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11.08.2010  | Netzcode: 2446816  |  1010 Mal gelesen.
Amberg/Ensdorf

Mit dem Hobby durch die Wand

Das Leben im H0-Format: Modelleisenbahnfan Peter Rezek reizt die Landschaftsnachbildung

Amberg/Ensdorf. "Mit Strom hab' ich's nicht so", bekennt Peter Rezek. "Man hört und sieht ihn nicht - und patsch, haut's einen drauf." Doch ganz ohne Strom kommt der Amberger bei seinem Hobby nicht aus - er ist Modelleisenbahnfan. Natürlich "muss sich was bewegen auf der Anlage", sagt Rezek. Aber für ihn liegt der besondere Reiz in der Landschaftsgestaltung.

"Mein Traum ist ein riesiges Bahnbetriebswerk",
"Mein Traum ist ein riesiges Bahnbetriebswerk", verrät (Modell-)Eisenbahnfan Peter Rezek. Bilder: Petra Hartl
Rezeks Leidenschaft begann als "Teppichbahnerer" - mit einem Zug und ein paar Schienen, zu Hause auf dem Boden aufgebaut. Fünf Jahre alt war er, als er sie von seinen Eltern geschenkt bekam: die Erfüllung eines Herzenswunsches. Die Familie wohnte damals in der Nähe des Egerer Bahnhofs.

So wurde Rezek "vom Eisenbahn-Virus infiziert" und entwickelte ein Faible für Dampfloks: "Meine größte Freude war es, mich im Rauch der Loks zu verstecken" - zum Leidwesen seiner Mutter, wenn ihr Sprössling wieder mal rußverdreckt heimkam und dabei oft selbst stank wie eine Dampflok.Mit sieben Jahren zog Rezek mit seinen Eltern zu den Großeltern nach Amberg. Als mit 14 Jahren das Mofa und andere Themen interessant wurden, ließ die Bahn-Begeisterung nach. Um später, nach seiner Hochzeit und der Geburt seiner Kinder, umso heftiger zurückzukehren.
Naturgetreu ist Trumpf, aber die Landschaften
Naturgetreu ist Trumpf, aber die Landschaften werden nicht 1:1 nachgebildet. Deshalb kann auf der MEC-Anlage der ICE direkt beim TC Rieden vorbeirauschen, wo gerade ein Doppel-Tennismatch ausgetragen wird.


Der Dachboden reicht nicht



1993 bastelte Rezek an seiner ersten richtigen Modellbahnanlage, Märklin, H0, sechs Quadratmeter groß. Über einen Kollegen kam er damals zum Modelleisenbahnclub Unteres Vilstal Rieden - dem Verein, dem er inzwischen vorsteht. Natürlich reichte der Platz auf Rezeks Dachboden nicht. Ein Wanddurchbruch zum nächsten Raum musste her. Doch Rezek hatte seine Rechnung ohne seine Frau gemacht: "Das war ihr Raum." Und so war das Loch schnell wieder geschlossen.

Die Umstellung der Heizung von Öl auf Gas brachte den ersehnten Platz - Rezek konnte sich im Tankraum austoben.
Lebensecht bis ins kleinste Detail: Die Jungs,
Lebensecht bis ins kleinste Detail: Die Jungs, die hier in den (beleuchteten!) Kanal steigen, passen locker auf ein Fünf-Cent-Stück.

Fünf Jahre baute er dort an einer neun Quadratmeter großen H0-Digitalanlage - und begeisterte damit auch seinen Sohn. Ehefrau Susanne mischt ebenfalls mit: "Damit wir mal wieder aus dem Keller auftauchen" schenkte sie den "Männern" eine Gartenbahnanlage, bei der sie die Landschaftsgestaltung übernimmt. Für Rezek eine reizvolle Ergänzung zur Keller-Anlage. Aber kein Ersatz.

Selbst ein dreijähriger beruflicher Ausflug des Siemensianers nach Mexiko konnte ihn nicht bremsen. "Natürlich habe ich dort auch alle Eisenbahnmuseen und Bahnlinien erkundet - soweit dies möglich war": Eindrücke, die durchaus in sein nächstes Projekt einfließen könnten. Ende des Jahres will er's anpacken - eine ganz neue Anlage, nachdem durch eine moderne Heizung zusätzlicher Platz frei geworden ist. Zuvor aber musste die alte Anlage weichen. Ein Totalabbruch. "Mich hätt's fast zerrissen", gesteht der 48-Jährige. Der Schmerz ist der Vorfreude auf den Neubau gewichen. Der wird noch größer, die Herausforderung bleibt: Rezek reizt die naturgetreue Nachbildung von Landschaft, Bauwerken und Szenen aus dem Leben.

Erstaunliche Beispiele dafür finden sich auf der vereinseigenen
So ist das Leben: Auf dem Modellbahnfriedhof
So ist das Leben: Auf dem Modellbahnfriedhof findet eine Beerdigung statt und die kleinen Grablichter flackern.
Oberpfalz-Modul-Anlage. Etwa 70 Prozent davon haben die Mitglieder auf dem Dachboden des Ensdorfer Klosters aufgebaut und in Betrieb. 13 der Module hat Rezek gestaltet. Genau hinsehen lohnt sich: Neben einer Wanderhütte brennt ein Mini-Lagerfeuer, in einer Stadt wird auf einer Kirwa der Baum ausgetanzt - und auf einem Friedhof, auf dem winzige Grablichter flackern, findet eine Beerdigung statt. Freud und Leid, ganz nah beieinander. Wie im richtigen Leben. Und dann sind da noch winzige Bergsteiger, die eine Felswand erklimmen - ein Lieblingsthema von Peter Rezek: Gerade Fels möglichst echt hinzubekommen, verlange viel Geschick, Erfahrung, die richtige Technik und das geeignete Material.

Bemooste Kunstberge



"Eine Frage von Versuch und Irrtum", weiß er aus eigener Erfahrung - die ihn lehrte, dass eine "Gesteinsmischung" aus Gips und Fertigputz nicht funktioniert, weil beides
Achtung, genau hinschauen, in der Stadt im
Achtung, genau hinschauen, in der Stadt im H0-Format tobt das ganz normale Leben, nur eben im Kleinen.
unterschiedlich schnell trocknet und so den gespachtelten Felsen sprengt. Inzwischen ist dies kein Problem mehr für den Bastler, der seine Berge sogar täuschend echt bemoost und verwittern lässt. Er wird reichlich Gelegenheit haben, dies weiter zu perfektionieren: Eine Gebirgslandschaft soll auf seiner neuen Anlage entstehen. "Hört sich verrückt an", sagt Rezek über sein Hobby: "Aber ich bin auch ein bissl verrückt." Sein Blick schweift über die Vereinsanlage, wo es gerade Nacht geworden ist und unzählige Lichter ein ganz neues, beeindruckendes Bild ergeben. "Das ist mein Leben", sagt Rezek. In diesem Moment versteht selbst der Nicht-Modellbahnerer, was er damit meint.


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