Von Alexander Pausch |
12.03.2010
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Berlin/Weiden
Mehr Sterne am Hindukusch
Bundeswehr erwägt, Kommandeur in Nordafghanistan aufzuwerten - Entscheidung bis Sommer
Die Bundeswehr plant, den Posten des deutschen Kommandeurs in Nordafghanistan aufzuwerten. Demnach soll künftig ein Zwei-Sterne-General vom nordafghanischen Masar-i-Sharif aus die Isaf-Truppen im deutschen Verantwortungsbereich führen. Bislang ist der Posten des Isaf-Regionalkommandeurs mit einem Ein-Sterne-General besetzt. Derzeit ist dies Brigadegeneral Frank Leidenberger.
"Die Umsetzung wird im Sommer erwartet", heißt es im Verteidigungsministerium. "Es ist so, dass wir derzeit aufgrund der geänderten Strategie den Einsatz in Afghanistan neu ausplanen", sagte Oberstleutnant Jörg Langer, Sprecher beim Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Potsdam, auf Anfrage. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen.
Viele Offiziere halten die Aufwertung des Postens des deutschen Isaf-Regionalkommandeurs für überfällig. Im Zuge der Ausweitung des Afghanistan-Einsatzes durch die Nato und vor allem die US-Streitkräfte wurden bei der Nato und der Internationalen Schutztruppe (Isaf) in Kabul etliche neue Stabsstellen für Generäle geschaffen. Da will die Bundeswehr nicht nachstehen, schon "um auf Augenhöhe zu bleiben", argumentieren einige.
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12.03.2010
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Bundeswehr erwägt, Kommandeur in Nordafghanistan aufzuwerten - Entscheidung bis Sommer
Dabei denken die Befürworter weniger an die ungeschriebene Etikette bei internationalen Einsätzen, wonach sich nur gleichrangige Militärs mit dem Vornamen anreden. Ein Generalmajor muss dann zu weitaus weniger Generälen "Sir" (Herr) sagen als etwa ein Brigadegeneral oder ein Oberst. Es geht um die Sicherung des deutschen Einflusses im Norden. Ob dazu allerdings eine Höherstufung des Dienstpostens des Regionalkommandeurs ausreichen wird, bezweifeln manche: "Die US-Truppen werden nicht unter deutschem Kommando operieren."
Nicht von ungefähr gab es, seit bekannt wurde, dass bis zu 5000 US-Soldaten in Nordafghanistan stationiert werden sollen, immer wieder Spekulationen, die Amerikaner wollten die Deutschen entmachten. Allerdings wurde dies durch den Isaf-Kommandeur, US-General Stanley McChrystal, dementiert.
Merkel fordert Kommando
Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte Ende Januar betont, dass die Bundeswehr weiterhin den Kommandeur im Isaf-Verantwortungsbereich im Norden stellen wird. Eine Höherstufung des Postens würde diesen Anspruch unterstreichen. Zumal die Bundeswehr durch die vom Bundestag beschlossene personelle Aufstockung des Kontingents um 850 Soldaten zahlenmäßig so gerade mal mit den US-Truppen im Norden gleichzieht. Bislang waren maximal 4500 deutsche Soldaten für den Afghanistan-Einsatz vorgesehen, wobei ein Teil ohnehin im benachbarten usbekischen Termes stationiert ist.
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Bislang ist die Führung der Regionalkommandos nicht einheitlich. Neben den Deutschen lassen auch die Italiener (Regionalkommando West) und die Türken (Regionalkommando Zentrum) ihren Verantwortungsbereich von Brigadegenerälen führen. Dagegen haben Briten (Regionalkommando Süd) und Amerikaner (Regionalkommando Ost) Generalmajore entsandt.
In Kabul wurde im Spätsommer von der Nato ein zweites Hauptquartier für die täglichen Operationen eingerichtet, das US-Generalleutnant David M. Rodriguez führt. Zudem gibt es ein Kommando für die Nato-Ausbildungsmission unter US-Generalleutnant William B. Caldwell. Die Nato-Mission kümmert sich um den Aufbau der afghanischen Sicherheitskräfte. Über all dem thront das oberste Isaf-Hauptquartier, das General McChrystal direkt zugeordnet ist. Es konzentriert sich nur auf strategische Aufgaben. Angesichts dieser Auffächerung kann es sinnvoll sein, beim deutschen Regionalkommando die Strukturen zu übernehmen. Das würde bedeuten, dass weitere hochrangige Posten entstehen.
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Team von Spezialisten
Auch in einem weiteren Punkt könnte die Bundeswehr von den Reformen durch General McChrystal lernen. Bislang verlassen deutsche Kontingente nach vier Monaten das Land wieder, verantwortliche Offiziere und Unteroffiziere bleiben in der Regel sechs Monate, ehe sie in die Heimat zurückkehren. Dabei geht jedes Mal Wissen verloren und wertvolle Kontakte zu den Einheimischen reißen ab. US-Verbände und US-Offiziere bleiben ein Jahr am Hindukusch. Zudem versucht General McChrystal nun eine Gruppe von Spezialisten und Offizieren um sich zu scharen, die sich ausschließlich auf Afghanistan konzentrieren und sich gegenseitig ablösen, damit der Wechsel keine zu tiefen Verwerfungen zur Folge hat.
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