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Von Markus Müller  |  24.08.2010  | Netzcode: 2464084  |  733 Mal gelesen.
Hohenkemnath

Vom Heimweh zur Heimatliebe

Wie Josef Schmaußer zu seiner Begeisterung für die Geschichte der Region kam

Hohenkemnath. Wer die Heimat liebt, wird damit nicht nur schöne Gedanken verbinden. Oft ist Wehmut dabei. So auch bei Josef Schmaußer. Für ihn hat dieses Gefühl seine Wurzeln in der Zeit, die er im Internat in Tirschenreuth verbrachte: "Ich habe da nur Heimweh gehabt. Und als ich nach dreieinhalb Jahren heimgekommen bin, war im Dorf alles anders. Das hat mir einen Stich gegeben, den habe ich bis heute nicht verwunden."

Viele Zeugnisse aus früheren Zeiten, die Josef
Viele Zeugnisse aus früheren Zeiten, die Josef Schmaußer aufbewahrt, sind älter als der Ort Hohenkemnath selbst. Bild: Steinbacher
Eine neue Kreisstraße durchschnitt den Schlossgarten - "wie ein Peitschenschlag", sagt Schmaußer - und überall in Hohenkemnath "standen jetzt die Einheitshäuser - rechteckig, praktisch, aber unpassend in einer Oberpfälzer Dorflandschaft". Der junge Bursche fand Ablenkung in der Natur und hob dort alles auf, was ihm eigenartig vorkam. Ein Hufeisen aus dem 13. Jahrhundert, das ihm auf den Äckern rund um Hohenkemnath auffiel, war irgendwann ebenso dabei wie ein mehr als 800 Jahre alter Spinnwirtel (eine Art Gewicht an der Handspindel). Jetzt ging eine Saat auf, die Lehrer Hermann Helm dem kleinen Buben in der Grundschule eingepflanzt hatte: die Begeisterung für alles, was mit der Geschichte der Heimatregion zu tun hat.

Der Lehrer war's



"Hermann Helm war auch mein Vorvorgänger als Konrektor an der Volksschule in Hirschau, das freut mich besonders", sagt Josef Schmaußer heute. Und noch etwas fällt ihm ein bei der Erinnerung an die Zeit, als das Hohenkemnather Schulhaus zu klein wurde und die Gemeinde einen Raum vom Gasthaus Hirsch anmietete: "Ich habe zwei Schuljahre im Wirtshaus verbracht, das waren sicher meine schönsten." Eine unsagbar warme und herzhafte Atmosphäre habe dort geherrscht.
Dieses Stück - ein Ochseneisen - hat Schmaußer
Dieses Stück - ein Ochseneisen - hat Schmaußer beim Wandertag der Schule gefunden und damit auch die Kinder für die Heimatgeschichte begeistert.

Wer Josef Schmaußer so aus seiner Kindheit erzählen hört, kann sich vorstellen, warum er quer durch den ganzen Landkreis zu Lesungen über Brauchtum eingeladen wird, warum seine Anekdoten über die gute alte Zeit, die Bewohner der entlegenen Höfe oder die aufgelassenen Siedlungen und ihre gespenstischen Hinterlassenschaften so beliebt sind.

Auch in der Schule ist es für die Kinder das Größte, wenn ihr Lehrer Schmaußer etwas zum Anfassen dabeihat, Geschichte greifbar macht. Wie mit den kleinen Ansteckern, die in Hirschau hergestellt wurden und die jeder bekam, der im "Dritten Reich" für das Winterhilfswerk spendete. "Wir danken unserm Führer" steht drauf. Wer das gesehen hat, der weiß, dass sich der Nationalsozialismus nicht irgendwo in weiter Ferne abgespielt hat, sondern auch in Hirschau, Krondorf oder Urspring vor (oder hinter) jedermanns Haustür.

Meistens sind die Stücke aus Schmaußers heimatgeschichtlicher Sammlung aber wesentlich älter. Der Methusalem ist mit rund 10 000 Jahren ein Schaber aus der Mittelsteinzeit. Die Spitze ist weggebrochen, wodurch er möglicherweise nicht mehr zu gebrauchen war und weggeschmissen wurde.

Jetzt noch ins Archiv



Keine Frage, dass Josef Schmaußer mit dieser Vorgeschichte auch Ortsheimatpfleger ist. Wobei die Ernennung recht informell zustande kam. "Der Hirsch Sepp als Bürgermeister-Stellvertreter wusste damals bei einer Sitzung nicht recht, was er mit der zugeschickten Broschüre Bayerische Heimat machen sollte", erinnert sich Schmaußer schmunzelnd. "Da hat er sie mir in die Hand gedrückt: Das nimmst du, du bist jetzt unser Heimatpfleger." Der Naturliebhaber Josef Schmaußer, für den Natur- und Heimatliebe untrennbar zusammengehören und der sich mit großer Wonne auf sein Rad schwingt, um in Richtung Birgland zu strampeln ("Es geht nix über den Jura"), will in Zukunft verstärkt einen Ort aufsuchen, an dem man von der Sonne recht wenig zu sehen bekommt: "Im Archiv bin ich noch zu wenig gewesen. Da sind viele Quellen zur Geschichte der Region noch gar nicht ausgewertet." Als Glück empfindet es Schmaußer deshalb, dass sein Freund Hans Kaltenbrunner im Staatsarchiv arbeitet und ihm dabei viel hilft.
Auch in Hohenkemnath selbst bekommt er viel Unterstützung von den Leuten, die Fotos oder andere Utensilien aus früheren Zeiten finden und sie ihm anvertrauen. Volles Verständnis für die Vehemenz, mit der Schmaußer an der Vergangenheit hängt, herrscht aber nicht überall, das weiß er schon. Gegen die schönen Erlebnisse kommt das aber nicht an. Wie das mit dem fast 90-Jährigen, der eines Tages mit seinem achtjährigen Enkel vor der Tür stand und ein Anliegen hatte: "Sepp, der Bub will wissen, wie das damals war; ich kann es ihm nicht mehr sagen, aber du weißt das doch, oder?"
Diese Verschlüsse saßen mal auf Bierflaschen und
Diese Verschlüsse saßen mal auf Bierflaschen und verraten einiges über längst verschwundene Brauereien, aber auch über die Kunstfertigkeit früherer Generationen. Josef Schmaußer hat sie fast alle auf einem Acker gefunden.


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