Amberg
"Papa hat auch so angefangen, wie er acht war"
Der Zweitklässler Niklas Bauer hat ein Buch über Vögel geschrieben - Auch die Fotos dazu sind alle selbst geknipst
Amberg. Wie merkt ein Achtjähriger, dass das Buch, an dem er gerade schreibt, fertig ist? "Mein Gefühl hat mir gesagt, das reicht jetzt", antwortet Niklas Bauer auf diese Frage, die vielleicht nur ein Erwachsener so blöd stellen kann. "Eingefallen wär mir schon noch was", sagt Niklas so selbstbewusst, dass gar kein Zweifel aufkommt, aber nachdem er ursprünglich nur 50 Seiten schreiben wollte, hat er es dann halt mit 60 gut sein lassen.
Lieber einen Adler
Aber mit den Vögeln ist es doch noch etwas anderes. "In Kümmersbuch habe ich eine Dohle auf dem Arm gehabt und einen Ara auf der Schulter", sprudelt es nur so Niklas heraus, als er vom Besuch in der Tierauffangstation von Hans Weiß in Kümmersbuch erzählt.
"Ein Falke oder ein Adler wäre ihm lieber", vermutet der Papa deshalb beim Blick auf die vier Wellensittiche von Niklas. Aber einstweilen kommt der junge Mann auch mit Pipsi, Charlie, Mimi und Filou aus. Charlie ist sogar so zahm, dass er bedenkenlos aus dem Käfig raus kann, um mit Niklas für die Kamera zu posieren.
Auf die Idee, ein Buch zu schreiben, haben Niklas aber wohl weniger die Tiere gebracht als das Vorbild seines Vaters. Der hat zwei Werke veröffentlicht, eines über Hypnoseanwendung und eines über Selbst-Coaching. "Da habe ich gedacht, das könnte ich auch mal versuchen", schildert Niklas die Entstehungsgeschichte von "Vögel und Papageien". "Der Papa hat auch so angefangen, wie er acht war, er hat kleine Krimis geschrieben." Bei Niklas waren es Geschichten vom Hasen Felix, die er seiner Mama Sabine diktiert hat, als er noch nicht schreiben konnte. Bloß dass Fantasie alleine beim Schreiben eines Sachbuches über Vögel ja nicht weiterhilft.
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Woher hat also Niklas seine Weisheiten genommen? Aus dem Fernsehen, sagt er, aus den Zeitungsausschnitten, die ihm seine Oma über Vögel gegeben hat, und ganz viel hat er einfach durch Lesen rausgefunden. Das musste dann aber natürlich auch in der Praxis bestätigt werden. Zum Beispiel, dass eine Amsel in der Stadt ganz anders pfeift als auf dem Land. Da kann es dann bei der Radtour mit der Familie schon mal sein, dass alle anhalten müssen, weil Niklas einen Specht ausgemacht hat und nun genauer hinhören will.
Niklas hat am Computer alles an dem Buch selbst geschrieben, dann hat er die Seiten erst einmal zusammengetackert. Seine Eltern mussten dann lediglich noch ein paar Fehler rausmachen, bevor sie das Werk bei "Books on demand" verlegen ließen.
Nicht ernst genommen
Den Preis des Buches durfte Niklas selbst bestimmen. Inzwischen ist er damit auf 7,90 Euro runtergegangen, nachdem er sich zuerst gedacht hatte, als Schriftsteller könnte man doch mehr Honorar pro verkauftem Werk einstreichen.
In der Albert-Schweitzer-Schule haben sie nicht schlecht gestaunt, als der Zweitklässler mit seinem Buch in der Hand aufgetaucht ist, nicht zuletzt die Kunstlehrerin: "Ich hab' ihr ja die ganze Zeit gesagt, dass ich eins schreibe, aber sie hat das nicht ernst genommen", erzählt Niklas. Bei seinem zweiten Buch - es soll speziell Wellensittiche zum Thema haben - wird das schon anders sein.
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