Von Alexander Pausch |
13.08.2010
| Netzcode: 2450523 | 85 Mal gelesen.
Waldsassen
In tiefer Sorge um Europa
Gespräch mit dem libanesischen Erzbischof Melki - Älteste Kirche im Nahen Osten
Erzbischof Flavien Joseph Melki gehört zu einer der ältesten Kirchen im Nahen Osten, und doch ist seine Glaubensgemeinschaft inzwischen eine der kleinsten. Gerade mal 150 000 Gläubige gibt es noch in der syrisch-antiochenisch-katholischen Kirche, die ihre Geschichte auf die Gründung des Patriarchats von Antiochia durch den Apostel Petrus drei Jahrzehnte nach dem Tod Christi zurückführt. Aber sie ist damit nicht allein, noch weitere Kirchen im Vorderen Orient führen ihre Gründung auf den Apostel Petrus zurück.
Heute residiert der Patriarch der mit Rom unierten syrisch-antiochenisch-katholischen Kirche in der libanesischen Hauptstadt Beirut. Neben dem Zedernstaat leben die etwa 100 000 im Nahen Osten verbliebenen Mitglieder der Kirche zum größten Teil in Syrien und dem Irak. Einige wenige Gläubige gibt es in der Türkei und in Ägypten. Darüber hinaus gibt es syrisch-katholische Gemeinden in Kanada, den Vereinigten Staaten von Amerika und in Europa.
Der derzeitige Patriarch Mar Ignatius Joseph III. Younan ist ein früherer Schüler aus der Zeit, als er noch das Priesterseminar geleitet habe, erzählt der 78-jährige Erzbischof Melki im Gespräch in Waldsassen (Kreis Tirschenreuth). Und er ist der vierte Patriarch, dem er als Generalvikar dient. Zu ihnen gehörte auch Ignace Moussa I. Daoud, der inzwischen seit fünf Jahren als Kurienkardinal an der Spitze der Ostkirchen-Kongregation des Vatikans steht.
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Waldsassen
In tiefer Sorge um Europa
Gespräch mit dem libanesischen Erzbischof Melki - Älteste Kirche im Nahen Osten
"Haus der Hoffnung"
Erzbischof Melki ist für einige Tage in die Oberpfalz gekommen, um mit Katholiken in Weiden, Waldsassen und Waldthurn (Kreis Neustadt/WN) Gottesdienste zu feiern, über die Lage der Christen im Nahen Osten zu sprechen und um Unterstützung für soziale Projekte seiner Kirche zu bitten. Dazu zählt ein von ihm gegründetes Waisenhaus im Ort Harissa 25 Kilometer nördlich von Beirut. Das "Haus der Hoffnung", in dem 30 Kinder, darunter acht Moslems leben, liegt nur zehn Minuten von der berühmten Marienstatue (Notre-Dame du Liban) oberhalb der Stadt Jounieh entfernt, erzählt der Erzbischof. An der Statue, ein Pilgerort, hatte auch Papst Johannes Paul II. bei seinem Besuch im Jahr 1997 gebetet.
Das Waisenhaus ist nicht das einzige soziale Projekt, für das der geistliche Würdenträger um Unterstützung bittet. Im Altenheim Sankt Josef finden 25 Menschen ein Zuhause. Ein auf den ersten Blick ungewöhnliches Projekt in einer Gesellschaft, in der bisher die Großfamilie für die Älteren sorgt. Das bestätigt auch der Erzbischof: "Früher galt es als Schande für die Familie, Ältere ins Altenheim zu geben." Allerdings gebe es mittlerweile viele ältere Menschen im Libanon, die allein leben, weil ihre Kinder während des Bürgerkrieges ausgewandert seien. Um diese Alten würde sich sonst "niemand kümmern".
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Waldsassen
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Gespräch mit dem libanesischen Erzbischof Melki - Älteste Kirche im Nahen Osten
Die Zukunft der Christen im Nahen Osten beschreibt Erzbischof Melki als "düster". Viele würden nach Nordamerika oder Europa auswandern, weil sie sich dort ein besseres Leben erhoffen. Und wer ins Ausland gehe, der kehre nie mehr zurück, beklagt er. Zudem sei die Zahl der Kinder in christlichen Familien deutlich geringer als in moslemischen.
Einen theologischen Dialog zwischen den Religionen gebe es nicht: "Es gibt keinen Dialog", betont er und fügt hinzu: "Ein Dialog ist ausgeschlossen." Gleichwohl gebe es einen meist respektvollen Umgang im Alltag. Christliche und moslemische Würdenträger würden sich bei den religiösen Hochfesten gegenseitig besuchen und beglückwünschen. Das gelte auch für traurige Anlässe wie Beerdigungen. Zudem gelte für die christliche Seite, dass Schulen, Kindergärten, Universitäten, Krankenhäuser und andere soziale Einrichtungen auch Muslimen offenstehen.
Aber der Islam gewinne in der Gesellschaft immer mehr an Einfluss und Macht, beklagt Erzbischof Melki. Vor allem dank der millionenschweren Unterstützung aus den arabischen Ländern. Das sichtbarste Zeichen sei der Moscheebau durch die Ölstaaten. Völlig unverständlich ist ihm, warum sowohl die europäische Staaten als auch die USA keine Kirchen im Nahen Osten bauen. Ein Unverständnis, das viele Christen aus dem Nahen Osten teilen. Allein mit privaten Spenden könne das Ungleichgewicht gegenüber dem Islam nicht aufgewogen werden.
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In tiefer Sorge um Europa
Gespräch mit dem libanesischen Erzbischof Melki - Älteste Kirche im Nahen Osten
Die Lage in seiner Heimat beschreibt der Erzbischof als angespannt: "Wir haben keinen Krieg, aber das, was wir haben, kann man auch nicht Frieden nennen." Dafür macht er die schiitische Miliz Hisbollah verantwortlich, von der niemand wisse, wann sie den nächsten Krieg mit Israel vom Zaun breche.
Sechswöchige Reise
Erzbischof Melki reist begleitet von Prälat Edmund Dillinger, der in der Procura des syrisch-antiochenisch-katholischen Patriarchats in Rom wohnt, Bruder Helmut Dieken aus der Erzdiözese Köln sowie dem Theologiestudenten Sebastian Eisend aus Fockenfeld (Kreis Tirschenreuth) seit sechs Wochen durch Europa. Neben Deutschland besuchte er unter anderem Liechtenstein, Österreich, die Schweiz und die Tschechische Republik.
Das, was der Würdenträger aus dem Libanon in Europa beobachtet, erfüllt ihn mit tiefer Sorge. Der 78-Jährige warnt eindringlich vor der moslemischen Einwanderung und mahnt die Europäer zu einer neuen Familienpolitik, die junge Menschen ermuntere, mehr Kinder zu haben. Ohne Kinder, so seine Überzeugung, sterbe die christliche Kultur und die Muslime gewännen dank ihrer höheren Geburtenrate die Mehrheit.
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