Von Wilhelm Amann |
30.04.2010
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Nabburg
Sensationsfunde aus dem Mittelalter
Ausgrabungen am höchsten Punkt der Stadt: Archäologen stoßen auf Grubenhaus und Sudöfen
Nabburg. Für die Archäologen Dr. Mathias Hensch, Ines Buckel und Sebastian Ruhland stellt die Spitalkirche zusammen mit ihrem Umgriff eine wahre Fundgrube dar. Bei ihren jüngsten Ausgrabungen kamen nun aus dem Mittelalter stammende Reste eines Grubenhauses und einer Braustätte zum Vorschein. Für die Oberpfalz sind das bisher absolute Besonderheiten.
Das dem frühen 13. Jahrhundert zuzuordnende Grubenhaus stand zentral an der Stelle des späteren gotischen Kirchenbaus. Es wies einen schmalen Grundriss (2,20 mal 4,50 Meter), aus Flechtwerk gebildete und mit Lehm bestrichene Wände auf, besaß ein Strohdach, war maximal zwei Meter hoch und hatte nur eine Türe.
In dieser Form kannten es die Archäologen bisher nicht aus Süddeutschland, sondern eher aus dem Raum an der Nordseeküste. Diese nach heutigen Maßstäben so zu bezeichnende "Hütte" könnte Lagerzwecken oder für einen handwerklichen Betrieb, zum Beispiel eine Weberei, gedient haben. Sie ist vermutlich zwischen 1220 und 1240 abgebrannt und ließ nur wenige, aber doch verwertbare Spuren über.
Einmalig in der Oberpfalz
Das Grubenhaus ist laut Grabungsleiter Dr. Mathias Hensch dem "Abend des Hochmittelalters" zuzurechnen. Er weiß aus seiner Erfahrung: "Das ist ein einmaliger Befund für die Oberpfalz". Ähnlich verhält es sich mit einer Entdeckung im Nachbarhaus Am Obertor 4: Dort stießen die Archäologen auf sechs unterschiedlich große, birnenförmige Ofenanlagen mit rundem Brennraum und Luftkanal, die in den anstehenden Gneis eingegraben worden waren. Die Experten meinen: Es könnte sich um Sudöfen für eine Brauerei aus dem frühen 14. Jahrhundert gehandelt haben. Parallelen bestünden zu mittelalterlichen Brauereien in Holland. In der Oberpfalz wäre es der erste Beleg für eine Braustätte aus dem Mittelalter.
Von Wilhelm Amann |
30.04.2010
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Nabburg
Sensationsfunde aus dem Mittelalter
Ausgrabungen am höchsten Punkt der Stadt: Archäologen stoßen auf Grubenhaus und Sudöfen
Einen weiteren äußerst interessanter Fund machten die Archäologen gleich neben dem Grubenhaus. In der Mittelachse des Langhauses entdeckten sie das Grab (frühestens aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts) einer Person, die zu Lebzeiten wohl in enger Beziehung zum Spital gestanden haben muss. Darauf deutet die Bestattung in zentraler Position hin. Der 1,60 Meter lange Sarg wurde geöffnet. Aus der Hand des Skeletts wurde ein Medaillon gesichert, das zu einem Rosenkranz oder einer Kette gehört haben könnte. Durchaus denkbar wäre es, dass hier einst Pfarrer Zenger aus Perschen begraben wurde, der Stiftungen für das Spital machte und sich als Gegenleistung die Bestattung inmitten der Kirche erkaufte. Die sterblichen Überreste bleiben im Grab, sie werden nicht umgebettet, weil sich darüber in Zukunft keine Bühne oder Tanzfläche sondern der Zuhörerbereich des Veranstaltungsraumes befinden wird.
Das Herz der Besiedlung
Insgesamt sind alle Ausgrabungen auf dem Spitalkirchen-Gelände von hohem historischen Wert. Sie machen den Nachweis einer zwischen 700 und 1400 durchgängigen Bebauung möglich. Sakrale und Wohnzwecken dienende Bereiche lagen damals schon auf dem höchsten Punkt der Altstadt nahe beieinander. "Hier war einst das Herz der Besiedlung der oberen Stadt", folgerte daraus Dr. Silvia Codreanu-Windauer. Die Leiterin der Regensburger Außenstelle des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege hatte die Grabungsstätte kürzlich zusammen mit Bürgermeister Armin Schärtl, Stadtheimatpfleger Raphael Haubelt und dem beim Umbau der Spitalkirche federführenden Architekten Johann Ernst besichtigt (wir berichteten kurz). Der Regensburger Archäologe Dr. Mathias Hensch, der zusammen mit seinen beiden Kollegen seit November in Nabburg beschäftigt ist (wir berichteten mehrfach), erklärte dabei, dass sich anhand der Funde schön ablesen lasse, wie sich das Nabburger Stadtbild im Verlauf von 700 Jahren gewandelt hat. Die Exponate sollen zum Teil Radiokarbon-Datierungen sowie dendrochronologischen und anthropologischen Untersuchungen zugeführt werden, um möglichst präzise Altersbestimmungen zu erhalten. (Dazu auch blaue Kästen)
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