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Von Thomas Kosarew  |  14.08.2010  | Netzcode: 2451550  |  168 Mal gelesen.
Amberg

Chicagos Bürgermeister gratuliert Hindenburg

Hans Dietmayr sammelt amerikanische Briefe - Keine Antwort aus Vietnam

Amberg. Die ersten Amerikaner kamen am 22. April 1945 in Panzern nach Amberg. Die letzten Streitkräfte verließen 2003 mit ihren Familien das Stadtgebiet. Dazwischen liegen 58 Jahre der US-Präsenz, die mit jeder Woche ein Stück mehr in Vergessenheit gerät. Diesen Teil der Geschichte möchte Hans Dietmayr (62) aus Haselmühl für die Nachwelt erhalten. Er sammelt Briefe von Soldaten, die von Amberg aus in die Heimat geschrieben haben.

Brief4
In seinem Haus in Haslmühl hat Hans Dietmayr alles akribisch geordnet. Bilder: Huber
Noch stehen einige Häuser an der Steubenstraße, doch im Herbst soll sie abgerissen sein, die Housing Area. In ihr wohnten die in der Möhlkaserne stationierten Streitkräfte. Wenn das letzte Gebäude verschwunden ist, wird auf den ersten Blick nichts mehr daran erinnern, dass die Amerikaner fast sechs Jahrzehnte lang das Stadtbild prägten. Eher durch Zufall kam Dietmayr, Vorsitzender des Amberger Briefmarkensammlervereins, auf die Idee, die im Stadtgebiet geschriebenen Briefe zu sammeln und akribisch zu archivieren.

Am 12. April 1932



Dietmayr bezeichnet sich selbst als Philatelist, denn er hält nicht nur seit Jahrzehnten nach Briefmarken Ausschau, sondern auch nach allem Drumherum. Dazu gehören Stempel, Belege, Ganzsachen und auch besondere Briefe, bei denen sich die spannende Frage stellt: "Wer hat sie geschrieben und zu welcher Zeit?" Als vor 20 Jahren in einem amerikanischen Auktionskatalog von Schreiben die Rede war, die in Amberg abgeschickt wurden, schlug der Haselmühler schnell zu. Er sicherte sich die Sammlung, zu der auch ein ganz besonderes Stück gehört, das jedoch keinen Amberg-Bezug hat - der Beleg eines Einschreibens, das der damalige Bürgermeister von Chicago, Anton Joseph Cermak, am 12. April 1932 an den Reichspräsidenten Paul von Hindenburg adressierte.
Dieser Brief ist eine echte Rarität: Ein gewisser
Dieser Brief ist eine echte Rarität: Ein gewisser John B. Warren schrieb am 13. Mai 1945 von Amberg aus einer Mrs. Kegley. Der pikante Inhalt: Eine Übersicht der Landung alliierter Truppen in der Normandie. Was den Brief so wertvoll macht: Warren war laut Hand Dietmayr mit seiner Einheit nur sechs Tage lang im Stadtgebiet stationiert.

"Geschichte pur"



Der Inhalt der Nachricht ist Hans Dietmayr nicht bekannt, doch es gibt eine Vermutung. Da Hindenburg am 10. April 1932 in seinem Amt bestätigt wurde, könnte es sich um einen schriftlichen Glückwunsch gehandelt haben. "Geschichte pur", schwärmt der Haselmühler von der Errungenschaft, deren materieller Wert eher zweitrangig ist. "Es geht um den ideellen Wert", sagt der 62-Jährige, der anhand des Stempels nachvollziehen kann, wie lange der Brief des Chicagoer Stadtoberhaupts 1932 unterwegs war - stattliche zwei Wochen. "Heute wäre das Einschreiben eher nur drei Tage unterwegs", weiß der Sammler aus Haselmühl.

Eine Odyssee hat auch ein Brief hinter sich, den ein gewisser Lieutenant Colonel Bernard P. Donnelly junior am 15. April 1947 von Amberg aus in die Staaten geschickt hat. Der Soldat war als Teil der 71. Infanterie Division in Amberg stationiert und bewarb sich offensichtlich bei der Yale Universität um einen Studienplatz. Als Absender ist der Name des Soldaten zu lesen und darunter steht: Amberg Military Community. Zwei Jahre nach dem Krieg hatte es die Stadt geschafft, auf dem Kuvert erwähnt werden zu dürfen. Zuvor gingen die Briefe, die streng zensiert wurden, aus Sicherheitsgründen zentral an Post Offices in New York und wurden von dort aus mit dem Absender "N.Y." weitergeleitet. "Insgesamt gab es in Amberg nach dem Krieg sieben Armeepostämter der Amerikaner", erzählt Dietmayr, der die Frage beantwortet, warum nicht eines gereicht hätte. "Jede Einheit hatte ihr eigenes Postamt, das sie begleitet hat." Mit anderen Worten: Nach dem Krieg muss es sieben verschiedene amerikanische Truppenteile im Stadtgebiet gegeben haben. Zogen die Soldaten weiter - zum Beispiel nach Cherbourg in Frankreich, verließ mit ihnen auch das Postamt Amberg.
Der obere Brief verließ am 16. Mai 1945 Amberg
Der obere Brief verließ am 16. Mai 1945 Amberg mit dem Ziel San Francisco. Das untere Exemplar ist eine Kuriosität: Sanitätsoffizierin Elizabeth Hay hatte als Befehlshaberin ihrer Einheit die Aufgabe, ihre eigene Post zu zensieren und freizugeben.

Diese Details in Erfahrung zu bringen, macht den Reiz für Hans Dietmayr aus. Im zarten Alter von sechs Jahren begann er mit dem Briefmarkensammeln und war als Erstklässler "ganz stolz", Motive aus 120 verschiedenen Ländern präsentieren zu können. "Heute sammelt man natürlich anders", sagt der 62-Jährige, der sich vor vielen Jahren auch der Amberger Postgeschichte verschrieben hat. Erste Belege stammen aus dem Jahr 1630. Doch es ist ein Brief vom 12. Mai 1970, der es Hans Dietmayr besonders angetan hat.

In Vietnam vermisst



In Vietnam tobte der Krieg und es gab mindestens einen "Amberger Amerikaner", der an die Front musste. Der Name des Mannes ist Hans Dietmayr bekannt, doch mit Rücksicht auf dessen noch heute im Stadtgebiet lebende Familie behandelt der Sammler das Schriftstück anonym. Ein Nachfahre eines polnischen Auswanderers diente im Kampf gegen die Vietcong und sollte einen Brief von seiner Frau aus Amberg erhalten. Abgeschickt wurde das Schriftstück am 12. Juni 1970 in Gailoh. Doch wenige Wochen später kam das Kuvert mit dem Vermerk "Returned to sender" (Zurück an den Absender) wieder nach Amberg. Der Soldat war in keinem der vietnamesischen Feldpostämter bekannt und galt demnach als vermisst.

Hans Dietmayr weiß aber, dass die Geschichte des Amberger Amerikaners ein Happy End hatte. Der Haselmühler nahm nach dem Kauf des Kuverts Kontakt zur Familie des Soldaten auf und erfuhr, dass der Vietnam-Veteran nach vier Wochen wohlbehalten wieder auftauchte.

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