Von Alexander Pausch |
01.03.2010
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Dschalalabad/Weiden
Reinhard Erös verliert Freund durch Attentat
Paschtune Hadschi Zaman Ghamsharik kämpfte bereits im Jahr 2001 in Tora Bora gegen Osama bin Laden
Dschalalabad/Weiden. Bei einem Selbstmordanschlag in der ostafghanischen Provinz Nangarhar ist ein enger afghanischer Freund von Dr. Reinhard Erös getötet worden. Der einflussreiche Stammesführer Hadschi Zaman Ghamsharik besuchte im Bezirk Khogyanin eine Versammlung von Flüchtlingen, die in den Osten zurückgekehrt waren, als ein Selbstmordattentäter in der Menge seine Sprengstoffweste zündete.
"Eine menschliche Tragödie für mich", sagte Erös zu unserer Zeitung. Mit Zaman habe er "einen Freund und Berater" verloren. "Er ist derjenige, den ich in Afghanistan am längsten kenne", sagte der Gründer der Kinderhilfe Afghanistan. Seit Jahrzehnten pflegten beide enge Kontakte. Unter anderem besuchte Ghamshariks Sohn mehrfach die Familie Erös in ihrem Zuhause in Mintraching (Kreis Regensburg).
Der bayerische Katholik und der muslimische Mudschaheddin kennen sich seit den achtziger Jahren. Damals kämpfte Ghamsharik als einflussreicher Kommandeur gegen die sowjetische Besatzung. Unter dem Kommando des Paschtunen sollen 4000 Kämpfer gestanden haben. Erös leistete zu dieser Zeit als Barfußarzt in Pakistan, aber auch in Afghanistan, den Mudschaheddin und deren Familien medizinische Hilfe. Einer seiner Patienten damals war auch Hadschi Zaman Ghamsharik. Der Beginn einer großen Freundschaft.
Jahrelange Blutfehde
Bei dem Anschlag, der sich bereits zu Beginn der vergangenen Woche im Ort Darsht-e-Chamtala ereignet hatte, starben neben Ghamsharik 14 Menschen, darunter Stammesälteste und Regierungsvertreter. 15 Menschen wurden verletzt. Bislang hat keine Gruppe die Verantwortung übernommen. Der Gouverneur der Provinz Nagarhar, Gul Agha Shirazi, machte die Taliban verantwortlich. Taliban-Sprecher Zabihullah Mujahid verneinte aber gegenüber der afghanischen Nachrichten-Agentur Pajhwok jede Verwicklung.
Von Alexander Pausch |
01.03.2010
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Dschalalabad/Weiden
Reinhard Erös verliert Freund durch Attentat
Paschtune Hadschi Zaman Ghamsharik kämpfte bereits im Jahr 2001 in Tora Bora gegen Osama bin Laden
Doch nicht nur die Taliban trachteten Ghamsharik, der viele Jahre im Exil im pakistanischen Peschawar und in Frankreich gelebt hatte, nach dem Leben. Seit Jahren schwelte auch eine Blutfehde mit der Qadir-Familie aus Dschalalabad. Diese beschuldigte Ghamsharik in den Mord an Hadschi Abul Qadir im Jahr 2002 verwickelt gewesen zu sein. Noch im November hatte sich eine hochrangige Regierungsdelegation bemüht den Streit beizulegen - ohne Erfolg.
Ghamsharik war erst im Sommer nach Afghanistan zurückgekehrt, um den afghanischen Präsidenten Hamid Karsai im Wahlkampf zu unterstützen. An der Grenze zu Pakistan, in Torkhum, hatten den Paschtunenfürsten ein Motorradkonvoi und Anhänger begrüßt, ehe er mit einem Hubschrauber von Karsai weiterflog.
Gamsharik war nicht nur ein Feind der Taliban sondern auch von Osama bin Laden und El Kaida. Im Dezember 2001 war er einer von drei afghanischen Kommandeuren, die CIA und amerikanische Spezialtruppen bei der Schlacht um Tora Bora unterstützen. Dort hatten sie Bin Laden eingekreist. Allerdings gelang es diesem zu entkommen.
Von Alexander Pausch |
01.03.2010
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Dschalalabad/Weiden
Reinhard Erös verliert Freund durch Attentat
Paschtune Hadschi Zaman Ghamsharik kämpfte bereits im Jahr 2001 in Tora Bora gegen Osama bin Laden
Für Reinhard Erös reißen seit Wochen die schlechten Nachrichten nicht ab. Unter den acht Jugendlichen im Alter von zwölf bis 18 Jahren, die im Dezember in Ostafghanistan bei einem nächtlichen Angriff durch Nato-Truppen gestorben waren, befanden sich auch Buben, die Schulen der Kinderhilfe besuchen. Immerhin räumte die Nato jetzt - mehr als zwei Monate nach dem Angriff - ein, dass der Angriff auf ein Gehöft an der Grenze ein Fehler gewesen sei, und die Jugendlichen nicht an Aktionen der Aufständischen beteiligt waren, berichtete die britische Zeitung "The Times". Örtliche Politiker und die Polizei hatten dies ebenso wie die Familien der Getöteten immer wieder betont.
Lichtblick Waisenhaus
"Es wird immer schlechter", klagt Erös nicht nur mit Blick auf diesen Zwischenfall. Gleichwohl können Reinhard Erös und die Kinderhilfe Afghanistan an diesem Montag einen weiteren Erfolg verbuchen. In Dschalalabad, der Hauptstadt der Provinz Nagarhar, wird das "Weiß-Blaue-Kinderhaus" der Kinderhilfe eröffnet. Finanziert wurde der Bau durch Spenden aus Bayern, vor allem von Schulkindern. Das Waisenhaus, das größte in Afghanistan, bietet Platz für 450 paschtunische Waisenkinder.
Zur Eröffnungsfeier kommen neben Erös, Gouverneur Shirzai, der Minister für Witwen und Waisen, Hamed Marzani aus Kabul. Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sandte ein Grußwort.
Die vor eineinhalb Wochen wegen gravierender Hygienemängel geschlossene Großbäckerei Müller-Brot ist in den vergangenen zweieinhalb Jahren 21 Mal von der Lebensmittelüberwachung kontrolliert worden.
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