Von Thomas Kosarew |
19.02.2010
| Netzcode: 2207077 | 1182 Mal gelesen.
Amberg
Killer-Freundin verliebt sich in späteres Opfer
13. Jahrgangsstufe der Berufsoberschule dreht 30-minütigen Spielfilm - Rund 100 Seiten Drehbuch selbst geschrieben
Amberg. Zu seinem Date mit der französischen Braut kommt der Killer fast zu spät. Er musste erst noch Spanisch pauken, bevor er sich mit ihr trifft. Für die junge Frau besteht aber keinerlei Gefahr. Sie ist die Freundin des Mörders, der schon bald seinen nächsten Auftrag zu erledigen hat. Die namenlose Schöne ahnt zu diesem Zeitpunkt noch nichts davon, dass sie sich wenig später dennoch auf unsicheres und unmoralisches Terrain begeben wird: Sie verliebt sich - ausgerechnet in das spätere Opfer!
Der Killer und seine Freundin: Christian Dehling (23) und Anna Jama (21) spielen in dem 30-minütigen Film der Berufsoberschüler die Hauptrollen. Gedreht wurde dafür auch in Annas Amberger Innenstadt-Wohnung. Bild: Hartl
Was auf den ersten Blick nach dem Drehbuch eines Oscar-verdächtigen Meisterwerks aus Hollywood klingt, ist tatsächlich die Grundlage eines Films, der im Februar abgedreht wurde - von 16 Schülern aus der 13. Klasse des Wirtschaftszweiges an der Amberger Berufsoberschule. Am 14. Januar begannen die Arbeiten für das fast 30-minütige Werk, das seit genau zwei Wochen im Kasten ist.
Lehrer: "Die können das"
"Am Anfang wollten wir einen Fotoroman machen", sagt Studienrat Ingo Schmaus, der die Klasse BW 13 zum Schuljahresbeginn im September übernommen hat. Obwohl sich auch die jungen Leute teilweise erst im Herbst kennenlernten, entstand zwischen ihnen und Ingo Schmaus schnell eine kreative Verbindung. Während einer politischen Studienfahrt in Berlin drehten die Schüler einige Kurzfilme für das Fach Wirtschaftsinformatik, und der Pädagoge war begeistert: "Die können das."
Als dann auch noch Timothy Bankhead vorschlug, aus der geplanten Fotoromanstrecke einen Film zu machen, war das Projekt mit dem Titel "Tagebuch eines sentimentalen Killers" geboren. Die Romanvorlage lieferte der chilenische Schriftsteller Luis Sepúlveda - ein Werk, das Schmaus vor Jahren von einem ehemaligen Studienfreund als Unterrichtslektüre empfohlen bekommen hatte. Die Berufsoberschüler waren begeistert und machten sich gleich ans Werk, um selbst ein Drehbuch zu schreiben. Benjamin Lenz, Irmgard Schöpf, Timothy Bankhead und Sebastian Majewski erarbeiteten unterschiedliche Varianten, die später zu einem rund 100 Seiten starken Script zusammengeführt wurden.
Von Thomas Kosarew |
19.02.2010
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Amberg
Killer-Freundin verliebt sich in späteres Opfer
13. Jahrgangsstufe der Berufsoberschule dreht 30-minütigen Spielfilm - Rund 100 Seiten Drehbuch selbst geschrieben
"Jeden Rahmen gesprengt"
"Wir wollten das alles gar nicht so pushen, aber jetzt hat der Film jeden Rahmen gesprengt", sagt der Studienrat vor allem mit Blick auf den eng gesteckten Zeitrahmen, der an diesem Tag Christian Dehling etwas unter Druck setzt. Der 23-Jährige verkörpert den Killer, der nach dem Spanisch-Unterricht an der Schule auf den letzten Drücker zum Drehort kommt. An der Vilsstraße ist in der Wohnung von Anna Jama schon alles vorbereitet. Die 21-Jährige, die per Mehrheitsentscheidung für die Rolle der französischen Braut ausgesucht worden ist, empfängt in ihrer Wohnung den Killer - nur für den Film, versteht sich, denn privat sind die beiden kein Paar. "Wie soll ich ihn umarmen? Passt das so?", will Anna wissen und bekommt die Regieanweisung, doch etwas zärtlicher zu dem Killer zu sein, der ebenfalls auf die Tipps seiner Kollegen angewiesen ist. Denn weder Anna noch Christian haben bisher Kamera-Erfahrung.
Während sich die 21-Jährige durchaus vorstellen kann, bei einem ähnlichen oder anderen Projekt wieder mitzumachen, hält Christian "Das Tagebuch eines sentimentalen Killers" für etwas Einmaliges: "Es ist nichts Weiteres geplant, erstmal wieder auf die Schule konzentrieren." Sehr angestrengt ist der 23-Jährige auch beim Dreh. Er folgt den Anweisungen von Timothy Bankhead sowie den beiden Kameramännern Sebastian Fruth und Philipp Seidler.
Von Thomas Kosarew |
19.02.2010
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Amberg
Killer-Freundin verliebt sich in späteres Opfer
13. Jahrgangsstufe der Berufsoberschule dreht 30-minütigen Spielfilm - Rund 100 Seiten Drehbuch selbst geschrieben
"Für alle was Neues"
"Das hier ist für alle was Neues", gesteht Anna Jama, die privat Filme mit Colin Farrell "supergut" findet und nicht für jede Szene ihre gemütliche Wohnung zur Verfügung stellen musste. Denn gedreht wurde an vielen Orten in Amberg. "Wir haben schon allein aus logistischen Gründen versucht, uns auf das Stadtgebiet zu konzentrieren", sagt Sebastian Majewski. Doch das hat nicht immer funktioniert. Für eine Szene ging es zum "Bierkönig" nach Rieden. Dort rannten die Schüler ebenso offene Türen ein wie im Amberger Altstadthotel, im Hotel Brunner und Tulip Inn. In der Pizzeria Il Faro bauten die jungen Leute ihre Kameras ebenso auf wie im ACC, im Sulzbacher Café "Auszeit" und unter der Backopera.
Dort wurde der Killer von Agenten verhört. "Das Kellergewölbe war eine traumhafte Location, irgendwo im nirgendwo", schwärmt der 23 Jahre alte Sebastian Majewski, der nicht nur das Drehbuch mitschrieb und für den Schnitt verantwortlich ist, sondern auch selbst eine Rolle bekam - die des Drogenhändlers Viktor Iwanow. Warum ausgerechnet an dieser Stelle eine Verfremdung der Handlung, die in der Romanvorlage so nicht existiert? Sebastian Majewski antwortet: "Klischees werden durchaus durchgespielt - bis zum Gehtnichtmehr." Für Studienrat Ingo Schmaus ist das kein Problem, zumindest kein großes: "Ich mische mich da nicht ein, was mir manchmal nicht ganz leicht fällt." Der gebürtige Bad Abbacher, der seit 2003 in Amberg unterrichtet, lässt der Crew weitestgehend freie Hand, greift nur dann ein, wenn es um die Plausibilität des Handlungsstrangs und die Vereinbarkeit mit der Schule geht: "Die Lehrplankonformität muss schon zu jeder Zeit gegeben sein."
Von Thomas Kosarew |
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Killer-Freundin verliebt sich in späteres Opfer
13. Jahrgangsstufe der Berufsoberschule dreht 30-minütigen Spielfilm - Rund 100 Seiten Drehbuch selbst geschrieben
Schulleitung spielt mit
Schulleiter Michael Birner und dessen ständiger Stellvertreter Wolfgang Ries vertrauten dem Filmprojekt von Beginn an. "Gott sei Dank hat die Schulleitung sehr gut mitgespielt", freut sich Lehrer Ingo Schmaus, der weiß: "Das wäre sicherlich nicht an jeder Schule möglich."
Wie sehr die Vorgesetzten des Studienrats hinter dem "Tagebuch eines sentimentalen Killers" stehen, zeigte sich beispielsweise an einem Samstag, als Wolfgang Ries in seiner Freizeit freiwillig mit Kollegen als Komparse mitwirkte: "Das findet man auch nicht überall." Gleiches gilt laut Sebastian Majewski für das Engagement seiner Mitschüler: "Alle haben sich super mit eingebracht. Die Klassengemeinschaft ist bombastisch."
Die vor eineinhalb Wochen wegen gravierender Hygienemängel geschlossene Großbäckerei Müller-Brot ist in den vergangenen zweieinhalb Jahren 21 Mal von der Lebensmittelüberwachung kontrolliert worden.
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