Amberg
Hier zielt das Interesse auf Wissen und Literatur
Josef Schiessl ist einer von vielen Sportschützen, die nicht nur das Schießen fasziniert - Technik und Drumherum zählen
Amberg. Natürlich ist Josef Schiessl ein Unikat. Aber er ist auch ein typischer Sportschütze: einer, der sich nicht nur am Schießstand mit diesem Hobby beschäftigt. Dem es keineswegs nur ums "Ballern" geht, wie manche Menschen gerade in der einige Zeit reichlich überhitzt geführten Debatte zum Thema Schießen oft genug in aller Öffentlichkeit meinten. Josef Schiessl ist einer der vielen Sportschützen, deren Interesse ganz anders gelagert ist.
"Wie funktioniert das?"
Beides begann schon in früher Jugend. "Mit zwei Büchern aus der Reihe ,Wie funktioniert das?', die ich von meiner Mutter geschenkt bekommen habe", erinnert sich der gelernte Maschinenbauer. Er war damals 13 Jahre alt und hatte etwa zur gleichen Zeit mit dem Luftgewehrschießen angefangen. Das war für Buben seines Alters Mitte der sechziger Jahre eine beliebte Freizeitbeschäftigung. Doch für Josef Schiessl war es damals schon mehr. Er verband sein technisches Interesse damit, fragte sich selbst beim eher einfachen Luftdruckschießen getreu dem Motto seiner Bücher: "Wie geht das?" Nicht nur das fand er theoretisch und praktisch schnell heraus. Klar, dass er diese Frage auf viele technische Dinge ausweitete - später sogar auf seine ersten eigenen Autos und Motorräder, an denen er selber kräftig schraubte.
Noch interessanter fand er allerdings die Beschäftigung mit Feuerwaffen, von denen er Anfang der siebziger Jahre - weil damals noch frei käuflich - als erste einen Perkussionsrevolver erwarb. Schon diese simple, aber effektive Technik der Vorderlader, die bereits die Cowboys im Wilden Westen der USA verwendeten, faszinierte ihn. Durchschaut war sie natürlich rasch und so "forschte" der damals bereits Maschinenbau studierende Amberger mit dem komplizierteren System der Pistolen, Patronenmunitions-Revolver und -Gewehre weiter - auch anhand einiger eigener Anschauungsobjekte, die er sich zulegte. Natürlich probierte er letztere auch aus - selbstverständlich mit großem Spaß am Schießen, wie er nicht verhehlt, aber eben auch immer mit dem Interesse, die Waffen hinterher zu zerlegen und alle Details und Teile, die zu ihrer Funktion gehören, in- und auswendig kennenzulernen.
Zum Mauser-Fan gemausert
Klar, dass dazu die entsprechende Literatur nötig ist. Aber Josef Schiessl beschränkte sich in den vergangenen 30 Jahren natürlich nicht nur auf Bedienungsanleitungen und technische Erläuterungen zu den Waffenmarken und -typen, die ihn speziell faszinierten. Er fing auch an, sich mit der Geschichte und Entwicklung einiger Waffenhersteller und ihrer Produkte auseinanderzusetzen. Ganz besonders begeistert hat ihn dabei die traditionsreiche deutsche Firma Mauser. Über sie hat sich der 57-Jährige zu einem absoluten Experten gemausert. Er kaufte und las nicht nur alles, was an Büchern und Magazinen über das Unternehmen zu kriegen war, sondern nahm zum Beispiel auch persönlich Kontakt auf zum Autor einer Mauser-Chronik, der Leiter des Waffenmuseums der Firma mit ihrem Hauptsitz in Oberndorf war.
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| Meistens lässt er die Pistole lieber stecken und liest mehr über seine Schätzchen wie diese Mauser 08. |
Es sind meterweise Bücher, die Josef Schiessl zu Hause in seinen Regalen gesammelt hat. Das überrascht deshalb, weil die Auswahl an guter Waffenliteratur in Deutschland und in deutscher Sprache insgesamt betrachtet eher klein ist. Doch auch hier erwies sich der Amberger als findig und konsequent, um seinen Wissensdurst und seine Sammelleidenschaft stillen zu können. Er kauft seit Jahren auch in Großbritannien und den USA ein - natürlich in englischer Sprache -, weil hier der Markt an Literatur zum Thema einfach größer ist und kaum Wünsche offen lässt.
Überhaupt ist Josef Schiessl zum Fan der Vereinigten Staaten geworden, hat sie auch auf Spurensuche im Ursprungsland von Colt & Co. schon mehr als 30 Mal bereist und natürlich von jedem Aufenthalt etwas mitgebracht. Keine Waffen allerdings, sondern "nur" die entsprechende Fachliteratur dazu. Das ist der Unterschied, der in der Diskussion über Sportschützen oder andere Waffenliebhaber gern übersehen wird, und doch so viele auszeichnet: Die Anhänger dieses Hobbys beschränken sich in der Regel keineswegs nur auf das Schießen, viel mehr Zeit verwenden sie auf das Studium all dessen, was dazugehört - Faszination für die Technik eingeschlossen.
Harmlos wie Asterix
Bei Josef Schiessl geht das so weit, dass er es mittlerweile sogar vorzieht, Bücher in englischer Sprache zu lesen. "Literatur, finde ich, sollte man sich in der Originalfassung zu Gemüte führen", sagt er, "das war für mich früher auch schon der Grund, Französisch zu lernen. Weil ich Asterix und Obelix im Original lesen wollte". Der 57-Jährige schmunzelt, als er das erwähnt. Wohlwissend, dass er damit einen guten Vergleich anschneidet. Denn die Waffenliteratur, die Josef Schiessl liest und sammelt, ist im Grunde genauso harmlos wie Asterix und Obelix. Und einer, der sich so intensiv mit dem Thema beschäftigt und natürlich im Bilde ist, was Waffen im schlimmsten Fall anrichten können, entwickelt durch dieses Wissen wohl eher eine friedfertige Grundeinstellung. Und er wird obendrein zum (privaten) Experten, der sein Hobby als "Heiligtum" betrachtet und es durch falschen Umgang damit nie beschmutzen würde. Wie wohl jeder, der ein Hobby ernsthaft und leidenschaftlich betreibt.
Öffentliche Debatte "unfair"
Deshalb sollten auch die Sportschützen in einer speziell seit Erfurt und Winnenden ziemlich undifferenziert geführten öffentlichen Debatte nicht als "Risiko" abgestempelt werden, findet Josef Schiessl. Abgesehen davon, dass manche Forderungen in dem Zusammenhang bis hin zur Verunglimpfung, Kriminalisierung und Einschränkung der persönlichen Freiheit reichten, sei das auch unfair.
Tatsächlich sind viele Sportschützen wie Josef Schiessl: eingefleischte Fans mit viel mehr Hintergrund, Wissen und Liebe zu ihrem Hobby, als in der Öffentlichkeit registriert wird. Und so sind sie in der Regel Profis, die es schon als unprofessionell ansehen würden, mit Waffen und ihrer Wirkung unsachgemäß oder gar leichtsinnig umzugehen. Das steht nicht nur in der Literatur und der Amberger Zeitung, es ist tägliche Realität, wie viele Beispiele zeigen. Josef Schiessl ist nur eines davon - allerdings ein "treffendes".
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