosphäre wie den Bistro-Dauerbrenner Orphée (Untere Bachgasse 8), den Dampfnudel-Uli (Watmarkt 4), vielleicht auch Peter Kittels witziges Experiment Emma (Roter Lilienwinkel 2).

Boarisch: Im Dicken Mann (Krebsgasse 6) findet man glücklicherweise keine Kalorienzähler, dafür einen der besten Schweinebraten der Stadt nebst Fleischpflanzerln und Mehlspeisen. Auch die Schwarzbiersoße im Gravenreuther (Hinter der Grieb 10) hat's in sich - das Brot der Großmutter lässt grüßen.

Cafés: Frühstücken oder Kaffee und Kuchen genieße ich auch mal gerne in der Anna (Gesandtenstraße 5), im Café Latina (Alter Kornmarkt 1), im Rinaldi (Alter Kornmarkt 3a).

Dienst am Gast: Der Service hat durch die vielen Studenten gewonnen. Mir ist das völlig wurscht, ob ich von halb links oder von hinten rechts bedient werde, wichtig sind mir Herzlichkeit und Natürlichkeit, und auch nicht ein antrainiertes Verkaufsgeschwafel. Meines Erachtens kommt es auf den Chef an, wie er den Mitarbeiter schult. Es kommt darauf an, wie man's rüberbringt: Wenn der Küchenchef sagt, es ist zu viel Fisch da, gibt es einen kleinen Trick. Bei der Frage, "Hätten Sie lieber Fleisch oder Fisch" entscheiden sich 60 Prozent für das zuletzt genannte Wort ...

Französisch: Das Mirabelle (Drei-Mohren-Straße 11) ist und bleibt der Favorit der Feinschmecker. Erst unlängst ist mir wieder großes Lob zu Ohren gekommen.
Mir ist das völlig wurscht, ob ich von halb links
Mir ist das völlig wurscht, ob ich von halb links oder von hinten rechts bedient werde, wichtig sind mir Herzlichkeit und Natürlichkeit. (BHG-Boss Ulrich Korb)


Gartenlokal: Eine der schönsten "Locations" mitten im Stadtpark ist die Alte Linde (Müllerstraße 1) - die gut bürgerliche bis internationale Küche ist auch im Winter empfehlenswert.

Hamburger: Auch wenn sich Sportsfreund Frank Mosher weigert, mit seinem McDonald's dem Verband beizutreten, ist Fastfood nicht mehr wegzudenken. Es ist die Frage, wie man junge Leute auf ihr gastronomisches Leben vorbereitet. Ich selbst gehe viermal im Jahr ins Gasthaus zum Goldenen M. Gegenüber der klassischen Gastronomie hat es den Vorteil, man ist nie enttäuscht! Die gehobene Variante ist Sam Kullman's Diner (Friedenstraße 10). Am Montag gibt's dort "all you can eat".

Inder: Der Herr Sohnemann ist inzwischen multikulturell aufgestellt, weil er öfter mit mir unterwegs ist. Vom Ganesha (Maxstraße 23) sind wir beide angetan.

Japaner: Das ist ein Trend für junge Leute, wie die Running Sushi Bar Kyoto (Ludwigstraße 7) oder der messerwetzende Küchenchef in der Japan Corner (Dr-Gessler-Straße 45). Sushi sieht gut aus und schmeckt nach wenig. Ich bin persönlich mehr für leichte thailändische Küche wie im Thai (Haidplatz 3 ).

Konditoren: Die Liste der Großen der Branche ist lang, auf alle Fälle gehören dazu das Café Pernsteiner (Von-der-Tann-Straße 40), das Café Prinzess (Rathausplatz 2) und von den neueren das Opera (Drei-Mohren-Straße 3).

Nachtschwärmer: Manche Kneipen, wie die Wunderbar (Keplerstraße 11) gehören zu Regensburg wie der Dom. Im ehemaligen Miljö ist jetzt Tom Bockes' Orange Club Bar (Goldene-Bären-Straße 10).

Für den angeheiterten zweiten Hunger ist Würstl-Tonis "Knacker mit allem" am Alten Kornmarkt Pflicht. Extrem seltsam dagegen ist das "Bierbike" (09407/81 21 41): Alle treten, saufen, grölen, singen - wer's mag ...

Rathaus: Ganz neu ist der Ratskeller. Von der Eröffnung her kann ich mir noch kein Urteil erlauben, aber der Oberbürgermeister sagt, er muss nun nicht mehr auf die Straße, um gepflegt zu speisen. Die Räumlichkeiten sind wunderschön, die Deutsch-Brüder kochen sich quer durch den Gemüsekarten und zwar mit regionalen Produkten von der eigenen Landwirtschaft und Metzgerei.

Sterne- und Spitzenkoch: Meister Schmaus im Historischen Eck (Watmarkt 6) ist derzeit der einzige Sternekoch der Stadt. Und er hat ihn mit seiner ambitionierten Küche verdient. Da er sauber ausgebucht ist, sollte man unbedingt reservieren. Mittags gibt's ein schnelles Menü für 20 Euro. Piero Cardones Galileo (Arnulfsplatz 6) hat jetzt einen italienischen Spitzenkoch, Alessandro Pireddu - bin gespannt, wie sich das entwickelt.

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