Von Josef Maier |
16.12.2009
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Tunis - das Tor nach Afrika
Karthago, in der Antike Gegenpol zu Rom, ist heute Villenviertel von Tunis, einer quirligen Metropole des schwarzen Kontinents
Überbleibsel der Weltgeschichte: Ausgrabungen legten eine riesige römische Therme in Karthago frei. Bilder: Maier (5)
Prachtstraßen lassen sich nicht kopieren, schon gar nicht d i e Prachtstraße, die Champs-Élysées in Paris. "Doch das ist unsere Champs-Élysées", schwärmt Naceur Mani, und sein Blick geht über den Boulevard - in Tunis. Große Hotels mit vielen Sternen, kleine Boutiquen voll von Designerklamotten edelster Art, Cafés mit der typisch französischen Bestuhlung zur Straßenmitte hin, die großzügige Weite zwischen den Häuserfassaden.
Die Avenue Habib Bourguiba zeigt am eindrucksvollsten, dass sich Tunis zu einer modernen Metropole entwickelt hat. 1956 entließ Paris Tunesien in die Unabhängigkeit, dennoch orientieren sich die Leute weiter an der französischen Lebensart. "Es hat sich hier wahnsinnig viel verändert", sagt Mani, der Anfang der 80er zum Studieren aus Sousse hierher kam und heute Direktor des tunesischen Fremdenverkehrsamts in Frankfurt ist.
Der Landstrich ganz oben in Afrika war für die Europäer schon immer das Tor zum schwarzen Kontinent. In der Antike, als Karthago den Gegenpol zum Römischen Reich bildete. Feldherr Hannibal, der einen festen Platz in den Geschichtsbüchern hat, nahm es von hier mit Rom auf. "Hannibal ist hier heute noch ein Held, Kinder werden weiter nach ihm benannt", erzählt Mani, als er über die alten Gemäuer hoch oben über dem Mittelmeer spaziert. "Okay", meint der 48-Jährige, "man sieht nicht mehr viel. Aber man muss hier seine Fantasie arbeiten lassen." Und dann stellt man sich vor, dass hier einmal ein gigantisches Amphitheater stand, mit einem Fassungsvermögen von 50 000 Leuten. Dass prachtvolle Villen an den Berghängen klebten. Reste einer römischen Therme direkt am Meer sind dagegen noch gut erhalten. Oberhalb davon liegt ein eindrucksvoller Palast - der des tunesischen Staatspräsidenten.
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16.12.2009
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Tunis - das Tor nach Afrika
Karthago, in der Antike Gegenpol zu Rom, ist heute Villenviertel von Tunis, einer quirligen Metropole des schwarzen Kontinents
Das Ende der Avenue Habib Bourguiba - nur ein paar Meter weiter beginnt die Altstadt von Tunis mit ihren engen Gässchen.
Jalloul Gharbi (links) beim Verkauf seiner "Chechias".
Das wäre auch die Verbindung zum heutigen Tunis. Karthago ist ein Stadtteil und das angesagteste Villenviertel der Hauptstadt. Die erstreckt sich bis hier heraus am Meer und zählt in ihrem Großraum 2,5 Millionen Einwohner. Somit wohnt fast jeder vierte Tunesier in diesem Gebiet.
Sandstrände vor Stadttoren
"Der Wandel hat auch den Tourismus erfasst", erzählt Mani weiter. "Mittlerweile gehört zum Tunesienurlaub auch eine Besichtigung der Hauptstadt." Viele Kreuzfahrtschiffe machen auf ihren Mittelmeertouren Station. Der Businesstourismus boomt ohnehin, Konferenzen im arabischen Raum werden zunehmend hier angesetzt. Um Tunis herum gibt es sandige Badestrände. Die Art der Tunesier zu leben gilt als sehr offen für ein islamisches Land. "Die Lebensphilosophie, die Lebensweise ist sehr europäisch", erklärt Mani. Das ursprüngliche Tunis lässt sich am ehesten auf einem vielleicht einen Quadratkilometer großen Fleckchen erleben, das zum Unesco-Weltkulturerbe zählt. Die Medina, die Altstadt von Tunis, ist eine der größten in der arabischen Welt. Hier leben 20 000 Menschen auf etwa einem Quadratkilometer. "Früher waren es noch mehr", sagt Mani. "Viele sind in den modernen Teil der Stadt gegangen." Die hier geblieben sind, betreiben die Geschäfte, die sie von ihren Vätern und Großvätern übernommen haben.
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Tunis - das Tor nach Afrika
Karthago, in der Antike Gegenpol zu Rom, ist heute Villenviertel von Tunis, einer quirligen Metropole des schwarzen Kontinents
"Die Lebensphilosophie, die Lebensweise ist sehr europäisch." (Naceur Mani über Tunis)
Das Klischee vom orientalischen Treiben wie im Märchen aus Tausendundeiner Nacht sollte aber nicht strapaziert werden. Allerdings, der Geruchssinn wird hier bei den vielen Düften schon lebendiger, die Farben werden bunter wahrgenommen. Rachid, einer der vielen Händler, versucht, damit besonders zu glänzen: "Nur ein Dinar heute", bewirbt er ein goldenes Tellerchen, in das er in Minutenschnelle den Namen einhämmern würde. Rachid hat kein Glück.
Das hat schon eher Jalloul Gharbi. Beharrlich kämmt er in einem vielleicht sechs Quadratmeter großen Raum das Material für die "Chechias". Die Filzkappen sind die Kopfbedeckung der traditionsbewussten Tunesier. Der ernst dreinblickende Mann erklärt: "Sie helfen gegen Wärme und Kälte." Zuerst zückt er sein Visitenkärtchen, dann ein Hütchen nach dem anderen von den hohen Regalen. "Passt nicht", murmelt er, als dem Gast die "Chechias" zur Probe aufsetzt. Er hat seinen Stolz, will nicht schnell irgendetwas verkaufen. Im Gegensatz zu anderen, die den Touristen nur etwas unterjubeln wollen. Deshalb hat Mani vorher auch gewarnt: "Nehmt euch Zeit beim Kauf!" Und: "Feilscht, feilscht, feilscht!" Den angebotenen Preis gleich einmal um die Hälfte drücken, sei ein guter Ansatz. Und dann gebe es noch ein Gebot: "Wer etwas gekauft hat, sollte nicht schauen, was es am Nachbarstand kostet. Sonst ärgert man sich oft ganz gewaltig."
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Tunis - das Tor nach Afrika
Karthago, in der Antike Gegenpol zu Rom, ist heute Villenviertel von Tunis, einer quirligen Metropole des schwarzen Kontinents
Einmalige Sammlung
Mosaike in allen Variationen: Kochbati Khmais weiß alles über sie.
Kitsch gibt es en masse hier, etwa billige Nachbildungen von Mosaiken. Die beeindruckenden Originale sind draußen im Stadtviertel La Bardo zu bestaunen, wo eines der größten Archäologiemuseen der Welt steht. Die römische Mosaikensammlung ist einmalig. Kochbati Khmais arbeitet seit 1976 hier, erklärt Besuchern aus aller Welt in vielen Sprachen die Schätze dieser Gemäuer. Und blickt immer wieder Stolz auf das Juwel: "Dieses Mosaik ist 137 Quadratmeter groß." Khmais' Augen strahlen. Für ihn ist es stets eine Muse, durch diese Hallen zu wandeln. Der Feingeist liebt das antike Leben hier genauso wie das Treiben auf der Avenue Habib Bourguiba. Auch er lebt zwischen Tradition und Moderne.
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