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Von Karl Scheuerer  |  10.02.2010  | Netzcode: 2190087  |  670 Mal gelesen.
Weiden

"Es geht um die Menschenwürde"

Reaktionen auf das Hartz-IV-Urteil in Karlsruhe - Mehr Kosten auch für die Kommunen?

Weiden. Gelassen bis erfreut: So könnten die Reaktionen der Politiker, Kirchenmänner und zuständigen Behördenvertreter in Bayern und in unserer Region auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu Hartz IV interpretiert werden. Während es etwa der evangelische Landesbischof Johannes Friedrich ausdrücklich begrüßt und auf die Menschenwürde verweist, betonen die Sachbearbeiter bei den Arbeitsagenturen und den Kommunen eher, dass man erst mal abwarten müsse, wie der Gesetzgeber die Vorgaben aus Karlsruhe ausfüllt.

In größeren Städten ist der Anteil von
In größeren Städten ist der Anteil von Hartz-IV-Kindern besonders hoch.
Die Wernberger SPD-Bundestagsabgeordnete Marianne Schieder zeigte sich erfreut darüber, "dass es dieses Urteil gibt. Nun ist Rechtsklarheit geschaffen, es geht darum, das Urteil umzusetzen." Schieder rechnet damit, das die Regelsätze angehoben werden, dann aber müsse auch das Problem der Mindestlöhne angegangen werden. Das habe man in der großen Koalition nicht geschafft, aber es könne nicht angehen, dass jemand weniger Geld zur Verfügung habe als ein Hartz-IV-Empfänger. Sie zeigt sich jedenfalls froh darüber, dass "auch darüber die Diskussion wieder angestoßen wird."

Verpflichtung des Staates



In Bayern wachsen acht Prozent der Kinder in Hartz-IV-Familien auf. Zum Vergleich: in Baden-Württemberg sind es neun Prozent, im Landkreis Potsdam Mittelmark im Speckgürtel von Berlin elf Prozent. Allerdings gibt es überall ein starkes Stadt-Land-Gefälle. So kommen hohe Hartz-IV-Quoten von mehr als einem Drittel aller Kinder fast ausschließlich in Städten vor.

Landesbischof Friedrich betont denn auch, dass Menschen, die am Existenzminimum leben, nicht ihrer Menschenwürde beraubt werden dürfen. Besonders wichtig ist ihm deshalb die Aufforderung des Gerichts an die Gesetzgeber, den finanziellen Bedarf der Kinder realistisch zu ermitteln. Denn sie seien schließlich die schwächsten Mitglieder der Gesellschaft.

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