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Von Robert Stammler  |  26.08.2010  | Netzcode: 2468600  |  1454 Mal gelesen.
Amberg

"Als ob der Berg reden würde ..."

Die unglaubliche Steinesammlung von Andreas Lang aus Neumühle - Eintauchen in das Jurameer

Amberg. Wenn hinter den Gletscherflanken des 3403 Meter hohen Hochfirst im hinteren Passeiertal die Südtiroler Sonne untergeht, dann legt sich auch Andreas Lang auf der urigen Seeber-Almhütte in sein einfaches Nachtlager. Es war ein langer und anstrengender Tag. Denn Lang war mit Rucksack, Hammer und Meißel im Hochgebirge unterwegs, um aus Fels und Eis die schönsten Steine zu brechen - ein Hobby, das ihn schon seit 50 Jahren begleitet. In den Bergen und in der Heimat.

Seit rund 50 Jahren sammelt Andreas Lang aus
Seit rund 50 Jahren sammelt Andreas Lang aus Neumühle Steine. Hier im Bild eine Besonderheit aus einem Steinbruch bei Lauterhofen: Aufgelöste Kieselsäure hat in dem Kalkstein reliefartige Rillen hinterlassen.
"Na ja, ich glaube, das ist keine Leidenschaft mehr, das ist schon eine Sucht", gesteht der 70-Jährige beim Gang durch seinen schmucken Garten in Neumühle, wo er einen Teil seiner Schätze wirkungsvoll und ästhetisch in Szene gesetzt hat. Die anderen sind im Keller seines Hauses und im Gang fein säuberlich in Regalen gelagert. Tausende Fundstücke ("Ich habe sie nie gezählt und nie archiviert"), von denen viele ihre eigene Geschichte erzählen können.
Andreas Lang sammelt Steine. Große und kleine Steine. Solche, in denen Ammoniten aus dem Jura-Urmeer ihre Jahrmillionen alten Spuren hinterlassen haben. Oder solche, die einfach nur schön sind. Halbedelsteine, Quarze, Kalzite, Stalagmiten, Steine mit Glimmer- und Granateinschließungen und Basaltfindlinge.

Langs Garten, der an der Rückseite
Die Fundstücke, die im Laufe der Jahre
Die Fundstücke, die im Laufe der Jahre zusammengetragen wurden, füllen im Garten von Andreas Lang Schalen, Töpfe und Tröge.
von einer Mauer eingefasst ist, deren heller Sandstein aus der Seugaster Gegend stammt und nach dem Abbruch eines 300 Jahre alten Hauses in mühevoller Kleinarbeit herbeigeschafft wurde, mutet an wie ein kleines Freiluftmuseum für Steine. An Haus- und Schuppenwänden lehnen gewaltige Ammoniten, wie jenes rund 120 Millionen Jahre alte Prachtexemplar, das der Neumühler bei einer Straßenbaustelle in der Nähe von Neumarkt sichergestellt hat.
"Drei Stunden habe ich schon gebraucht, bis ich ihn hatte", erzählt Lang und deutet gleich weiter auf die Hornblende mit Glimmer- und Granateinschließungen. Der Stein, der aussieht wie gebürstet, stammt vom Passübergang beim Timmelsjoch. "Ich habe damals eigens eine Art Trage gebaut, und der Senner hat mir geholfen, ihn aus 2500 Metern Höhe ins Tal zu schaffen", so Lang. Eine richtige Schinderei war das damals.

Nautilus aus Wolfsbach



Doch nicht nur in den Südtiroler Bergen, wo der im Pustertaler Verein für Mineraliensammler eingeschriebene Steinesucher aus der Oberpfalz eine amtliche Genehmigung für sein Hobby braucht, wird Lang fündig. Auch die heimatlichen Brüche und Gruben sind immer wieder für Überraschungen gut. Als sehr ergiebig hat sich für Lang über die Jahre hinweg das Wolfsbacher Revier erwiesen. Besonders stolz ist der Neumühler zum Beispiel auf einen einige Zentner schweren versteinerten Nautilus, ein
Im Jurameer haben vor Millionen von Jahren
Im Jurameer haben vor Millionen von Jahren Ammoniten ihre Spuren hinterlassen.
Kopffüßler aus dem Jurameer, von dem sich noch heute einige Arten im indischen Ozean finden.
Auch die Kalzite aus dem Wolfsbacher Steinbruch, die versteinerten Holzstücke, die Ammonitenplatte aus einem Acker bei Aschach, Basalte und Quarze aus Pleystein oder auch die Eisenerz-Blöcke vom Mariahilfberg lassen staunen. Ein gewaltiges Fundstück von geradezu künstlerischen Dimensionen stammt aus der Nähe von Lauterhofen. Nachdem sich die im Kalk eingeschlossene Kieselsäure mit der Zeit gelöst hatte, entstand eine reliefartig geformte Oberfläche mit tief eingeschnittenen Flusstälern, Plateaus und hoch aufragenden Bergen. Eine richtige Ur-Landschaft ist das, die die Fantasie des Betrachters anregt.

Und genau das sind jene Momente, die Andreas Lang an seinem Hobby so faszinieren. "Oft sitze ich dann in einem Steinbruch und schaue mir lange die verschiedenen Schichten an. Oder ich stehe an einem Gletscher, höre das Wasser gurgeln und den Wind säuseln. Und dann kommt es mir so vor, als ob der Berg reden würde."

Nur der ideelle Wert



Das hat fast schon etwas Philosophisches, wenn der Steineliebhaber über sich und seine unglaubliche Sammlung spricht. Leicht würden die seltenen und mit viel Mühe geborgenen Fundstücke bei Auktionen und Sammlertagen viel Geld einbringen. Doch an den materiellen Wert hat Lang noch keine Sekunde vergeudet. "Das sind alles meine Schätze, an denen mein Herz hängt", sagt er. Lang ist reich an Steinen. Aber steinreich möchte er damit nicht werden.


Ammoniten und besondere Fundstücke, wohin das
Ammoniten und besondere Fundstücke, wohin das Auge blickt. Im Keller seines Hauses stellt Andreas Lang seine Schätze, die er nie gezählt oder archiviert hat, in Vitrinen zur Schau.



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