Von (sön) |
10.09.2011
| Netzcode: 2956180 | 282 Mal gelesen.
Rieden
60 Stunden im Fahrradsattel
Ein Amberger und ein Riedener beim Radmarathon Paris-Brest-Paris
Rieden. (sön) Quer durch Nordfrankreich, von Paris nach Brest, an die Atlantikküste und wieder zurück, führt das älteste Langstrecken-Radrennen der Welt. Am Start waren diesmal auch zwei Teilnehmer aus dem Raum Amberg-Sulzbach - Karl Wellnhofer aus Amberg und Hans Hofrichter aus Rieden.
Für Wellnhofer war es eine Premiere (weiterer Bericht). Hofrichter, der für die SGS Siemens Amberg startete, nahm nach 2007 zum zweiten Mal teil. Über 1200 Kilometer und 10 000 Höhenmeter mussten die Teilnehmer in maximal 90 Stunden bewältigen.
"Randonneure" werden die Fahrer genannt, die unabhängig von Tageszeit und Wetter sowie ohne fremde Hilfe sehr lange Strecken zurücklegen. Dies lockte auch heuer wieder über 5500 Fahrer aus aller Welt nach Paris. Um für den Start zugelassen zu werden, mussten mindestens vier Qualifikationsfahrten ("Brevets") über je 200, 300, 400 und 600 Kilometer in diesem Jahr absolviert und nachgewiesen worden sein.
Zwischen Rad und Wald
Nicht nur für Hans Hofrichter ließ der lange Winter eine gezielte Vorbereitung für die bereits im März beginnenden Brevets mit Straßentraining nicht zu. Das Fahren auf der Rolle im Keller war dafür kein Ersatz. Zusätzliches Handicap für Hofrichter war ein massiver Schneebruch im elterlichen Wald, der zeitnah aufgearbeitet werden musste. Er erinnert sich: "Wenn ich im Wald war, dachte ich ans Radfahren, war ich auf dem Rad, dachte ich an die Arbeit im Wald."
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Rieden
60 Stunden im Fahrradsattel
Ein Amberger und ein Riedener beim Radmarathon Paris-Brest-Paris
Mehrmals warfen ihn auch Krankheiten und Verletzungen in seinen Vorbereitungen zurück. Am Sonntag, 21. August, um 18 Uhr ging Hofrichter in Guyancourt, einem Vorort von Paris, mit dem zweiten von sieben Blöcken an den Start. Durch die schwierige Strecke splittete sich die Gruppe sehr bald auf. Um 2.15 Uhr wurde die erste von 13 Kontrollstellen erreicht. Per Unterschrift und Stempel musste in einem Roadbook die Zeit dokumentiert werden. Ein zusätzlicher Chip am Fußgelenk sorgte auch für die digitale Zeiterfassung: Diese ermöglichte es, die Fahrer via Internet zu verfolgen.
An den Kontrollpunkten konnte auch gegessen und geschlafen werden. Auf der nächsten Etappe zerfiel die Gruppe komplett. Hofrichter fuhr alleine in Richtung Atlantik. Gegen 6.30 Uhr, nach über 300 Kilometern, traf der Riedener in Fougeres wieder auf bekannte Gesichter. Zügig ging es gemeinsam weiter, gestoppt wurde nur zur Kontrolle und zum Essen. "Irgendwie schlug das alles aber überhaupt nicht an, es fiel einfach nur durch, wie durch einen Gitterrost" so Hofrichter über die riesigen Portionen. Bei einem Gesamtverbrauch von etwa 30 000 Kalorien musste entsprechend Energie nachgefüllt werden, um der Gefahr eines Hungerastes vorzubeugen.
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Rieden
60 Stunden im Fahrradsattel
Ein Amberger und ein Riedener beim Radmarathon Paris-Brest-Paris
Telefonzelle als Bett
Brest, die Hälfte der Strecke, war gegen Abend, nach 27 Stunden, erreicht. Nach Dusche und Abendessen folgten drei Stunden Schlaf, um sich von den zurückgelegten über 600 Kilometern zu erholen. Starker Regen hatte inzwischen eingesetzt, nasse Straßen und extrem dichter Nebel waren für Brillenträger Hofrichter ein starkes Handicap. Diese zweite Nacht setzte sehr vielen Fahrern stark zu: Man konnte sie schlafend in Telefonzellen oder gar neben ihren Rädern im nassen Gras auf dem Seitenstreifen sehen - nicht mehr fähig, auch nur noch einen Meter zu fahren.
Vorm Teller eingenickt
Um 5.45 Uhr erreichte Hans Hofrichter mit seinem Bekannten Carhaix die erste Kontrollstelle auf dem Rückweg, wo es wie in einem Feldlager zuging. In jeder Ecke, auf den Gängen, im Freien schliefen Fahrer, manche vor ihren vollen Suppentellern am Tisch. Nach einem ausgiebigen Frühstück fuhren beide weiter, trafen unterwegs auf zwei weitere Fahrer und fuhren gemeinsam die nächste Etappe. Da einer der beiden einen Felgenbruch hatte und ein neues Laufrad brauchte, verabschiedete sich Hans Hofrichter, um die restlichen 450 Kilometer alleine in Angriff zu nehmen.
In den letzten 40 Stunden hatte er nur drei Stunden geschlafen, verspürte aber nicht die geringste Müdigkeit, berechnete sogar, welche Endzeit er ohne Schlafpause erreichen könnte. "An diesem Tag hatte ich definitiv die Beine von Jan Ullrich", sagt Hofrichter in der Rückschau über sich selbst. Das teilweise sehr harte Training in der Vorbereitung hatte sich ausgezahlt.
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