Von Werner Walter |
30.07.2010
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Neustadt am Kulm
Als Neustadt zur Festspielstadt wurde
Uraufführung der "Hochzeit am Rauhen Kulm" jährt sich am Samstag zum 100. Mal - Lange Unterbrechung nach Weltkrieg
Neustadt am Kulm. Am morgigen Samstag sind es genau 100 Jahre, dass auch Neustadt am Kulm seine Festspiele hatte. "Die Hochzeit am Rauhen Kulm" war der Titel des Bergfestspieles, dessen Uraufführung am 31. Juli 1910 stattfand. 1995, bei der 625-Jahr-Feier der Stadt, versetzten 60 Laiendarsteller bei einer Wiederaufführung das Publikum erneut ins Jahr 1648 zurück.
Während die Wiederaufführung auf der Freilichtbühne bei der Ausflugsgaststätte Pecher stattfand, befand sich die Naturbühne 1910 am Fuße des Basaltkegels. 1000 einfache Sitzplätze waren damals vorgesehen, außerdem etwa 800 Stehplätze. Unser Chronist weiß zu berichten, dass die Initiatoren lange davor die Erlaubnis der Königlichen Regierung der Oberpfalz einholen mussten, denn die Naturbühne befand sich im Staatswald. Sieben Mal wurde das Festspiel aufgeführt. Das Programm sah zunächst nur fünf Aufführungen vor. Wegen reger Nachfrage gab es an zwei Sonntagen zusätzliche Termine.
Dabei hatten sich die Neustädter Festspielleute gut vorbereitet. "Nach der Aufführung ziehen die Mitwirkenden in die Stadt, wo auf dem Marktplatz eine Festhalle aufgebaut ist, in der Speisen aller Art verabreicht werden und Münchner Bier gezapft wird. Da Neustadt verschiedene gute Gasthöfe und Wirtschaften hat, die namentlich den Vorzug der Billigkeit aufweisen, so läuft niemand Gefahr, dort Hunger und Durst zu leiden", schreibt der Oberpfälzer Kurier am 28. Juli 1910 in einem Vorprogramm zum Festspiel. Und an dieser Stelle wirbt die Zeitung weiter; gleich klingend den Erwartungen der Neustädter selber: ". . . in den nächsten Tagen wird sich ein noch viel größerer Fremdenstrom namentlich von der Bahnstation Kemnath-Neustadt hier in das Städtchen ergießen. Von der Bahn führt nicht nur eine gute Fahrstraße in einer halben Stunde nach Neustadt, sondern auch ein Fußweg durch den Hochwald zur Naturbühne am Rauhen Kulm."
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Neustadt am Kulm
Als Neustadt zur Festspielstadt wurde
Uraufführung der "Hochzeit am Rauhen Kulm" jährt sich am Samstag zum 100. Mal - Lange Unterbrechung nach Weltkrieg
Im herrlichen Hochwald
Im Amtsblatt des königlichen Bezirksamtes Eschenbach von 25. Juni 1910 ist in seinem "nichtamtlichen Teil" darüber zu lesen: "In unserer Stadt, die so romantisch an einem ehemaligen Vulkan, dem Rauhen Kulm, liegt, wird heuer zum ersten Mal und zwar am 31. Juli, 7., 14., 15. und 21. August ein Bergfestspiel aufgeführt. Das Stück ist von Franz Dittmar, dem Verfasser der Volksschauspiele von Altdorf, Berneck und Eger, gedichtet und erlebt hier seine Uraufführung; die Musik ist von dem Komponisten Dr. Heinrich Schmidt. Die Spieler sind Neustädter Bürger und deren Angehörige. Der Spielplatz ist im herrlichen Hochwald unmittelbar an der Basaltkuppe des Berges gelegen."
Als nun am Sonntag um 14.30 Uhr die Uraufführung beginnt, sind Neustadts Bürgerhäuser festlich geschmückt. Über 1500 Besucher wohnen der Premiere bei, unter ihnen der Regierungspräsident der Oberpfalz, Freiherr von Aretin. Verfasser, Komponist, Regisseur und alle Mitwirkenden werden mit stürmischen Ovationen bedacht.
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Neustadt am Kulm
Als Neustadt zur Festspielstadt wurde
Uraufführung der "Hochzeit am Rauhen Kulm" jährt sich am Samstag zum 100. Mal - Lange Unterbrechung nach Weltkrieg
Auch bei der Wiederaufführung 1995 waren die Vorstellungen gut besucht. Damals spielte auch das Wetter mit. Bürgermeister Karl Pühl meinte in seinen Grußworten: "Einen Schirmherrn haben wir angesichts des herrlichen Wetters nicht nötig." Vor 100 Jahren werden bei den jeweiligen Aufführungen auch immer wieder prominente Persönlichkeiten erwähnt, so zum Beispiel Rechtsrat Freiherr von Lindenfels, Bezirksamtmann Freiherr von Kreußer, Staatsminister a.D. Freiherr von Freilitsch sowie der kaiserliche Admiral Freiherr von Seckendorff.
Als Resümee nach der letzten Aufführung kann nach den Quellen gezogen werden, dass sich die Aufführung des Bergfestspiels als lebensfähiges Stück erwiesen hat. Dem Verfasser Franz Dittmar, dem Komponisten Dr. Heinrich Schmidt und dem Spielleiter Dr. Ricklinger, Regisseur am Stadttheater in Nürnberg, wurden am Schluss der letzten Vorstellung unter großem Beifall Lorbeerkränze als Ausdruck der Begeisterung überreicht.
Über die Motivation des Autors zur "Schaffung" des Neustädter Bergfestspiels als auch über die Initiative von Personen, das Festspiel aufzuführen, fehlen jegliche Quellen. Nachweisbar ist nur, dass um die Theateraufführung sich insbesondere die Frau des damaligen Pfarrers, Rosalinde Jäger, Verdienste erwarb. Sie leitete alle Proben; unermüdlich war sie die Seele des Unternehmens, dabei eifrigst unterstützt von ihrem Ehemann August Jäger, der von Juni 1906 bis Oktober 1910 Pfarrer in Neustadt war. Die Pfarrerstöchter hatten Hauptrollen übernommen. Chlothilde als Helmbrechts Frau Margret (1995 spielte diese Rolle Marion Walter) und Else als Anna von Seckendorff (1995 Yvonne Gahr).
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Die übrigen Spieler waren ausschließlich Neustädter. Besonders zeichneten sich aus der Viktualienhändler Johann Doreth als Stadtkantor ( Willi Stahl, Erbendorf), der Ökonom Georg Kroher als Helmbrecht (Norbert Kaußler, Guttenthau), Buchbinder Friedrich Pühl als Geißpeter (Bernd Steinlein), Ökonom Christian Graf als Jost von Rabenstein (German Künneth), Lehrer August Hahn als Amtmann von Lindenfels (Uwe Heberdinger), Schneidermeister Christian Ehemann als Flurwächter (Michael Ritter), der Ökonom Hans Übelhack als Bürgermeister Kunod (Hans Besold) sowie die Kaufmannstochter Babette Rapp als Lieschen und Bürgermeisterstochter (Claudia Anzer) dazu Georg Ehemann als Konrad (Sebastian Ritter).
Extra Postauto
Nachdem die Pfarrfamilie Jäger im Oktober 1910 nach Rehau zog, gründete man um die Jahreswende 1910/11 einen Verschönerungs- und Festspielverein. Dieser setzte sich zum Ziel, das Schauspiel 1911 zu Pfingsten mehrmals aufzuführen. Das Stück sollte am 4., 5., 11. und 18. Juni in Szene gehen. Regisseur Dr. Ricklinger vom Stadttheater Nürnberg stand wieder bereit. Regierungspräsident Freiherr von Aretin sagte spontan zu, als Schirmherr zu fungieren. Und die Oberpostdirektion in Regensburg richtete für die Spieltage von der Bahnstation Kemnath-Neustadt nach Neustadt am Kulm extra Postautofahrten ein.
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Eine inhaltliche Bereicherung erhielt das Stück durch weitere Spielszenen und musikalisch umrahmte Tanzauftritte. Im "nichtamtlichen Teil" des Eschenbacher Bezirksblattes heißt es am 7. Juni 1911: "Das Festspiel ist in diesem Jahr szenisch und musikalisch viel reicher ausgestattet als bisher; insbesondere bietet die Hochzeit mit den alten Volkstänzen und Liedern ein entzückendes Bild." Nicht anders war es im Jahre 1995. Auch hier trug die musikalische Umrahmung durch den evangelischen Kirchenchor und Männergesangverein nicht unwesentlich zum Gelingen bei. Vor allen Dingen war es hier die Chorleiterin Feyken Bergner, die großen Anteil an der gelungenen Gestaltung hatte.
Knappes Bier
Nachzulesen ist, dass 1911 die Vorräte Münchner Hofbräuhaus-Bieres zur Neige gingen - eine Parallele zum Jahr 1995. Auch da befürchteten die Organisatoren, der Gerstensaft könnte nicht reichen. Schließlich reichte er doch.
Für den letzten Spieltag 1911 am 18. Juni hatte sich die Spielleitung eine Attraktion ausgedacht. Dem Festspiel sollte eine Huldigung für den Prinzregenten Luitpold und das bayerische Königshaus anlässlich dessen 90. Geburtstages vorausgehen. Diese wurde mit einer Festmusik von Dr. Heinrich Schmidt eingeleitet und erhielt mit der Bekränzung einer Prinzregentenbüste ihren Höhepunkt. Am Schluss des Festspiels wurden Dichter, Komponist und Mitwirkende lebhaft gerufen.
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Besonderer Dank wurde auch den Vereinsvorständen Förster Schmidt und Kaufmann Rapp gezollt. Doch war die Arbeit des Verschönerungs- und Festspielvereins nicht problemlos. Hatte man schon im Vorfeld Ärger mit Bürgermeister Haberstroh zwecks Standortgenehmigung der Festhalle, so schienen vor allem die enormen Leihkosten für die Kostüme aus dem Requisitenfundus des Münchner Staatstheaters, die durch Einnahmen gedeckten Beträge überschritten zu haben. Der Verein hatte eine Schuldenlast von 1100 Mark zu tragen, auf ein heute umgerechnet gut 25 000 Euro. "So wird wahrscheinlich das Festspiel endgültig der Vergangenheit angehören", heißt es in der Grafschen Chronik, niedergeschrieben im April 1915.
Der Erste Weltkrieg, der keine Wiederaufführung zuließ, war gekommen, und auch danach sollte der Chronist Recht behalten. Das Schauspiel wurde nie mehr auf einer Naturbühne aufgeführt - bis ins Jahr 1995.
Penzberg (dpa/lby) - Der Schweizer Pharmakonzern Roche hat im oberbayerischen Penzberg ein neues Forschungs- und Produktionsgebäude in Betrieb genommen. Wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte, hat die Einrichtung etwa 140 Millionen Euro
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