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Von Andreas Ascherl  |  16.08.2010  | Netzcode: 2453356  |  623 Mal gelesen.
Amberg

Der große Traum vom Fliegen

Norman Bernschneider baut Gleiter nach den original Plänen von Otto Lilienthal

Amberg. Norman Bernschneider lebt einen Traum. Den ewigen Traum der Menschheit vom Fliegen. Um sich diesen Traum zu erfüllen, setzt er sich aber nicht einfach in ein Flugzeug. Er baut in seinem Einfamilienhaus in Ammersricht Gleiter nach den original Plänen von Otto Lilienthal, der sich als erster Mensch vor 119 Jahren in die Luft erhoben und damit die Ära des Fliegens eingeläutet hat.

Die nächste Flugmaschine ist bereits angefangen.
Die nächste Flugmaschine ist bereits angefangen. Diesmal wird es ein Doppeldecker. Auch er soll voll flugfähig sein.
"Mit acht oder neun Jahren habe ich schon Gummimodelle gebaut. Damit hat für mich der Traum vom Fliegen angefangen", erzählt Norman Bernschneider.
Losgelassen hat ihn diese Leidenschaft nicht mehr, irgendwann kam er auf die Gleiter des Flugpioniers Otto Lilienthal. Baute zunächst nicht flugfähige Modelle. Um schließlich die große Herausforderung anzugehen:
Er will mit einem original Lilienthal-Gleiter genauso abheben, wie das einst sein großes Vorbild tat.

Weltweit der Fitteste



"Mittlerweile bin ich weltweit der Fitteste", sagt Bernschneider nicht ohne stolz.
Sogar der Windmesser, den Norman Bernschneider
Sogar der Windmesser, den Norman Bernschneider benutzt, ist ein Original. Er hat das Gerät, Baujahr 1895, im Internet ersteigert und schwärmt von seiner Präzision.
Niemand sonst baut die Flugmaschinen so präzise und mit den richtigen Materialien nach. Vier dieser Apparate hat er bereits fertig, der fünfte ist im Keller seines Hauses bereits wieder in Vorbereitung. "Ich bin der erste überhaupt, der die Gleiter richtig baut", so sagt er. Dafür hat er die Pläne Lilienthals studiert, hat falsche Maßangaben korrigiert und immer wieder die Experten verblüfft. "Im Deutschen Museum war zum Beispiel ein Lilienthal-Doppeldecker falsch zusammengebaut", machte er dem Fachpublikum deutlich.
Seither gilt Bernschneider als der Lilienthal-Kenner schlechthin. Wer immer etwas über den Bau der Gleiter wissen will, nimmt früher oder später Kontakt mit ihm auf. "Im Lilienthal-Centrum Stölln bin ich sogar der einzige Ausstatter mit Original-Stücken", so erzählt er. Demnächst bekommt er aus dem Deutschen Museum in München ein echtes Stück Stoff aus der Bespannung eines Gleiters, den Lilienthal selbst geflogen hat. Die Popularität bringt dem unermüdlichen Bastler jede Menge an Arbeit ein: "Drei Stück muss ich noch bauen", so sagt er. Und gesteht: "Ich habe noch nicht einmal einen eigenen Gleiter." Der letzte, der seine kleine Werkstatt verließ, ging an seinen Freund Bernhard Przybilla, mit dem er gemeinsam Flugversuche auf einer Wiese oberhalb von Aschach unternimmt.
Um die Weidenäste für das Gerüst in die richtige
Um die Weidenäste für das Gerüst in die richtige Form zu bringen, hat Bernschneider eigens einen Spannrahmen entwickelt. So ähnlich dürfte es auch in Lilienthals Werkstatt ausgesehen haben.

Allerdings ist der Hang wohl zu flach, hier geht es vor allem darum, erst einmal ein Gefühl für den Apparat zu entwickeln, der sich doch als ziemlich unhandlich erweist. Irgendwann wollen es die beiden schaffen, wollen wie einst Otto Lilienthal bis zu 250 Meter weit durch die Lüfte gleiten. "Das ist ein völlig naturnaher Flug", so schwärmt Norman Bernschneider. "Der durch die Erfindung des Motors inzwischen verschwunden ist."
Lilienthal-Gleiter, so betont der Tüftler, waren von Anfang an Sportgeräte, waren ein Teil der Turnbewegung seiner Zeit. Lilienthal sei es nicht darum gegangen, möglichst weite Strecken zurückzulegen. Und er dachte niemals daran, seine Apparate mit Waffen zu versehen. "Für ihn waren das im Gegenteil Friedensstifter. Denn mit einem Flugzeug kann man die Grenzen von Ländern nicht mehr absperren."

Traum vom Kinofilm



Norman Bernschneider hat noch einen Traum. Er träumt von einem Kinofilm über Otto Lilienthal, einen echten Blockbuster. "Und ich liefere die Flugzeuge dafür." Bis dahin ist noch ein weiter Weg. Norman Bernschneider wird in seiner Werkstatt weiterhin Weidenäste einspannen, wird sie mit Baumwollstoff beziehen und verdrahten. So wie es einst sein Idol Otto Lilienthal getan hat. Und wie er wird er eines Tages fliegen.
Norman Bernschneider mit seinem Gleiter Nummer 4,
Norman Bernschneider mit seinem Gleiter Nummer 4, den er für Bernhard Przybilla gebaut hat. Die beiden wollen sich mit dem Flugapparat in die Lüfte erheben. Bilder: Steinbacher


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