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Von Heike Unger  |  20.08.2010  | Netzcode: 2459699  |  944 Mal gelesen.
Amberg-Sulzbach

Die Jäger des modernen Schatzes

Geocaching: Per Satellit zum Natur-Erlebnis

Amberg-Sulzbach. Es war keine Liebe auf den ersten Blick. Oder besser gesagt auf den ersten Versuch. Heute lacht Christa Urban darüber. Damals fand sie ihren ersten Geocaching-Ausflug ins Lauterachtal gar nicht lustig: "Wir haben nichts gefunden und sind ziemlich dreckig geworden", erinnert sie sich an diesen Flop. Das war's fürs Erste. "Wir haben's dann ein halbes Jahr sein lassen." Bis die Familie im Urlaub einen zweiten Anlauf wagte - und dabei ein gemeinsames Hobby für sich entdeckte.

Bild: Unger
Wandern war gestern. Familie Urban geht lieber Geocachen - eine moderne Schnitzeljagd. Bilder: Alexander Unger
Nachdem Dr. Andreas Urban vor ein paar Jahren nach Ursensollen gezogen war, kaufte sich der begeisterte Radfahrer ein GPS-Gerät - als Navigationshilfe, um bei seinen Touren in die damals noch wenig bekannte Region nicht ständig eine Karte entfalten zu müssen. Durch Zeitschriften und einen Nachbarn kam er darauf, dass man mit dem kleinen Gerät noch etwas anderes machen kann: Geocaching ("Hintergrund"). Seither ist er regelmäßig auf GPS-Schatzsuche - zwei- bis dreimal die Woche, an den Wochenenden auch oft gemeinsam mit seiner Frau Christa und seinen drei Kindern Valentin (7), Theresa (9) und Magdalena (11): Geocaching als echtes Familienhobby.

"Wenn wir zu den Kindern sagen, wir gehen wandern, hält sich die Begeisterung in Grenzen", sagt Christa. Aber Geocaching ist "echt cool", wie es Theresa formuliert. Wo es hingeht, entscheiden die Urbans meist nach der Gegend, die sie sich anschauen wollen. Genau das macht für Andreas den besonderen Reiz aus: "Landschaft und Natur zu entdecken, draußen zu sein, das ist das Schönste." Ein anderer, wichtiger Beweggrund - in diesem Fall durchaus auch wörtlich zu verstehen: Die Kinder sitzen nicht nur vor PC und Fernseher, kommen raus an die Luft.

Mit Hirn und Muskelkraft

Auf der "Schanz" sind die Urbans dem "Schatz"
Auf der "Schanz" sind die Urbans dem "Schatz" schon ganz nahe: Unter einem der Felsen ist er versteckt.


Und dann sind da natürlich noch die Hindernisse, die mit Hirn und Muskelkraft zu überwinden sind, um den jeweiligen "Cache" zu finden. Dabei sind der Fantasie scheinbar keine Grenzen gesetzt. So gibt es neben den Standard-Caches auch solche, für die man beispielsweise auf einen Baum klettern muss, andere, die man nur nachts finden kann oder welche, bei denen man chemische Formeln nutzen und mathematische Rechnungen anstellen muss, um den Weg dorthin zu finden.

Andreas - als Geocacher mit dem von seinem zweiten Hobby abgeleiteten Spitznamen "Bergradler" unterwegs - hat sich zur Schatzsuche auch schon in eine Höhle abgeseilt. Für seine Kinder liegt der Reiz natürlich vor allem darin, "was drin ist": die kleinen Tauschgegenstände in den Cache-Behältern. Wer einen findet, darf sich einen Gegenstand heraus nehmen und legt dafür einen anderen hinein - für den nächsten Finder. Denn die Cache-Dose bleibt stets, wo sie ist. Andreas freut sich besonders über "Trackables": Meist Münzen, die eine individuelle Nummer haben, mit der sich ihr Weg übers Internet verfolgen lässt.
Aber dazu muss man sie erstmal finden. Heute haben die Urbans zwei Caches im Raum Neumarkt auf ihrer Liste. Zwei sogenannte Multi-Caches, eine Suche über mehrere Stationen. Erstes Ziel: Das "Lützelburger Felsenmeer", eine Felsformation im Wald. Während Christa die Daten auf dem GPS-Gerät überprüft, meldet ihr Mann schon den Fund: Das geübte Auge des Bergradlers hat den Cache schnell entdeckt, er hat die erste Dose in den Händen. Darin steckt, neben dem üblichen Logbuch, in dem sich der Finder verewigt, eine Ritterfigur mit einer Plastikschatztruhe - und die wiederum enthält die GPS-Daten für den tatsächlichen "Schatz"-Fundort.
"Ritter Adalbert" bewacht seine Schatzkiste. Und
"Ritter Adalbert" bewacht seine Schatzkiste. Und hütet darin ein Geheimnis - die Koordinaten, die man ins GPS-Gerät eingeben muss, um den Geocache im "Lützelburger Felsenmeer" zu finden.


Hilfe von "Ritter Adalbert"



Solch originelle Ideen begegnen Geocacher häufig, erzählt Christa und erinnert sich an eine Plastikspinne, versteckt in einem Baumloch, auf deren Körper die gesuchten Koordinaten zu lesen waren. Im Felsenmeer ist der "Schatz" mit Hilfe von "Ritter Adalbert" auch schnell gefunden. Valentin freut sich über Fußball-Sammelkarten, die er gegen eine mitgebrachte Spielfigur eintauscht. Und für Papa Andreas gibt es ein neues "Trackable", eine Münze mit origineller Prägung in Form von Skelett und Kakteen, dazu den Aufdruck "Desert Caching ist not for the timid" (Schatzsuche in der Wüste ist nichts für Angsthasen). Der Knochenmann auf Bronze kommt aus dem US-Staat Nevada und hat schon einen weiten Weg hinter sich - bislang rund 11 645 Kilometer, wie man anhand der eingeprägten Nummer im Internet nachlesen kann.

Aufgeweichte "Schatzkarte"



Weil die Familie nicht lange suchen musste, bleibt Zeit für einen zweiten Cache. "Schanz" heißt er und führt in der Nähe von Unterwiesenacker zu einer keltischen Ringwallanlage, auch über mehrere Etappen. Nummer eins ist kein Problem, Nummer zwei von Valentin schnell entdeckt - ein "Nano-Cache", die kleinste Variante: ein kaum daumennagelgroßer Schraubbehälter, per Magnet ans Metallfundament einer Schranke geheftet, in dem gerade ein kleiner gerollter Streifen Papier Platz hat.

Die Enttäuschung: Das Papier ist völlig durchweicht, die Koordinaten für die nächste Station sind unleserlich. Andreas greift zum Handy, ruft Geocacher-Bekannte an, die die "Schanz"-Tour erst kürzlich absolviert haben und bekommt von ihnen einen Hinweis, wo der Schatz versteckt ist - unter einem Stein mit Blick auf einen Golfplatz. Dank dieses Tipps ist der Cache schnell gefunden. Christa entdeckt die gut versteckte Box. "Von wegen, die Mama findet nichts", triumphiert sie, nachdem die Kinder kurz zuvor erzählt hatten, dass Papa und Theresa die besten Finder in der Familie sind.
Geocaching als Familienhobby: Die Urbans (von
Geocaching als Familienhobby: Die Urbans (von links) Theresa, Magdalena, Andreas, Christa und Valentin haben bei ihren gemeinsamen Streifzügen durch die nähere und weitere Umgebung viel Spaß.

Nicht immer klappt es mit dem Finden gleich beim ersten Versuch, schränkt Andreas ein. Neueinsteigern empfiehlt er deshalb, sich zunächst leichtere Caches auszusuchen, um nicht frustriert aufgeben zu müssen. Ausprobieren kann man Geocaching schon mit einem mobilen Auto-Navi, einem Handy mit GPS-Funktion oder einem günstigen GPS-Gerät (um die 80 Euro). Wer dabei bleibt, wird sich vermutlich bald ein besseres Gerät (250 Euro aufwärts) kaufen. Und nach und nach seine Ausrüstung komplettieren.

Andreas zählt auf, was er immer dabei hat: Stift, Tauschgegenstände, Pinzette, Taschenlampe, Spiegel - und Handschuhe, "wenn man mal wo rein fassen muss, wo man nicht weiß, was drin ist..." Ob er sich wohl irgendwann auch eine Taucherausrüstung zulegt? Die bräuchte er nämlich, falls er einmal einen der Caches heben wollte, die auf dem Grund von Seen versteckt sind.

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