Sulzbach-Rosenberg
Der letzte Trapper vom Rosenbach
Hans Frieser stellt seit 45 Jahren dem Bisam nach - Amtlicher Einsatz an Weiher und Fluss
Sulzbach-Rosenberg. Früher, da ist es schon mal vorgekommen, dass er zum allgemeinen Gaudium ein paar Bisamratten in der Hosen- oder Jackentasche stecken hatte, wenn er sich ein Feierabendseidel gönnte - doch inzwischen ist er viel braver geworden: Der Frieser-Hans, eines der letzten Originale der Herzogstadt, ist der einzig verbliebene aktive Bisamfänger des Landkreises, sein Hobby macht ihm auch nach 45 Jahren noch viel Freude.
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| Er liebt sein Hobby und ist seit 45 Jahren stadtbekannt dafür: Hans Frieser, amtlich bestallter Bisamfänger. Bilder: Gebhardt |
"Aber agfangt hobe schou mit fünf, sechs Jaoua!", berichtet Hans Frieser im Gespräch mit unserer Zeitung, seine blauen Augen blitzen: "Vatter und Großvatter hom die Weiher hinterm Annaberg ausghobn!", so begann die Beziehung des Jungen zu Wasser, Fisch und der dort bald ansässigen Bisamratte. Die Wühltätigkeit der Nagetiere zu unterbinden, dafür gab und gibt es auch heute nur ein effektives Mittel: die Falle.
Ein riesiges Revier
Sein Handwerkszeug heißt Bügelschlagfalle, ist etwa 30 Zentimeter lang und ein Spezialgerät aus Stahl. Mit ihr fing er schon bis zu 500 Bisam pro Jahr, jetzt sind es immer noch 200 bis 300. Sein Revier ist der Landkreis,
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| Die Bügelschlagfalle tötet das Tier mit einem Schlag. |
Doch begleiten wir ihn einfach einmal bei einem seiner nachmittäglichen Beutezüge: Gegen 15 Uhr entert der Frieser-Hans, vorschriftsmäßig jägergrün gewandet, seinen Golf und steuert sein Ziel an, in unserem Fall den Rosenbach zwischen Unterschwaig und Frohnberg-Straße. Zunächst fährt er in die hüfthohen Gummistiefel, dann kommt die Umhängetasche.
Profi am Werk
Was ist da drin? Die Fallen natürlich, zehn bis 15 Stück auf 500 Meter, und die Köder: Pastinaken oder Sellerie, in seltenen Fällen auch Äpfel. Schnell noch das Klappmesser in die Hosentasche, jetzt geht es hinunter über die Böschung ins Bachbett.
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| Respektable Zähne für eine Wühlmaus. |
Nachdem die Falle gegen Abdriften gesichert ist, geht es weiter: Doch was ist das? "Daou, is a schou drin", brummt der Hans zufrieden und nimmt einen nassen, toten Bisam aus einer zugeschnappten Falle. Per Genickschlag tötet sie die Nager sofort, ohne Leiden. Der Hans verstaut die Beute in der Umhängetasche und steuert die nächste Station an. Das ist eigentlich schon alles - ganz einfach und doch so schwer: Alles muss passen, Standort, Falle, die Position unter Wasser oder am Ufer, Köder, Jahreszeit und vieles mehr. Dann klappt das auch mit dem Bisam. Nachmittags Fallen auslegen, morgens kontrollieren, nachmittags Fallen versetzen, sieben Tage die Woche. Das muss man schon mögen.
Neugierige Fragen
Vier Bisam liegen jetzt in der Sonne neben dem Auto, während sich der Hans wieder umzieht. Eine Familie mit zwei Kindern kommt angeradelt: "Ui, wos is denn des?" Bereitwillig klärt der Trapper die Neugierigen auf, was er da tut und warum, zeigt die jetzt trockenen Bisam her und lässt die Kinder das Fell befühlen. "Daou kamma an schöina Mantel draas macha!", weist er auf die praktischen Möglichkeiten seines Tuns hin, und die Familie ist zufrieden. Wieder was gelernt. Wie war das denn früher? Da gab es noch Prämien vom Staat respektive Landratsamt, erinnert sich der Hans. 50 Pfennig für jeden Bisamschwanz (der als Nachweis abgezwickt und vorgelegt werden musste), später dann 1,50 Mark, jetzt aber gar nichts mehr. In der Nachkriegszeit zahlten die Amerikaner noch 50 Mark für den Pelz, meint der Hans, der jetzt nicht einmal mehr einen Zwickel für das Rohprodukt erhält. Und den Sprit muss er auch selber zahlen.
Doch er ist zufrieden, immer noch. Mit der nötigen Portion Humor hat er sich und sein Hobby über die Jahre gebracht, begleitet von einer verständnisvollen Ehefrau. Und seine Beute fährt er heute brav nach Hause und hängt sie bestimmt nicht mehr in der Jacke an der Wirtshausgarderobe auf. Eine wirkliche Garantie darauf würde allerdings niemand geben, der den Frieser-Hans kennt...
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| Der letzte Bisamfänger in Aktion, hier im Rosenbach. |
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