Edelsfeld
"Die Imkerei ist meine Freud'"
Hans Strehl betreut über 60 Bienenvölker und führt einen der größten Vereine des Landes
Edelsfeld. Eigentlich ist er ganz gut zu verstehen - selbst wenn im Hintergrund die Bienen umherfliegen und kräftig summen. Manchmal spricht er vielleicht etwas schnell. Aber er artikuliert deutlich. Trotzdem behauptet Hans Strehl (74): "Ich habe einen Sprachfehler." Wieso? Was für einen denn? "Ich kann nicht Nein sagen." So kam es, dass er heute mehr als 60 Bienenvölker betreut.
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| Hans Strehl in Aktion. Er prüft die Kästen, von denen aus die Königinnen zu ihren Begattungsflügen aufbrechen. |
Nahrung vor der Haustüre
"Es macht mir einfach Freude zu sehen, wie die Königinnen gedeihen und die Schwärme wachsen", sagt Strehl. Es summt und brummt rund um das zehn mal zwölf Meter große, drei Meter breite, L-förmige Gebäude hinter Strehls Wohnhaus in Edelsfeld. Direkt davor Büsche und Bäume - mit vielen Blüten. Nahrung direkt vor der Haustüre. In der Wiese hinter "Strehls Bienenvilla" stapeln sich Kisten in verschiedenen Farben - auf Bänke Marke Eigenbau gestellt.
In jeder Schachtel befinden sich ein bis zwei Bienenköniginnen, die von dort aus zum Begattungsflug starten. Strehl gilt als Spezialist auf dem Gebiet der Königinnen-Zucht. Rund 700 Tiere hat er heuer bereits "produziert". "Genau weiß ich es nicht. Ich muss sie erst zählen." Abnehmer gebe es genügend. Nicht nur aus Strehls "Bayerischer Imkervereinigung", sondern auch aus dem "Landesverband bayerischer Imker" meldeten sich Interessierte.
Imker-Hotline
Das Schnurlostelefon klingelt. Kurze Unterbrechung der Führung durch das Bienenreich. "Strehl? - Ach, Servus." Ein Imkerkollege hat eine Frage. Kurze, prägnante Antwort. Ein Tastenklick, das Telefonat ist beendet. "So geht es bei mir den ganzen Tag", entschuldigt sich Strehl lachend. Eine zweistellige Zahl an Gesprächen erreicht ihn jeden Tag.
Hans Strehl erklärt, warum ein Stein auf jedem Kasten liegt. Nicht nur, damit ihn der Wind nicht davonblasen kann. Strehl platziert den Stein bewusst: Wenn die Königinnen in der Schachtel begattet sind, richtet er den Betonpflasterstein gerade. Ansonsten bleibt er schief liegen. "Sonst weiß ich bei der Masse ja nicht mehr, was begattet und was unbegattet ist."
Bei Strehl hat alles seine Ordnung. Im Garten und in der Bienenvilla. Das muss auch sein, angesichts des Pensums, das der frühere Schwimmmeister absolviert. Unterstützung bekommt er vom Schwiegersohn und der Enkelin. "Jeder hat seinen Aufgabenbereich." Der Schwiegersohn zum Beispiel übernehme das Honigschleudern.
Trotzdem ist Strehl jeden Tag, teils von fünf Uhr morgens bis 22 Uhr, auf Achse. Alles kein Zwang. "Es ist meine Freud'." Und die Freude wiederum entschädige für die Arbeit. Von Mitte Mai bis Mitte Juli liefen die Brutschränke zur Zucht neuer Königinnen auf Hochtouren; im Juli allein habe er 28 Kunstschwärme gemacht; wenn alle noch an Sommer und Urlaub denken, bereitet Strehl seine Bienen schon auf den Winter vor.
"In diesen Wochen läuft die Revision." Er schaut nach, ob alles in Ordnung ist in den Völkern, weil jetzt schon die ersten Winterbienen erzeugt werden. Sie leben länger als die Sommerbienen, was ihnen aber nicht anzusehen sei.
Wenn Strehl von Bienen spricht, dann ist er in seinem Element. Die Zucht und das Engagement im Verein halten ihn fit. "Wennst keine Beschäftigung hast, bist schnell fort." Der stetige Umgang mit jungen Leuten und Kindern hält ihn jung und hilft auch der Sache. "Wenn Du die Kinder viel lobst, dann machen sie weiter!" Sowohl im Schwimmunterricht als auch bei der Imkerei. Das Rezept scheint zu wirken. Seit vergangenem Jahr habe der Imkerverein Edelsfeld 59 neue Mitglieder aufgenommen, davon 39 aktive Imker. Sie bekommen zum Start ein Bienenvolks.
Andrang ungebrochen
Die 36 Völker, die Strehl dafür vorbereitet hatte, reichten nicht. Deshalb bekamen die übrigen Neuen Kunstschwärme, also völlig neue Völker. Rund 60 000 Tiere umfasst ein Volk. Strehl achtet dabei auf Qualität, sowohl was die Honigleistung als auch das Verhalten angeht. Aggressive Völker haben keine Chance. "Wir ziehen nur von Reinzuchtvölkern nach." Strehls Bienen sind friedlich. "Die tun nichts. Die mögen nur nicht, wennst Rasen mähst. Ansonsten kann nichts passieren."
In den mehr als zwei Jahrzehnten als Imker hat sich der Bienenfachwart viel Wissen angeeignet. Seine Kenntnisse gibt er gerne weiter, zum Beispiel bei Schulungen. Hoheitswissen sei ihm zuwider, fundierter Unterricht dafür umso wichtiger. "Wenn's die anderen gleich richtig machen, dann hab' auch ich weniger Arbeit." Und mehr Zeit für Projekte wie das Imkern auf Probe, den Bienenlehrpfad oder die Schulprojekte. Hans Strehl kann eben nicht Nein sagen...
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