Von Frank Werner |
26.02.2010
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Schutz der Opfer im Vordergrund
Interview mit der bischöflichen Beauftragten für den sexuellen Missbrauch Minderjähriger
Regensburg/Weiden. Die Gläubigen sind verunsichert, die Schlagzeilen erschreckend: Der katholischen Kirche machen die Meldungen über sexuellen Missbrauch in Klosterschulen schwer zu schaffen. Dr. Birgit Böhm ist die Regensburger Diözesanbeauftragte zu diesem Thema. Im Gespräch mit unserer Zeitung erläutert die Psychotherapeutin ihre Arbeit.
Bitter ist der Vertrauensverlust, den die Kirche erfährt. Aber wir sollten ihn als Anlass nutzen, aufs Neue um das Vertrauen der Menschen zu werben.
Immer mehr Fälle sexuellen Missbrauchs an katholischen Schulen kommen derzeit ans Tageslicht. Wenden sich auch zunehmend Opfer aus dem Bistum an Sie?
Böhm: Ich bin schon seit mehreren Jahren bischöfliche Beauftragte für den sexuellen Missbrauch Minderjähriger durch Personen, die im kirchlichen Dienst stehen. In dieser Zeit wurde meine Erreichbarkeit immer offen kommuniziert, so dass über die Jahre hinweg ich schon immer Ansprechpartnerin für Opfer aus dem Bistum war und bin. Man merkt, dass die transparente Kommunikation, die das Bistum diesbezüglich pflegt, hier Erfolge zeigt. Ich bin dankbar dafür, dass die Menschen zu mir Vertrauen haben und sich schon über die Jahre hinweg jeweils mit ihren Sorgen und Problemen an mich gewandt haben.
Sind es vor allem auch länger zurückliegende Fälle?
Böhm: In der Tat. Dies ist wahrscheinlich damit zu begründen, dass es Opfern, gerade bei sexuellen Übergriffen, besonders schwer fällt, über die Problematik zu sprechen, da das ganze Thema sehr schambesetzt ist. Oftmals können sich daher erst erwachsene Menschen diesbezüglich öffnen.
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Schutz der Opfer im Vordergrund
Interview mit der bischöflichen Beauftragten für den sexuellen Missbrauch Minderjähriger
Melden sich die Opfer direkt oder über Verwandte bzw. Bekannte?
Böhm: Die Opfer wenden sich üblicherweise direkt an mich. Teilweise haben sie allerdings über Verwandte oder Bekannte meine Telefonnummer oder meine Erreichbarkeit erhalten bzw. wurde es ihnen empfohlen, sich an mich zu wenden.
Wie gehen Sie mit anonymen Hinweisen um?
Böhm: So weit wie möglich versuche ich auch anonymen Hinweisen nachzugehen und aufzuklären, ob sich ein Verdacht gegen eine bestimmte Person erhärtet. Dies ist allerdings nur möglich, wenn zum Beispiel überhaupt eine bestimmte Person namentlich genannt ist. Dann wird auf jeden Fall auch einem anonymen Hinweis so weit wie möglich nachgegangen, um so gut wie möglich Aufklärung zu betreiben, damit mögliche weitere Opfer vor Übergriffen geschützt werden können.
Was empfehlen Sie Eltern, die einen Verdacht haben, dass ihr Kind missbraucht worden ist?
Böhm: Ich erörtere zunächst mit den Eltern, wie sie überhaupt zu dem Verdacht kommen, dass ihr Kind missbraucht worden sein könnte. Wenn sich aus einer derartigen Aufklärung ergibt, dass möglicherweise der Verdacht der Eltern begründet ist, empfehle ich ihnen, das Gespräch mit ihrem Kind in Momenten des Vertrauens, wie etwa beim zubettbringen oder in besonders ruhigen Kuschelsituationen zu suchen. Möglicherweise kann sich das Kind dann öffnen und den Eltern etwas sagen. Ich empfehle den Eltern außerdem, dass sie ihrem Kind signalisieren sollen, dass sie für dessen Probleme ein offenes Ohr haben und dass das Kind jederzeit, mit welchen Problemen auch immer, auf sie zukommen kann. Wichtig ist, dass das Kind Vertrauen zu den Eltern haben kann, dass diese ihm sowohl glauben, als auch dass diese nicht überfordert sind von einer etwaigen Wahrheit. Das Kind will nämlich auf keinen Fall die Eltern in irgendeiner Weise belasten.
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Wie sieht Ihre Zusammenarbeit mit der Justiz aus?
Böhm: Meine Aufgabe ist die Prüfung aller Vorwürfe. Sollten sich die Vorwürfe zu einem konkreten Verdacht erhärten, dann informiere ich den Bischof und die gesamte Kommission. Das Bistum fordert den mutmaßlichen Täter auf, sich selbst den Behörden zu stellen. Verweigert er dies, zeigt das Bistum ihn an.
Teilen Sie die Ansicht des Augsburger Bischofs Walter Mixa, dass die zunehmende Sexualisierung der Gesellschaft abnorme sexuelle Neigungen fördert?
Böhm: Ich denke, dass wir uns mit dem Verhältnis der gesamten Gesellschaft zur Sexualität in einem vierten oder fünften Schritt beschäftigen sollten. Jetzt ist die Zeit, in der Öffentlichkeit deutlich zu machen, wie Kirche im Bewusstsein ihrer Verantwortung mit sexuellem Missbrauch in den eigenen Reihen umgeht, wie wir die Opfer schützen und wie wir zukünftigen Rechtsbrüchen vorbeugen können. Dazu jedenfalls hat mich das Bistum Regensburg beauftragt.
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Erleben Sie auch Anfeindungen nach dem Motto, dass durch die vielen Negativ-Schlagzeilen die katholische Kirche unter einen Generalverdacht gestellt werden soll?
Böhm: Zunächst möchte ich hervorheben, wie verantwortungsbewusst die meisten Medien der Region mit dem Thema umgehen. Es sind nur wenige, die Klischees bedienen und die Gelegenheit nutzen, die katholische Kirche anzugreifen. Bitter ist der Vertrauensverlust, den die Kirche erfährt. Aber wir sollten ihn als Anlass nutzen, aufs Neue um das Vertrauen der Menschen zu werben.
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