Rainhard Fendrich gibt am Samstag einen Liederabend in Neustadt - Noch keine Gedanke ans Aufhören
Neustadt/WN. Mit 15 Jahren griff er erstmals zur Gitarre. Zehn Jahre später eroberte er mit "Zweierbeziehung" zwischen einem Mann und seinem Auto die Hitliste Österreichs. 1981, ein Jahr später, kam mit "Strada del Sole" der Durchbruch auch in Deutschland. Seitdem gehört Rainhard Fendrich zur Spitze der Austropop-Stars. Mit seinem Programm "Lieder zum Anfassen" kommt Rainhard Fendrich am Samstag um 20 Uhr in die Stadthalle Neustadt. Es gibt noch ausreichend Karten an der Abendkasse.
Herr Fendrich, Sie treten in Duo-Besetzung auf. Wer aus Ihrer Band begleitet Sie in Neustadt?
Fendrich: Mein Keyboarder Dieter Kolbeck. Er ist klassisch ausgebildet, war vier Jahre am Wiener Konservatorium und gehört zu den besten Jazzpianisten in Europa. Ich spiele Gitarre, und so - ohne Band kommt man dem Publikum viel näher. Es gibt Raum für die leisen Töne, die oft nicht ins Radioformat passen.
"Lieder zum Anfassen" heißt Ihr aktuelles Programm. Was verbirgt sich an alten Hits und Neuem hinter dem Titel?
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Rainhard Fendrich gibt am Samstag einen Liederabend in Neustadt - Noch keine Gedanke ans Aufhören
Fendrich: Natürlich gehören "Es lebe der Sport" und "Weusd a Herz hasts wia a Bergwerk" dazu. Aber auch Neuheiten von meiner CD "September ist meine Zeit ", die am 24. September in der TV-Sendung von Carmen Nebel präsentiert wird, werde ich vorstellen, denn ich bin im September meines Lebens angekommen.
Sony Music hat gerade auch den Sampler und die DVD "30 Jahre Live - Best of" herausgebracht. Sie befinden sich mit 55 Jahren seit einem Jahr auf großer Tour.
Fendrich: 30 Jahre - das ist eigentlich ein Berufsleben. Aber nein, ans Aufhören denke ich nicht. Gerade in unserer Zeit gibt es wahnsinnig viele Themen.
Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Jugend in einem strengen katholischen Internat?
Fendrich: Nun, ich muss sagen, ich wurde wenigstens nicht sexuell belästigt. Aber es ging sehr streng zu, einige Watschn hab ich schon bekommen. Aber das war damals ja noch rechtmäßig. Ich habe keine bleibenden Schäden davongetragen.
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Sie gehören eigentlich zu einer bedrohten Art: Sie texten, komponieren und interpretieren Ihre Songs selbst.
Fendrich: Ja, das gibts heute kaum noch. Herbert Grönemeyer ist auch noch so einer, der alles aus eigener Hand erschafft, aber dann muss man schon lange suchen. Die meisten haben vergessen, dass der Begriff "Liedermacher" von Wolf Biermann zu DDR-Zeiten als Gegenstück zum Theatermacher kreiert wurde. Heute gibt es kaum noch Liedermacher.
Welche Rolle spielt Wien für Sie?
Fendrich: Wien ist meine Heimatstadt, mein Lebensmittelpunkt. Man hat natürlich immer ein ambivalentes Verhältnis zur Heimat, weil man auch Dinge sieht, die einem nicht passen. Aber im Prinzip ist Wien meine Mutter.
Wer besucht Ihre Konzerte? Wie setzt sich Ihr Publikum zusammen? Kommen die Leute, um Erinnerungen aufzufrischen oder wollen auch Jüngere Sie entdecken?
Fendrich: Zu mir kommen oft drei Generationen ins Konzert. Und es freut einen, wenn man in den Saal schaut und sieht, dass alle ihre Lippen bewegen, die Texte kennen und mitsingen. In den schönsten Briefen, die mir Leute schreiben, heißt es, ich sei "der Soundtrack ihrer Jugend". Das freut mich sehr.
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Wie geht es Ihnen privat? Haben Sie die Scheidung und Ihre Drogenabhängigkeit gut verkraftet?
Fendrich: Ja, es geht mir sehr gut. Ich habe das tiefe dunkle Tal verlassen, lebe in einer glücklichen Beziehung, bin sehr kreativ, habe zwei gesunde Kinder, die mir nur Freude machen und ein Häuschen mit Studio auf Mallorca.
Sie haben sich in Ihren Liedern ja schon unzählige Themen aufs Korn genommen: feine Damen, die Korruption, Midlife Crisis, die Schickeria. Was fordert Sie noch heraus?
Fendrich: Doch, diese Zeit bietet wahnsinnig viele ernste Themen: die Gier, immer mehr haben zu wollen, obwohl schon Überfluss herrscht, oder die Amokläufe. Ich behandle einiges auf meinem neuen "September"-Album. Der Jugendwahn beispielsweise beschäftigt mich sehr. In Deutschland darf man nicht in Würde alt werden.
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