Von Andreas Ascherl |
06.09.2010
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Amberg
Alleinstellungsmerkmale gäbe es sehr viele
Siegfried Kreuzer und Christian Behn von KP2 im Sommerinterview - Es fehlt die aktive Wirtschaftspolitik
Amberg. Vor kurzem konnten sie sich über den 2. Preis bei "Best of Consulting" der Wirtschaftswoche freuen. Das Amberger Beratungsunternehmen KP2 überzeugte die Jury in der Kategorie "Marketing und Vertrieb". Nun sitzen Siegfried Kreuzer und Christian Behn in ihrem Büro in der Fleurystraße und reden im Sommerinterview über ihre Sicht, wie es um den Wirtschaftsstandort Amberg steht.
Herr Kreuzer, Herr Behn: Wie war die Wirtschaftskrise?
Siegfried Kreuzer: Das war ja völlig überraschend. Alles war im Aufwärtstrend. Das hat uns schon überrascht. Aber wir haben sehr, sehr schnell reagiert und das relativ gut abgefedert. Wir haben daher unseren Umsatz von 2008 auf 2009 gehalten. Normal in der Branche war ein Minus zwischen 20 und 30 Prozent.
KP2 ist ja als Beratungsunternehmen überwiegend im Vertrieb tätig. Kam Ihnen das zugute?
Kreuzer: Es hat ja tatsächlich Unternehmen gegeben, die haben auch den Vertrieb kurzarbeiten lassen. Auch hier im Raum Amberg. Das war lokal so unterschiedlich wie global. Manche haben es hier richtig, manche falsch. Uns hat die Krise geholfen, uns neu zu positionieren hin zu einem Beratungsunternehmen weg von den Trainings und Seminaren.
Christian Behn: Wir haben neue Kunden gefunden, die eingesehen haben, dass es richtig ist, antizyklisch zu investieren.
Wo liegen ihrer Ansicht nach die größten Fehler, die Unternehmen in der Krise gemacht haben?
Von Andreas Ascherl |
06.09.2010
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Amberg
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Siegfried Kreuzer und Christian Behn von KP2 im Sommerinterview - Es fehlt die aktive Wirtschaftspolitik
Behn: Einfach Kosten zu sparen, ist ja relativ simpel. Oft wurde nicht versucht, kreative Lösungen zu finden, um mehr Umsatz zu schaffen.
Kreuzer: Man kann bei einem Unternehmen schon das Fett wegschneiden. Aber oft erwischt man dabei auch die Muskeln und schneidet in die Knochen. Wenn Sie sparen, sparen, sparen, dann bleibt nur noch die Bank übrig, um an neues Geld zu kommen. Einige Unternehmen haben hier keine Kreativität gezeigt.
Ihre Aufgabe ist es, diesen Unternehmen die Kreativität zu zeigen?
Kreuzer: Ich war zwei Wochen in den USA, fahre nach Peking und dann wieder in die USA. Bei uns sagen viele Unternehmen: Das brauchen wir nicht, das können wir selber.
Sie kennen sicher aber auch Gegenbeispiele.
Kreuzer: Ja, beispielsweise die Firma Optima in Schwäbisch Hall, mit deren Vertriebskonzept wir bei der Wirtschaftswoche ausgezeichnet worden sind. Das ist eine absolute Top-Firma, die einen absolut guten Vertrieb hat. Die haben während der Krise diesen Bereich dennoch noch einmal verbessert.
Von Andreas Ascherl |
06.09.2010
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Amberg
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Siegfried Kreuzer und Christian Behn von KP2 im Sommerinterview - Es fehlt die aktive Wirtschaftspolitik
Herr Behn, Sie als Hamburger beklagen, dass gerade in der Oberpfalz viele Unternehmen diese Chance verpasst haben.
Behn: Vielleicht ist man hier in der Oberpfalz einfach noch konservativer. Die Firmen haben sich gesagt, die Krise geht irgendwann schon vorbei. Wenn man mit lokalen Unternehmen geredet hat, dann war das oft so, als hätte man den Ingenieuren der Titanic zu erklären versucht, dass das Schiff doch sinken könnte.
Gibt es Regionen, wo das besser läuft?
Kreuzer: Als Beispiele will ich hier Graz oder Linz nennen. Von den Österreichern könnten wir viel lernen. Da haben eine enorme Flexibilität. Das schafft Erfolg und letztlich Arbeitsplätze. Graz, Linz und Schwäbisch Hall, wo Optima sitzt, das sind drei Regionen mit Vollbeschäftigung.
Gibt es weitere Erfolgsrezepte?
Kreuzer: Ein Schlüssel zum Erfolg ist die Cluster-Bildung. Hier könnten wir im Raum Amberg zum Beispiel einen Cluster für Automation bilden. Hier gibt es einige Firmen, die sich mit dieser Materie beschäftigen.
Von Andreas Ascherl |
06.09.2010
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Amberg
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Siegfried Kreuzer und Christian Behn von KP2 im Sommerinterview - Es fehlt die aktive Wirtschaftspolitik
Genügen sich die Menschen hier in der Oberpfalz zu sehr selbst?
Behn: Das ist aus meiner Sicht so.
Kreuzer: Wenn ich hier auf die Homepages der Wirtschaftsförderung oder auch der Stadt Amberg schaue, dann fehlen mir die Alleinstellungsmerkmale für Amberg, die ein Unternehmen hierher locken könnten. Dabei gäbe es so viele.
Behn: Wer hier wirklich kreativ war, das war Karl Trettenbach, als er seine alte Mühle in das Drahthammer Schlößl umgebaut hat. Das hat ihm aber auch großen Ärger eingebracht.
Kreuzer: Ein Gegenbeispiel: Wir hatten neulich hier eine Veranstaltung mit zwölf Leuten aus vier Kontinenten. Ich habe bei der Tourist-Info angerufen und wollte für die zwölf Broschüren über die Stadt Amberg haben. Die Antwort war: Zwölf können wir Ihnen nicht geben, reichen Ihnen nicht fünf auch? So etwas verstehe ich einfach nicht.
Ist denn alles schlecht hier?
Kreuzer: Nein, es gibt schon positive Beispiele. Ich nenne hier nur Sheepworld in Ursensollen und die Fahrradfabrik Ghost bei Waldsassen. Die haben einfach mal gemacht. Aber ich glaube, dass es in Amberg für ortsansässige Firmen nicht genügend Wertschätzung gibt. Eine kleine Anekdote dazu: Als wir den Preis der Wirtschaftswoche gewonnen haben, hat uns Sulzbach-Rosenbergs Bürgermeister Gerd Geismann (KP2 war einige Jahre lang in Sulzbach-Rosenberg angesiedelt, Anm. d. Red.) einen netten Brief geschrieben. Und auch Landrat Richard Reisinger hat uns gratuliert. Aus Amberg ist dazu überhaupt nichts gekommen.
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Amberg
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Siegfried Kreuzer und Christian Behn von KP2 im Sommerinterview - Es fehlt die aktive Wirtschaftspolitik
Behn: Der Ton hier in der Oberpfalz ist wohl allgemein etwas rauer.
Aber was spricht denn für unsere Stadt als Wirtschaftsstandort?
Kreuzer: Wir liegen hier an der alten Magistrale von Paris nach Prag. Was die Gemeinde Ursensollen übrigens auch dick auf ihrer Homepage anmerkt. Und wir befinden uns damit in einem gigantischen Wirtschaftsraum. Im übrigen bin ich heilfroh, dass meine Kinder in Amberg aufgewachsen sind. Ich finde das hier gut - auch mit dem ganzen Multikulti, was wir hier inzwischen haben. Und Amberg ist einfach eine super Stadt. Das sagen alle Leute, die von außerhalb hierher kommen. Die sehen die Qualität, die wir hier haben. Die sollten wir auch deutlich herausstellen.
Was schätzen Sie an Amberg, dass Sie ihre Firma hier angesiedelt haben und nicht in München?
Kreuzer: Ein Grund dafür ist, dass ich Amberger bin. Ich hatte schon früher Jobangebote aus den unterschiedlichsten Ländern. Ich bin immer hier geblieben. Außerdem haben wir gute Leute hier. Die sind extrem loyal zu ihrer Firma. Sehr gute Englisch-Kenntnisse, wie wir sie benötigen, sind mittlerweile auch kein Problem mehr. Wir finden hier wirklich sehr, sehr gute Mitarbeiter.
Von Andreas Ascherl |
06.09.2010
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Amberg
Alleinstellungsmerkmale gäbe es sehr viele
Siegfried Kreuzer und Christian Behn von KP2 im Sommerinterview - Es fehlt die aktive Wirtschaftspolitik
Behn: Ich hatte in meinem Berufsleben noch nie so gute und zuverlässige Leute im Innendienst.
Die Stadt Amberg will in Atzlricht ein neues Gewerbegebiet ausweisen, brauchen wir das überhaupt?
Kreuzer: Ich bin absolut nicht dagegen. Denn wir haben sehr viel Natur um uns herum. Nur von Natur kann man nicht runterbeißen. Ich bin aber dagegen, das jetzt zu erschließen und zu warten, dass jemand kommt und sich ansiedelt. Man muss aktiv nach Interessenten suchen. Wir brauchen mehr Firmen, wie die unsere mit 20, 30, 50 Arbeitsplätzen. Einer, der 500 Produktionsplätze mitbringt, kommt sicher nicht. Aber wir sitzen hier einfach und warten hier, bis wer kommt.
Sie sind für Ihren Beruf ständig unterwegs. Was sagt die Familie dazu?
Kreuzer: Ich sage zu Christian Behn immer: Du musst mal Urlaub machen. Der arbeitet wirklich ständig. Aber mein Familienleben beeinflusst das schon sehr. Das geht nur, weil meine Frau Familie und Haus managt. Wenn ich hier ausfalle, übernehmen Kollegen. Wenn meine Frau ausfällt, dann habe ich ein Problem.
Was würden Sie hier in Amberg gerne einmal machen?
Behn: Ich hätte einfach mal Lust, mich mit den Politikern zusammenzusetzen und über das Thema zu reden. Ich habe mich neulich in Hamburg mit einem ehemaligen Bürgermeisterkandidaten unterhalten, Dr. Mathias Petersen. Dem habe ich abgenommen, dass er wirklich dafür lebt, anderen Menschen zu helfen.
Kreuzer: In Bayern hat es auch so einen Bürgermeister gegeben. Das war Sepp Daxenberger. Der hat seine Gemeinde Waging entschuldet und nach vorne gebracht. Wir brauchen mehr Macher, weniger Verwalter.
Die wegen gravierender Hygienemängel stillgelegte Großbäckerei Müller-Brot darf ihre Produktion bis auf weiteres nicht aufnehmen. Dies entschieden die Behörden am Freitagabend nach einer erneuten umfassenden Kontrolle der Produktionsstätte in Neufahrn bei München.
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