Von Thomas Kosarew |
22.01.2010
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Amberg/Buenos Aires
Ein Jahr im Elendsviertel
Matthias Natter: Vor dem Studium Argentinien
Amberg/Buenos Aires. Sein Reifezeugnis hat er längst in der Tasche und seinen Studienplatz in Regensburg sicher. Auf den ersten Blick ist Matthias Natter ein ganz normaler 21-Jähriger, dessen Lebensweg eindeutig vorgezeichnet ist: erst das Fachabitur, dann die Uni. Dazwischen lagen aber zwölf Monate, in denen der Amberger freiwillig in einem argentinischen Elendsviertel soziale Arbeit leistete und danach ein Vierteljahr auf eigene Faust mit dem Rucksack quer durch Südamerika unterwegs war.
Bilder wie dieses gehörten ein Jahr lang zum Alltag von Matthias Natter. Heruntergekommene Häuser wie diese sind in Buenos Aires allgegenwärtig und Unruhen auf den Straßen keine Seltenheit. Bild: privat
Wieder in der Heimat angekommen, weiß Matthias nicht, wohin die Reise für ihn künftig gehen wird. Mit Blick auf sein Engagement in Virreyes, einem der ärmsten Stadtteile von Buenos Aires, gesteht der junge Mann: "Ich bin hier noch auf der Suche nach meinem Platz, den ich dort hatte und der mir hier noch fehlt." Im September 2007, zu Beginn seines letzten Jahres an der Fachoberschule, verschwendete Matthias Natter keinen Gedanken daran, Amberg zu verlassen. "Ein Jahr ins Ausland, das würde ich nie machen", sagte er damals zu sich selbst, um ein Jahr später tatsächlich die Koffer zu packen.
Kampf ums Überleben
Er war auf die weltweit tätige und im hessischen Heppenheim ansässige "Initiative für soziales Engagement" aufmerksam geworden, hatte sich beworben und einen der begehrten Plätze erhalten. Vor allem die Aussicht, Straßenkindern eine sinnvolle Beschäftigung und damit eine Perspektive geben zu können, reizte den Amberger: "Viele müssen dort jeden Tag ums Überleben kämpfen, weil sie ohne familiäre Bindung oder soziales Umfeld aufwachsen", sagte Matthias vor seiner Abreise im Sommer 2008.
Von Thomas Kosarew |
22.01.2010
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Amberg/Buenos Aires
Ein Jahr im Elendsviertel
Matthias Natter: Vor dem Studium Argentinien
Mit dem Abstand von eineinhalb Jahren weiß der zukünftige Student, dass er nicht nur den Kindern und Jugendlichen helfen konnte, sondern dass auch er in dieser Zeit gereift ist: "Ich habe zehnmal mehr gelernt, als ich den Mädchen beibringen konnte." Matthias Natter meint damit die Spielerinnen der Mannschaft Virreyes Hockey, für die er den Trainings- und Spielbetrieb plante. "Es gibt einige Mädchen, mit denen ich gearbeitet habe, die in den Armenvierteln leben", berichtet Matthias und weiß, dass viele Kinder in Argentiniens Hauptstadt auf Müllhalden Fußball, Handball oder Hockey spielen.
Desaströser Wissensstand
Deswegen machte es sich der Amberger zur Aufgabe, auch außerhalb der üblichen Arbeitszeit tätig zu werden. Er bot einen Musik-Workshop für Kindergartenkinder an, spielte mit Älteren nach Dienstschluss Volleyball und gab Englisch-Nachhilfe, die bitter nötig war: "Viele Mädchen hatten einen desaströsen Wissensstand. Trotz fünf Jahren Englisch-Unterrichts konnten sie sich nicht einmal vorstellen, was unglaublich war." Wie groß die Armut und die Not in Buenos Aires tatsächlich sind, stellte der 21-Jährige fest, als die Schweinegrippewelle über das Land schwappte. "Die Hysterie war da, aber vor allem in den wohlhabenden Schichten. In den unteren Schichten ging das Leben ganz normal weiter, weil es weitergehen musste," berichtet Matthias, der gesehen hat, wie Kranke als Müllsammler versuchten, sich ein paar Pesos dazu zu verdienen.
Von Thomas Kosarew |
22.01.2010
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Amberg/Buenos Aires
Ein Jahr im Elendsviertel
Matthias Natter: Vor dem Studium Argentinien
Damals, im Juni, hatten die Behörden wegen der großen Ansteckungsgefahr das öffentliche Leben fast komplett eingestellt, das Hockey-Projekt musste ebenfalls für eine Woche ruhen. Auch Matthias wurde krank, weiß aber bis heute nicht, ob es die Schweinegrippe war. Fernab der Familie in einem Land, dessen medizinische Versorgung eher als unterdurchschnittlich zu bezeichnen ist - Argentinien hat Matthias Natter sehr geprägt: "Ich traue mir jetzt selbst viel mehr zu und kann mit Rückschlägen besser umgehen."
Vorsatz allein reicht nicht
Dennoch warnt der 21-Jährige davor, so ein Auslandsjahr auf die leichte Schulter zu nehmen: "Man kann schon helfen, aber einer allein kann die Welt nicht besser machen." Für Frustration sieht der Amberger aber keinen Grund. Ganz im Gegenteil: "Das Wichtigste ist die Überzeugung, dass man hinter dem steht, was man macht." Dafür muss man aber nicht nach Argentinien.
Die vor eineinhalb Wochen wegen gravierender Hygienemängel geschlossene Großbäckerei Müller-Brot ist in den vergangenen zweieinhalb Jahren 21 Mal von der Lebensmittelüberwachung kontrolliert worden.
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