Von Josef Maier |
02.07.2011
| Netzcode: 2869772 | 111 Mal gelesen.
Frankfurt/Main
Das Federleichte fehlt
Alle erwarten den WM-Titel: Deutsche gegen Nigeria richtig gehemmt
Frankfurt/Main. Als alles vorbei war, legte sie erst richtig los. Nicht laut donnernd, nicht grollend, das ist nicht das Naturell von Silvia Neid. Die Bundestrainerin liebt's ironisch: "Was werde ich gesagt haben? Ich habe gesagt, sie sollen das richtige Shirt anspielen. Das weiße, nicht das grüne."
So einfach sind Pausenansprachen. So herrlich einfach ist oft auch der Fußball, und doch fiel an diesem Donnerstagabend alles so schwer. Und so mochte Neid nach dem 1:0 der DFB-Frauen gegen Nigeria gar nicht über das Erreichen des ersten Minimalziels lächeln: "Wir sind im Viertelfinale, aber ohne Glanz und Gloria", meinte die Blondine, die in ihrem beigen Hosenanzug 90 Minuten versucht hatte, ihre weiß gekleideten Spielerinnen gegen die grün gewandeten Nigerianerinnen optimal zu positionieren. Meist vergebens. Meist sah sie nur, wie ihr Team Erarbeitetes schnell wieder zunichtemachte: "Wenn wir den Ball hatten, spielten wir ihn sofort wieder zu den Grünen. Und dann mussten wir ihn wieder erobern, das kostet viel Kraft."
Und es zehrt fürchterlich an den Nerven. An denen der direkt Beteiligten und an denen der Zuschauer. Frauenfußball-Spiele sind eigentlich Partys. Da gibt es keine aggressive Grundstimmung wie bei den Männern. Es wird gefeiert, auch wenn es nicht so läuft. Da müssen die Pfiffe zur Pause die deutschen Fußballerinnen schon etwas irritiert haben.
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Frankfurt/Main
Das Federleichte fehlt
Alle erwarten den WM-Titel: Deutsche gegen Nigeria richtig gehemmt
Angst vor den Massen?
"Die Menschenmassen haben nichts mit unserer Leistung zu tun", meinte Kim Kulig zwar. Aber solch ein Aufsehen, das derzeit um die schwarz-rot-goldenen Frauen gemacht wird, sind sie nicht gewohnt. Die meisten spielen in der Liga vor durchschnittlich 800 Zuschauern. Deswegen will Neid ergründen, ob diese Hysterie ihre Fußballerinnen hemmte: "Sie waren heute überhaupt nicht federleicht."
Schon gar nicht Birgit Prinz, die nach 50 Minuten ausgewechselt wurde. Aber auch Célia Okoyino da Mbabi oder Kerstin Garefrekes verhedderten sich ständig. Während die La-Ola-Welle der knapp 50 000 Zuschauer wie geschmiert lief, kam auf dem Rasen kaum Spielfluss zustande. "Wir müssen einfach mehr nach vorne kombinieren", bemängelte Siegtorschützin Simone Laudehr.
Vielleicht kommt das Turnier im eigenen Land für die Deutschen auch zum falschen Zeitpunkt, mitten hinein in den Generationswechsel. Prinz oder Inka Grings können dem Team kaum mehr helfen, die Jungen Alexandra Popp, da Mbabi oder Kulig müssen noch viel lernen, vor allem, wenn ein Team so giftig agiert wie Nigeria. Aber irgendwie wirkten die DFB-Frauen nach dem Pflichtsieg gegen den Afrikameister und vor der Partie am Dienstag gegen Frankreich auch etwas erleichtert, nicht mehr WM-Favorit zu sein: "Ich kann mir vorstellen, dass die Französinnen jetzt auf Wolke sieben schweben. Da wollen wir sie wieder runterholen. Die sind ja so, dass sie vielleicht schon glauben, sie sind bereits Weltmeister", hofft Linda Bresonik auf eine starke Reaktion.
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Frankfurt/Main
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Alle erwarten den WM-Titel: Deutsche gegen Nigeria richtig gehemmt
Laudehr mit Durchblick
Simone Laudehr, die Oberpfälzerin im Team und Schützin des einzigen Tores (54. Minute), war fast die Einzige, die in etwa Normalform erreichte. Die Tegernheimerin hatte nicht so viel mit sich selbst zu tun. Vielleicht war sie auch deswegen in der entscheidenden Situation hellwach: "Da war ein Tumult, und auf einmal lag der Ball vor meinen Füßen", beschrieb sie die Szene vor dem Tor. "Ich konnte sogar schauen, wo die einzelnen Spielerinnen aus Nigeria stehen." Sie hatte perfekt geschaut, und drehte nach dem 1:0 jubelnd ab. Ihr Sprint danach war federleicht - der einzige an diesem Abend.
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