Schmidmühlen
Kleinholz macht den Meister
Seltenes Hobby: Peter Bauer ist Sportholzfäller
Schmidmühlen. Wenn Peter Bauer Holz hackt, verrenken sich Autofahrer, die an seinem Grundstück vorbeikommen, schon mal den Hals. Kein Wunder. Der 30-Jährige steht auf einem schmalen Brett, das in gut zwei Metern Höhe waagrecht in einem Baumstamm steckt, während er seine Axt schwingt: Er macht kein Brennholz, sondern trainiert für Wettkämpfe.
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| Mit den sogenannten "Springboards", Trittbrettern, die in eigens in den Baum gesägte "Pockets" (Taschen") gesteckt werden, erreichten die Holzfäller höher gelegene Stammabschnitte. Bild: Huber |
Der Motorsägenhersteller Stihl hat diesen Sport professionalisiert und daraus die "Stihl Timbersports Series" gemacht: Ein Wettbewerb, bei dem sich Profis in sechs Disziplinen in Technik und Geschwindigkeit messen, national und international. "Alles wahnsinnig anstrengend", sagt Bauer, während er die einzelnen Disziplinen erklärt. Er wischt sich den Schweiß von der Stirn: Für den AZ-Fotografen hat er mal schnell hinterm Haus ein Hackstock-großes Stammstück zu Kleinholz geschlagen. "Kraft ist von Vorteil", beschreibt Bauer eine wichtige Voraussetzung für diesen Sport. "Und man braucht Kondition." Die bekommt man am besten durch zusätzliches Training: Laufen, Radfahren. Bauer gibt zu, dass er in diesem Punkt Nachholbedarf hat. Er und seine Lebensgefährtin haben gerade gebaut, dann ist da natürlich noch seine Arbeit - da bleibt nicht viel Zeit fürs Hobby. "Zweimal die Woche ein bis zwei Stunden, mehr ist nicht drin", überschlägt der 30-Jährige sein derzeitiges Trainingspensum, ist aber fest entschlossen, "im Winter werde ich mir mehr Zeit dafür nehmen." Schließlich hat er sich ein ehrgeiziges Ziel gesteckt: Er will es unter die besten Zehn in Deutschland schaffen. Und zwar schon im nächsten Jahr.
Direkt zum ersten Titel
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| "Kettenhemd" fürs Schienbein: Hier ist kein Ritter am Werk, sondern ein Sportholzfäller. |
Kein ganz unrealistischer Wunsch. "Ich war ja schon 14.", verweist er auf seine Platzierung beim Vorentscheid zur deutschen Meisterschaft im Juli in Nordrhein-Westfalen. Für ihn ein guter Ausgangspunkt, zumal er erst seit einem Jahr Sportholzfäller ist. Dass es jemand in so kurzer Zeit vom "Rookie" (Anfänger, die nur vier Disziplinen ausüben dürfen), bis zur Freigabe aller sechs Disziplinen und dabei gleich so weit nach vorne schafft, kommt eher selten vor.
Sein Chef hat ihn auf die "Timbersports" gebracht. Peter Bauer ist Zimmerer und arbeitet für Wolfgang Kraus aus Regenstauf, der bei der "Deutschen" im August den zweiten Platz errungen hat. "Probier's amal": Diese Worten seines Chefs und Wettkampfberichte im Fernsehen weckten Bauers Interesse. Die nötigen Grundkenntnisse hat der 30-Jährige in Stockheim in der Rhön erlernt - im einzigen Stützpunkt der "Stihl Timbersports" in Deutschland. Ergebnis: Der Schmidmühlener hat 2009 die deutsche Nachwuchsmeisterschaft gewonnen.
Bevor Bauer eine weitere Kostprobe seines Könnens gibt, schärft er seine Axt. Dieses hoch glänzende Sportgerät hat mit den Beilen, mit denen seine Nachbarn Brennholz machen, wenig zu tun. Noch deutlicher wird der Unterschied bei den Sägen. Rund 1800 Euro kostet die "Single Buck" (Zugsäge), die in der Regel aus Neuseeland kommt. Lieferzeit ein gutes Jahr. Wird sie stumpf, muss sie zum Schärfen zurück nach Neuseeland geschickt werden: Da müssen Profis ran. "Darauf wartet man dann drei, vier Monate."
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| Keine normale Axt, sondern ein Hochleistungs-Sportgerät. |
"Formel 1 der Motorsägen"
Deshalb haben die meisten Sportler mehrere Äxte und Sägen - zum Trainieren und für den Wettkampf. Ein Traum bleibt für den Häuslebauer momentan die "Hot Saw", eine getunte, bis zu 80 PS starke Säge. "Die Formel 1 der Motorsägen", schwärmt Bauer. Eine Spezialanfertigung, die nur Sportler bekommen, die auch die Freigabe dafür haben. Kostenpunkt: 8000 Euro.
Bis er einmal solch ein Prachtstück sein Eigen nennt, muss Bauer mit kleineren Modellen üben. Kein ganz billiges Hobby. Für die, die gut sind, trotzdem erschwinglich: "Was du investierst, kriegst du als Preisgeld zurück. Aber reich wird man dabei nicht." Davon leben können nur die internationalen Topsportler. "Ich mach' das als Hobby", winkt Bauer ab, ohne nach der Weltspitze zu schielen: "Wenn ich mehr wollte, hätte ich früher anfangen müssen." So wie die Neuseeländer, die schon mit sieben Jahren zu Axt und Säge greifen: "Bei denen ist das ein Sport wie bei uns Fußball."
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