Von
Thomas Kosarew |
18.08.2010
| Netzcode: 2457626 | 169 Mal gelesen.
Amberg
Bei Engeln und Elfen findet sie Trost
Angelika Goltz verziert Kerzen, Karten und T-Shirts - Hobbys lassen 54-Jährige Zeit und Alltagssorgen vergessen
Amberg. Die Diagnose war ein Schock, und die Konsequenz, die sich daraus ergab, erst recht. Eine bakterielle Entzündung des Rückenmarks setzte die gebürtige Sächsin Angelika Goltz 2001 außer Gefecht. Ihr rechter Arm war komplett gelähmt und die Ärzte verordneten ihr eine medizinische Rehabilitation in Bad Windsheim. Dort entdeckte die heute 54-Jährige während der Kunsttherapie ihre kreative Ader.
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| "Kreativ war ich schon immer", behauptet Angelika Goltz von sich. Das Oberteil, das sie trägt, hat sie selbst entworfen. Doch: "Im Malen bin ich nicht so gut." Das Bild der "Marke Eigenbau" beweist das Gegenteil.
Bild: Huber |
"Ich habe mit Serviettentechnik begonnen, Blumentöpfe verziert, Seidenmalerei gemacht und einige Figuren aus Ton gefertigt", blickt Angelika Goltz zurück, die seit 2008 in der Hans-Thoma-Straße lebt und seit einem Jahr mit einem Amberger verheiratet ist. Dem Arm ging es damals relativ schnell besser und die hergestellten Gegenstände wurden allesamt verschenkt: "Meine Mutti hat noch einen Übertopf." Doch schon bald merkte Angelika Goltz, dass ihr das Basteln und das Werken fehlten.
"Eher durch Zufall"
Sie begann voller Euphorie damit, wieder die unterschiedlichsten Dinge mit Servietten zu verzieren, bis sie "eher durch Zufall" auf viele weitere Möglichkeiten der kreativen Freizeitgestaltung aufmerksam wurde. Im Fernsehen sah sie, wie Frauen Kerzen dekorierten, dreidimensionale Grußkarten fertigten und T-Shirts mit eigenen Motiven verzierten. Die Neugier war geweckt: Angelika Goltz versorgte sich über einen Einkaufssender mit allen erforderlichen Utensilien und merkte: "Es lenkt mich von meinen alltäglichen Sorgen ab." Und: "Je öfter man das macht, desto mehr kommt man auf den Geschmack."
Bis ihr Mann aus der Arbeit nach Hause kommt, nutzt Angelika Goltz fast jede freie Minute, um sich ihren Hobbys zu widmen.
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| Bei Angelika Goltz ist fast schon wieder Weihnachten. Für sie ist es nicht außergewöhnlich, schon jetzt die Grußkarten zu gestalten, die sie im Dezember verschickt. Dafür trennt die 54-Jährige die Einzelteile aus dem Bastelbogen und fügt sie übereinander, bis das Werk fertig ist. |
Sie beklebt Kerzen mit unterschiedlichsten Motiven und achtet bei der Gestaltung auch darauf, dass es sich nicht nur um Schmuckstücke fürs Regal handelt: "Bis auf einige wenige Steinharzfiguren ist alles abbrennbar." Meist sind es Engel, Elfen, Schneemänner und lustige Nikoläuse aus Wachs, die die Hausfrau per Hand anwärmt, um sie dann auf die Kerzen zu kleben. Diese Motive finden sich auch auf den 3D-Karten, die die Neu-Ambergerin gestaltet. Aus Bastelbögen trennt sie die Figuren heraus, die dann auf der Karte aufeinander angebracht werden. Die gebürtige Sächsin betreibt diesen Aufwand nicht, um Geld zu verdienen. Es geht ihr vielmehr darum, "richtig abschalten" und "anderen eine Freude machen" zu können. Verkauft hat Angelika Goltz noch kein Exemplar. Das will sie auch gar nicht: "Ich mag kein Muss dahinter haben." Wenn ihr der Sinn danach ist, verbringt sie einen ganzen Tag in ihrem zum Hobbyraum umfunktionieren Gästezimmer. Es gibt aber auch Phasen, in denen die Glitzersteinchen und Pailletten über Wochen in den Plastikboxen bleiben.
Zeit ist Nebensache
Aktuell hat die 54-Jährige jedoch einen Großauftrag zu erledigen. Ihre Schwester hat vier T-Shirts bestellt. Angelika Goltz erfüllt diesen Freundschaftsdienst gerne. Für "drei bis sieben Euro" kauft sie einfarbige Shirts, legt eine Schablone (zum Beispiel einen Notenschlüssel) darüber und versieht die Textilien mit Farbe: "Man kann das ganz normal waschen und links bügeln. Da passiert gar nichts." Wie lange sie für eines ihrer Werke benötigt? Angelika Goltz schüttelt den Kopf: "Ich schau' da nicht auf die Uhr. Ich vergesse da die Zeit. Man kann wirklich abschalten. Dass ist das, was mich so fasziniert."
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| Engelchen, Schneemänner und viele andere Motive zieren die Kerzen, die Angelika Goltz schmückt. "Die meisten sagen, dass es schade ist, wenn sie abbrennen", sagt die 54-Jährige, die aber kein großes Problem damit hat, das ein oder andere Kunstwerk aus Wachs tatsächlich anzuzünden. Bilder: Huber |